36Der Anteil der Vierten

in deren eigenen Darstellungen

 

Die Division schildert die Vorgänge in ihrem Bericht (Narrative History) an die Generaladjutantur wie folgt:

 

Beim Abschluss der Normandie-Kampagne, als der Brückenkopf endgültig etabliert war, wurden die Operationen begonnen, die mit dem Durchbruch bei St-Lô kulminierten. Drei Infanterie-Divisionen mit der Vierten in der Mitte, hatten den Auftrag, in die deutschen Linien einzudringen, um die Ausnutzung des Durchbruchs mit Panzern zu gewährleisten. Während des Angriffs CT 22 (Combat Team http://de.wikipedia.org/wiki/Brigade_Combat_Team ) wurde das CC “A“ (Combat Command) der 2. Panzerdivision angeschlossen. Links der Vierten operierte diese Panzerdivision in der Zone der 30. Infanterie-Division.

 

Günstige Fortschritte gelangen und das Eindringen kam voran bei La Chapelle-en-Juger. Ein beträchtlicher Teil des Widerstandes kam von leichten Waffen, Automaten und verstreutem Artilleriefeuer. Am nächsten Tag setzte sich die Kampagne fort. Die Division legte die Basis für die Einkreisung von Marigny.

 

Die Division setzte den Angriff über Terrette und Soulles Rivers durch die Städte(Dörfchen!) von Soulles, Le Guislain und Hambye fort. Am 30. Juli stand die Division auf einer Linie ca. 3200 yards (yard = 0,9144 m) westlich der Strasse Villebaudon-Percy. Andere Elemente, die nach Süden vordrangen, hielten die Linie ungefähr 3000 Yards südlich von Hambye. Auf der Linken der Division, CC“A“, drang die 2. Pz Div mit der zugeteilten 22. Inf Div. durch die 30. Division hindurch und machte rasche Fortschritte durch Le Mesnil Herman, La Demisierre nach Villebaudon. Die 3. Pz Division drang durch die Vierte hindurch und mündete in den Ausbau der Penetration ein. Truppen setzten die Begegnung fort mit Taschen der von den Vorrückenden Überholten.

 

Es war offensichtlich, dass der Feind daran dachte, sich auf die Anhöhen zurückzuziehen, welche St-Pois im Osten und Südosten umgeben. Und dies gegen den Wald von Sever (Forêt de Saint-Sever-Calvados), wo – offenkundig – der Feind eine entschlossene Nachhut-Aktion versuchen wollte, während ein genereller Rückzug im Gange war.

 

Combat Team 22 als Teil von CC „A“, 2. Panzerdivision, nahm die Ortschaft (town) Tessy-sur-Vire am 1. August ein. Es folgten extrem heftige Yard-um-Yard-Kämpfe. Am folgenden Tag fiel CT 22 in den von der Vierten kontrollierten Bereich zurück und bewegte sich durch Percy, um sich der Division anzuschliessen, die nun bei Villedieu-les-Poêles stand. Die 1. Division, die auf der rechten Seite der Vierten focht, bewegte sich gegen Süden nach Brécey. Die Vierte rückte nun schnell nach Süden vor in die Nähe von St-Pois, wo starke feindliche Verzögerungs-Streitkräfte den Vormarsch bis am 4. August aufhielten.


24. Juli 1944

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 Der Durchbruch des 22. Infanterie-Regiments

 

Jahrbuch des Regiments, 1947:

 

On July 19 the regiment moved behind the lines to the vicinity of La Mine, where, attached to Brig. Gen. Maurice Rose's Combat Command A of the Second Armored Division, it began almost immediately to plan and train for the forthcoming breakthrough operations. The overall plan contemplated the use of heavy bomber aircraft for saturation type bombing and, hence, was dependent on weather suitable for flying. Infantry-tank teams were organized. Training was pursued in this type combat to the end that members of the 22nd Infantry and Combat Command A developed confidence one in the other, and became fast friends. July 25 dawned clear, and the weather, which had heretofore been overcast with steady rains, was announced satisfactory. At 1100 the St. Lo Breakthrough commenced with bombardment by B-17 type aircraft. At the conclusion of the bombardment, elements of the Fourth Division penetrated the enemy's defense and rolled back the flanks to right and left. One day later Combat Command A of the Second Armored, with the 22nd Infantry attached, began its move toward St. Gillis and Canisy. Combat Command A moved in three columns on July 28 and, while the First and Second Battalions of the 22nd Infantry were held up along the stream south of Moyen, the Third Battalion seized the high ground northeast of Percy. The First Battalion, now under Captain Bruce Lattimer, and the Second Battalion, under Major H. L. Drake, disengaged from the enemy and, having moved west to the Le Mesnil Herman-Percy axis, attacked south toward Villebaudon. Near Villebaudon, Combat Command A was struck by enemy columns counterattacking from three directions, and the situation became critical. Bold and decisive action by leaders in all echelons, and courage and determination on the part of the troops, stabilized the situation by nightfall. On the first of August, the Third Battalion, with accompanying armor, seized Tessy-sur-Vire, and outposted the high ground beyond. At noon the next day the regiment reverted to the control of the Fourth Division, and the initial phase of the breakthrough operation was terminated. For its outstanding performance in this operation the regiment was awarded the Distinguished Unit Citation.“

 

Übersetzung:

 

Am 19. Juli zog das Regiment hinter die Linien in der Nähe von La Mine, wo es dem Kampfkommando CC A der Zweiten Panzerdivision von General Maurice Rose angegliedert wurde; es begann fast sofort für die bevorstehenden durchbrechenden (breakthrough) Operationen zu planen und zu trainieren. Der Gesamtplan sah den Einsatz von schweren Bomberflugzeugen für die „saturation type“-Bombardemente vor; er war daher abhängig vom tauglichen Flugwetter. Infanterie-Panzer-Teams wurden zusammengestellt. Die Ausbildung wurde in diesem Kampfgruppen-Typ zu dem Zwecke betrieben, dass die Männer des 22. Infanterieregiments und des Kampfkommandos CC A ineinander Vertrauen entwickelten; sie wurden schnell zu Freunden. Der 25. Juli dämmerte in klarer Sicht und das Wetter, das bis dahin von anhaltenden Regenfällen geprägt war, wurde als zufriedenstellend prognostiziert. Um 1100 begann der Saint-Lô-Durchbruch mit der Bombardierung durch Flugzeuge vom Typ B-17. Am Ende der Bombardierung drangen Elemente der Vierten Division in die Verteidigung des Feindes ein und rollten die Flanken nach rechts und links zurück. Einen Tag später begann das Gefechtskommando CC A der Zweiten Panzerdivision mit dem zugeteilten 22. Infanterieregiment sich in Richtung St-Gilles und Canisy zu bewegen. Das Kampfkommando CC A bewegte sich am 28. Juli in drei Kolonnen: Während das Erste und das Zweite Bataillon des 22. Infanterieregiments südlich von Moyen entlang des Flusses aufgehalten wurden, eroberte das Dritte Bataillon das Hochland nordöstlich von Percy. Das Erste Bataillon, jetzt unter Captain Bruce Lattimer, und das Zweite Bataillon unter Major H. L. Drake lösten sich vom Feind ab und bewegten sich nach Westen zur Achse Le Mesnil Herman-Percy; sie griffen nach Süden in Richtung Villebaudon an. In der Nähe von Villebaudon wurde das Combat Command CC A von feindlichen Kolonnen aus drei Richtungen angegriffen; die Situation wurde kritisch. Mutiges und entschlossenes Handeln der Führer aller Ebenen sowie Mut und Entschlossenheit der Truppen stabilisierten die Situation bis zum Einbruch der Dunkelheit. Am 1. August eroberte das Dritte Bataillon - mit begleitenden Panzern - Tessy-sur-Vire und und es liess die Anhöhen hinter sich. Am Mittag des nächsten Tages kehrte das Regiment in die Hierarchie der Vierten Division zurück; die erste Phase der Durchbruch-Operation war damit beendet. Für seine herausragenden Leistungen bei dieser Operation wurde das Regiment mit der Distinguished Unit Citation ausgezeichnet.

 

Exkurs: 22. Inf. Rgt. Presidential Unit Citation

 

July 26, 1944 - Operation Cobra - Presidential Unit Citation

 

 Riding atop the tanks of the 2nd Armored Division, the 22nd Infantry Regiment spearheaded the St. Lo breakout in Operation Cobra. The Presidential Unit Citation which our unit earned for this operation reads :

"The 22nd Infantry Regiment is cited for extraordinary heroism and outstanding performance of duty in action in Normandy, France, during the period of 26 July to 1 August 1944. The 22nd Infantry Regiment was the infantry element of an armored-infantry combat command which successfully effected a breakthrough of the German line of resistance west of St. Lo, forming the St. Gillis-Marigny gap through which the armored-infantry columns surged deep into German held territory. Operating against hardened infantry, artillery, and panzer units, this Regiment, often riding its accompanying tanks, met and overcame the stiffest German resistance in desperate engagements at St. Gillis, Canisy, Le Mesnil, Herman, Villebaudon, Moyen, Percy, and Tessysur-Vire. The 22nd Infantry Regiment in its first action with an armored division, after a short period of indoctrination, assumed the role of armored infantry with unparalleled success. Throughout the swift moving, 7 day operation, the infantry teams kept pace with the tanks, only resting briefly at night relentlessly to press the attack at dawn. Rear echelons fought with enemy groups bypassed in the assault. There was little protection from the heavy artillery which the Germans brought to bear on the American armor. Enemy bombers continually harassed the American troops at night, but in a outstanding performance of duty the 22nd Infantry Regiment perfected an infantry tank team which, by the power of its determined fighting spirit, became an irrestible force on the battlefield." Deeds Not Words !

Übersetzung:

 

26. Juli 1944 - Operation Cobra

Ehrende Erwähnung der militärischen Einheit durch den Präsidenten.

Auf den Panzern der 2. Panzerdivision führte das 22. Infanterieregiment den Saint-Lô-Ausbruch (Breakout) in der Operation Cobra an. Die Presidential Unit Citation, die sich das Regiment für diese Operation erworben hat, lautet:
"Das 22. Infanterieregiment wird für sein aussergewöhnliches Heldentum und seine hervorragenden Leistungen im Einsatz in der Normandie in der Zeit vom 26. Juli bis 1. August 1944 zitiert. Das 22. Infanterieregiment war das Infanterie-Element eines gepanzerten Infanterie-Kampfkommandos, das den Durchbruch durch die deutschen Widerstandslinien westlich von Saint-Lô schaffte und die St-Gillis - Marigny-Lücke bildete, durch die die Panzer-und-Infanterie-Säulen tief in das von den Deutschen gehaltene Territorium eindrangen. Dieses Regiment, das gegen abgehärtete Infanterie-, Artillerie- und Panzertruppen operierte, traf auf den erbittertsten deutschen Widerstand, den es in verzweifelten Einsätzen in St. Gillis, Canisy, Le Mesnil, Herman, Villebaudon, Moyen, Percy und Tessy-sur-Vire überwand. Das 22. Infanterieregiment übernahm in seiner ersten Aktion mit einer Panzerdivision nach kurzer Zeit der Einweisung die Rolle der Panzergrenadiertruppe mit beispiellosem Erfolg. Während des schnellen, siebentägigen Einsatzes hielten die Infanterie-Teams mit den Panzern Schritt und ruhten sich nur nachts kurz aus, um den Angriff im Morgengrauen unerbittlich weiter zu voranzutreiben. Die rückwärtigen Reihen kämpften mit feindlichen Gruppen, die bei dem Angriff umgangen worden waren. Es gab wenig Schutz vor der schweren Artillerie, die die Deutschen auf die amerikanischen Panzer ansetzten. Feindliche Bomber behelligten die amerikanischen Truppen in der Nacht, aber das 22. Infanterieregiment perfektionierte das Infanterie-&-Panzer-Team, das dank seines entschlossenen Kampfgeistes zu einer unwiderstehlichen Kraft auf dem Schlachtfeld wurde." Taten statt Worte!

 

 http://www.22ndinfantry.org/wwllpage2.htm

ihttp://1-22infantry.org/history2/regthistory.htm 27.08.14 19:43:11 22nd Infantry Regiment Yearbook, printed 1947


 2. Bataillon/12. Infanterieregiment

 

H-Kompanie/Maschinengewehrzug Chapman

 

Craig S. Chapman "Battle Hardened:

 

An Infantry Officer's Harrowing Journey from D-Day to V-E Day"

 

S. 61: KAPITEL FÜNF OPERATION COBRA – Übersetzung

 

Bill kam im 83. Allgemeinen Krankenhaus des Royal Army Medical Corps in Wrexham, Wales, an. Dort reinigte das medizinische Personal seine Wunden von der Raketensplittern. Er war auch in anderer Hinsicht in schlechter Verfassung. In den Tagen seit dem D-Day waren Erbrochenes und Meersalz, Schweiss, Regenwasser, Schmutz und getrocknetes Blut durch seine Uniform gespült worden. Bill war seit Tagen nicht mehr aus seinen Stiefeln gekommen. Als die Krankenschwestern seine Socken auszogen, schälten sich die Fusssohlen ab wie Papier, das auf Klebeband fixiert ist.

 

Nach der Reinigung seiner äusseren Wunden untersuchten die Ärzte die Röntgenbilder von Bills Brust, um die Gefahr, die von einem eingebetteten Schrapnell ausging, einzuschätzen: es war ein Stück mit einem Durchmesser von Dreiviertel Zoll. Sie sahen, dass seine Rippen gebrochen waren, merkten aber nicht, dass auch sein Trommelfell gerissen war. Die Einstiche in seinem Rücken beunruhigten sie am meisten. Die Ärzte beschlossen, die Stahlbrocken in seinem Oberkörper zu lassen, anstatt beim Herausholen weitere Verletzungen zu riskieren. Das Krankenhauspersonal gab ihm Sauerstoff, Bluttransfusionen und 52 Dosen Penicillin über eine Woche. "Gott, da sind überall Löcher in meinen Armen", beschwerte er sich. Bill hat gut auf die Behandlung reagiert. Nachdem er sich etwas ausgeruht hatte, war seine Atmung weniger schmerzhaft und er gewann allmählich wieder an Kraft. Mit der Zeit konnte er sich auf Dinge konzentrieren, die nicht nur seine Schmerzen betrafen.

 

[Es folgen die Seiten 62 – 65, die hier nicht übersetzt werden.]

 

S. 65 unten bis 78

 

Bill ging nach der zweiten Landung in der Normandie an die Front. Am 21. Juli erreichte er ein kleines Dorf in der Nähe der 4. Infanteriedivision. Er klopfte an die Tür eines französischen Hauses, um aus dem Regen zu kommen. Die Familie stimmte bereitwillig zu, dass er die Nacht hier verbringen durfte. Er schlief mit einem Dach über dem Kopf und dem Regen entronnen; das war ein Komfort, den er wochenlang nicht mehr geniessen würde. In der Zeit, die er mit der Familie verbrachte, störten ihn einige Dinge ihrer Kultur und Einstellung, besonders die Art und Weise, wie die Bauern ihre Frauen behandelten. Jedes Mal, wenn Bill etwas wünschte, stimmte der französische Ehemann zu und befahl seiner Frau, sie solle Bill alles geben, was dieser wolle. "Apropos Frauen. Du weisst, dass sie die meiste Arbeit machen. Du bekommst zu sehen, wie die Frau eine Schubkarre stösst und ihr Mann neben ihr seine Pfeife raucht!"

 

 Distanz St-Lô – Le Dézert 15 km (Auto)

 

Bill kam am 22. Juli in einem nass-feuchten Bereitstellungsraum ausserhalb des Weilers le Desert [Le Dézert], dreizehn Kilometer nordwestlich von St-Lô, wieder zur H Company.

 

[Während des Zweiten Weltkriegs bestanden die meisten Infanterieregimenter aus drei Bataillonen (1., 2. und 3.), wobei jedes Bataillon aus drei Gewehr-(Füsilier-)kompanien und einer Schwere-Waffen-Kompanie bestand. Das heisst, die Füsilierkompanien A, B, C zusammen mit der Schwere-Waffen-Kompanie D waren Teil des 1. Bataillons, die Füsilierkompanien E, F, G und die Schwere- Waffen-Kompanie H bildeten das 2. Bataillon und die Füsilierkompanien I, K und L sowie die Schwere-Waffen-Kompanie M waren im 3. Bataillon. Quelle]

 

Das plötzliche Wiederauftauchen eines längst abgeschriebenen Mannes sorgte für Aufsehen in der Einheit, vor allem bei den Männern, die die klaffende Wunde neben seinem Herz gesehen hatten. Er war einer der Offiziere ihrer „Vorgeschichte“ (past tense).

 

So glücklich er auch war, wieder bei seiner Einheit zu sein, die Schar neuer Gesichter und die vielen vermissten D-Day-Veteranen dämpften seine Stimmung. Das 12. Infanterieregiment hatte während seiner Rekonvaleszenz schwere Zeiten durchgemacht. Das VII. Korps hatte die Deutschen von Montebourg nach Cherbourg zurückgedrängt und zwar in den zwei Wochen, in denen Bill verwundet war. Das 12. Infanterieregiment half mit, den wichtigen Hafen am 25. Juni zu erobern. Nachdem dies erreicht war, wurde die 4. Infanteriedivision verlegt und zwar südlich von Carentan, um den Brückenkopf der Normandie zu erweitern. In zehn Tagen brutaler Kämpfe rückte das Regiment nur sechs Kilometer vor, Hecke um Hecke, gegen Elemente der 2. SS Panzer Division "Das Reich" und der 17. SS Panzergrenadier-Division "Götz von Berlichingen". Dem Rest der Ersten Armee ging es nicht besser. Eine entschlossene deutsche Verteidigung versuchte, die Alliierten in der Normandie in einen Flaschenhals laufen zu lassen. General Bradley hatte den Vorstoss auf breiter Front durch das V., VII., VIII. und XIX. Korps abgesagt, nachdem Saint-Lô am 18. Juli gefallen war.

 
Der Mangel an amerikanischem Erfolg ist zum Teil auf die taktische Doktrin der Army im Jahre 1944 zurückzuführen. Das Operationsmanual visualisierte nur zwei primäre Angriffsformen: die Umfassung [in Flanke und Rücken eines gegnerischen Verbandes stossen] und die Penetration [vermutlich nach heutiger Definition „Durchbruch“ = den gegnerischen Verteidigungsraum durchstossen]. Das Handbuch gab der Umfassung die Präferenz, sobald eine Flanke vorhanden sei; wenn nicht, wurde die Penetration gefordert. Mit Penetration meinte die Armee die Durchbrechung an einem Punkt der Front des Gegners. "Bei einer Penetration durchquert der Hauptangriff einen Teil des Gebietes, das von den Hauptstreitkräften des Gegners besetzt ist, und er wird auf ein Ziel im gegnerischen Rücken gerichtet." Das Handbuch versäumte es, ein wesentliches Merkmal dieser Art von Operationen hervorzuheben, nämlich dass ein Angriff so schlank wie möglich ausfallen sollte. Es empfahl, die Kräfte für den Hauptangriff zu konzentrieren, aber die Anleitung liess die Vermutung aufkommen, dass die angreifende Einheit immer noch die ganze Breite der Verteidigerlinie abdecke. Später wird die Doktrin einen Unterschied zwischen einer Penetration und einem Frontalangriff [= Angriff, bei dem das Schwergewicht auf die Front des Gegners ausgerichtet ist] machen und die Definition einer Penetration auf einen konzentrierten Angriff gegen einen relativ engen Teil der gegnerischen Verteidigung einschränken.

 

Die Schlachten Anfang Juli forderten einen grausamen Tribut von der Efeu-[4.] Division. Sie hatte 2.300 Mann verloren und den Offizierskader des Bataillons radikal verändert. Tallie Crocker war aus dem Krankenhaus zurückgekehrt, hatte aber einen neuen Auftrag. Captain Earl W. Enroughty, ein zuverlässiger Offizier aus Virginia, übernahm am 20. Juli das Kommando über die H-Kompanie. [Capt. Enroughty wurde am 3. Dez. 1944 getötet; seine Uniform wird im Internet gezeigt.] Major Richard O'Malley übernahm das 2. Bataillon, nachdem Dominick Montelbano ausserhalb von Montebourg getötet worden war. O'Malley - bekannt als "Der eiserne Major" - hatte das Bataillon mit seinem aggressiven Kampfgeist beseelt, aber er wurde weniger als eine Woche vor Bills Rückkehr getötet. Major Gerden F. Johnson, der leitende Offizier des 1. Bataillons (XO), übernahm das Kommando an O'Malleys Stelle

 

Organigamm Juli/August 1944 

 

4. Division: General Barton

12. Regiment: Oberst James S. Luckett

2. Bataillon: Major Gerden F. Johnson

H-Kompanie: Hauptmann Enroughty

MG-Zug Unterleutnant Bill Chapman

 

Auch in den höheren Rängen gab es Veränderungen. Colonel James S. Luckett, ein bescheidener, aber fähiger Offizier, ersetzte den dynamischen Red Reeder als Kommandant des 12. Infanterieregiments. Der Divisionskommandeur, General Barton, blieb, aber die Efeu-Division verlor ihren beliebten stellvertretenden Kommandeur, Ted Roosevelt Jr.; der Held der Utah Beach starb am 12. Juli an einem Herzinfarkt.

Captain Enroughty beauftragte Bill mit der Leitung eines der beiden Maschinengewehr-Züge in der H-Kompanie. Sein Zug war in zwei Sektionen organisiert, die jeweils mit zwei wassergekühlten M1917A1 Browning .30 Kaliber Maschinengewehren ausgestattet waren.

Das schwere Maschinengewehr M1917A1 wog dreissig Pfund und war mit einem sechs Pfund schweren Wasserkanister und einer dreiundfünfzig Pfund schweren Lafette ausgestattet. Dieses erhebliche Gewicht machte sie zu schwer für Füsilierkompanien, die mit dem leichteren luftgekühlten M1919 Maschinengewehr ausgerüstet waren.

 

 Die Armee platzierte die M1917A1s in Maschinengewehrzügen innerhalb der schweren Waffenkompanie des Bataillons. Jedes von Bills vier Geschützkommandos hatte seinen eigenen Jeep, um die Waffen und ihre Munition zu transportieren.

 

[Die Waffen der Division werden einlässlich und illustriert auf dieser Website beschrieben.]

 

Die beiden Typen von Maschinengewehren feuerten die gleiche M2-Patrone ab, aber jeder MG-Typ diente einem anderen Zweck. Mit dem leichteren M1919 konnten die Füsilierkompanien die Feuerkraft eines Maschinengewehrs mit ihren Schützen mitnehmen. Die Infanterie schätzte aber das M 1917A1 für seine unglaubliche Zuverlässigkeit und indirekte Feuerfähigkeit. Das Kriegsministerium kaufte das M1917A1, nachdem sein Erfinder, John Browning, eine Demonstration für leitende Offiziere und politische Führer durchgeführt hatte. Er feuerte einen einzigen "Burst" von 20.000 Schuss aus einem M1917 ohne Pause oder Fehlfunktion ab. Das M1917A1 sollte bis weit in die 1950er Jahre hinein in der U.S. Army und im Marine Corps dienen.

 

Maschinengewehre waren ideal, um eine letzte Schutzlinie (FPL) zu schaffen, eine Verteidigungstaktik, die dazu gedacht war, feindliche Infanterie zu stoppen, indem sie eine konstante Wand aus Blei an die Frontlinie schoss. Damit sie in ihrer Taktik wirkungsvoll waren, mussten die Mitrailleure entweder zwischen vorrückende Füsiliere oder über deren Köpfe hinweg feuern und zwar mit indirekten Feuertechniken, ähnlich den von den Mörsern (Minenwerfern) verwendeten Feuerleitverfahren.

 

Captain Enroughty orientierte Bill auch über eine grosse Offensive, die am 24. Juli stattfinden solle. General Bradley hatte den Breitfrontangriff auf dem gesamten amerikanischen Abschnitt der Normandie aufgegeben. Er plante nun, einen vier Meilen breiten Angriffs-Abschnitt an der deutschen Frontlinie mit einem konzentrierten Vorstoss unter Einsatz des VII. Korps, zu dem auch die Efeu-Division gehörte, als Kampftruppe.

 

[Die rote Diagonale ist die schnurgerade Strasse von Périers nach St-Lô, die den Amerikanern als LD (Line of Departure) = Angriffsgrundstellung der Operation Cobra diente. 1:50'000 - Gitterquadrat-Seitenlänge 1 km]

 
Eine gerade Strecke einer alten römischen Strasse zwischen Saint-Lô und Périers markierte den LD für den Angriff. Jenseits dieser Linie würden Bomber der Achten und Neunten Luftflotte ein Zielfeld mit Bomben sättigen, um die gemischten Elemente der Panzerlehr-Division, der 5. Fallschirmjäger-Division und der 275. Division zu vernichten. Anders als die Luftbombardierung, die der gescheiterten britischen Operation Goodwood vorausgegangen war, würden die Amerikaner nur Bomben von 250 Pfund oder weniger verwenden, um zu vermeiden, dass massive Krater entlang der geplanten Angriffslinien entständen. Der Plan sah auch einen sofortigen Bodenangriff nach der Luftbombardierung vor, um die Schockwirkung maximal auszunutzen. Sobald das VII. Korps die deutsche Front durchdrungen hätte, sollten mehrere Panzerdivisionen durch die Lücke ins Feindgebiet strömen. Bradley hoffte, dass diese Offensive, "Operation Cobra", einen Durchbruch erzielen würde, der es den Panzertruppen erlaubte, tief in das deutsche Hinterland vorzudringen. General Barton bezeichnete das 8. Infanterieregiment als die Speerspitze der Efeu-Division, dem das 12. Regiment ins Zielgebiet folge, um alle Widerstandsnester, die das vorausgegangene Regiment umgangen habe, auszuräumen. Regen fiel während der nächsten zwei Tage, was die Verschiebung des Angriffs erzwang und Bill mehr Zeit gab, sich mit seinem neuen Zug vertraut zu machen. Am 24. Juli erhielten einige Bomberstaffeln, die zum geplanten Angriff gestartet waren, keine Rückrufmeldung; sie liessen ihre Bomben fallen, ein paar von ihnen als "Shorts", die einige amerikanische Truppen töteten. Die Amerikaner befürchteten, dass der gescheiterte Schlag ihre Karten aufgedeckt hätte, aber die Deutschen reagierten nicht.

 

 [Nochmals die Angriffsgrundstellung Périers – St-Lô, diesmal auf der Karte 1:250'000 - Gitterquadrat-Seitenlänge 5 km]

 

Als die Männer der 12. Infanterieregiments am 25. Juli erwachten und klaren Himmel sahen, wussten sie, dass die Operation Cobra losgehen würde. Einige nutzten die Gelegenheit, die massive Vorbereitung des Zielfeldes aus den Obstgärten sechs Kilometer von der Strasse St. Lo - Periers entfernt zu beobachten. Einer der Schützen in Bills Bataillon, Soldat Dick Stodghill, beschrieb, wie sich die Operation entfaltete.

 
„Die Artillerie begann um neun Uhr zu schiessen.... Jede Waffe in Reichweite nahm teil.... Das Sperrfeuer dauerte eine Stunde. Dann kamen die Sturzbomber. Das schien auch unendlich, aber es hörte schliesslich auf und dann kamen von hinten mittlere Bomber...Endlich war es vorbei...einige von uns glaubten, dass die Panzerbesatzungen und die Infanteristen der Panzer Lehr Division nun genug Schläge erlitten hätten...Aber dann....hörten wir ein dröhnendes Geräusch von hinten kommen. Ich sah sie fast direkt über mir, Dutzende von Flying Fortresses und Liberators so hoch, dass sie wie Spielzeug aussahen, das unter einer blauen Decke hing.

 

Dann fingen die Bomben an zu fallen und wir drehten uns überrascht wieder nach vorne. Einige Minuten lang trieben uns das donnernde Gebrüll der Explosionen und die Anblicke von riesigen, hoch in der Luft schwebenden Erdklumpen jeden Gedanken aus dem Kopf. Dann kam mir eine Idee: Niemand verdiene das, was die Männer auf der anderen Strassenseite erlebten.

 

Bald jedoch verdunkelten der Rauch und der Staub, die über uns schwebten den Himmel. Auf der anderen Seite erschien es schwarz wie die Nacht zu sein. Dann kam die ekelhafte Erkenntnis, dass die Bomben auf unserer Seite der Autostrasse zu fallen begannen.... Die Explosionen kamen immer näher, bis wir sehen konnten, dass die Bomben auf das 8. Infanterieregiment niedergingen und in einer weiteren Minute auf uns fallen würden.“

 

Ein Phänomen namens "Creepback" [Zurückschleichen] verursachte die Shorts. Bombenschützen in den ersten Formationen warfen ihre Bomben etwas zu kurz vor dem geplanten Ziel ab. Die Wolken aus Rauch und Schutt verdeckten die Ziele jener der folgenden Formationen, die somit ihre Zielpunkte noch näher an die amerikanischen Truppen rückten. Infolgedessen schlich sich die Bombardierung von dem geplanten Ziel mit jeder nachfolgenden Bomberformation noch weiter zurück [auf die eigene Truppe zu = friendly fire; siehe auch „'Friendly Fire' bei der Operation Cobra“].

 


 

[Rechts entspricht ungefähr dem linken Kartenausschnitt aus dem Buch Chapmans, aber rechts handelt es sich um den Ausschnitt aus der Karte 1:50'000, welche den Infanterie-Offizieren zur Verfügung stand. Gitterquadrat - Seitenlänge: 1 km]

 
Die zu kurzen Bombenladungen trafen die vorderen Regimenter, hielten aber kurz vor dem 12. Infanterieregiment in ihrer „Rückwärtsbewegung zur eigenen Front“ an, wenn auch die Schockwellen immer noch die Hosenbeine der Eigenen vibrieren liessen. Das Ende der Bombardierung um 1200 Uhr signalisierte den Moment des Vorrückens. Das Regiment zog sich dreissig Minuten später aus seinem Bereitstellungsraum heraus und marschierte nach Süden. Um 15.30 Uhr näherte sich das 2. Bataillon einem neuen Bereitstellungsgebiet südlich von Le Hommet-d'Arthenay, noch immer „short of the St. Lo-Periers highway“ [mindestens 4 km nördlich davon, an der Strasse nach Bayeux!]. Dort ruhten die Männer aus und warteten auf eine Nachricht über den Fortschritt des 8. Infanterieregiments.

 

Die Nachrichten von der Front waren nicht ermutigend. Die zu kurzen Bombenladungen hatten die Hauptelemente der Angriffs der Infanteriedivisionen vernichtet, namentlich der 4. und der 30.

 

Mehr als sechshundert Männer wurden getötet und verwundet. Obwohl das 8. Infantrieregiment mit vier Angriffskompanien Verluste erlitten hatte und wahrscheinlich Zeit brauchte, um sich zu reorganisieren, kam der Befehl, den Angriff zu starten, ungeachtet der Verwirrung. Der einzige Trost für die noch verwirrten Truppen war der Gedanke, dass die Deutschen weitaus schlimmer gelitten haben müssten, so dass dem Angriff nur wenig Widerstand begegnen würde. Das 8. Infanterieregiment näherte sich der Autostrasse durch eine verwüstete Landschaft. Einer der attachierten Panzersoldaten beschrieb die Szene. "Der Boden war aufgewühlt, Bäume waren gefällt, tote Vögel und Vieh überall." Bevor das 8. Infanterieregiment die LD [Angriffsgrundstellung] erreichte, stiess es auf hartnäckige deutsche Aussenposten nördlich der Autostrasse. Es brauchte sogar die Feuerkraft der Kompanie B des 70. Panzerbataillons, um einen solchen Aussenposten zu zerstören. Das 8. Infanterieregiment schaffte es bis um 1600 Uhr kaum, zur alten Römerstrasse zu gelangen. Ab und zu berichtete die amerikanische Infanterie von starkem, wenn auch sporadischem Widerstand.

 

Die ersten Rückmeldungen der Ersten Armee bestürzten General Bradley. Er hatte damit gerechnet, dass auf die Luftangriffe, die die Deutschen treffen würden, der Vormarsch sich schnell abwickeln würde, bevor sich der Feind erholt habe.

 

Eisenhower, der zum Hauptquartier der Ersten Armee gekommen war, um dem Ereignis beizuwohnen, ging verärgert über die Opfer des eigenen Feuers weg und entmutigt, dass eine weitere grosse alliierte Offensive kein Loch in die deutsche Linie schlagen konnte.

 

Als der Angriff bis in den Abend hinein andauerte, tauchten Anzeichen auf, dass Cobra etwas erreicht hatte. Amerikanische Infanterie fing um 16.55 Uhr an, Gruppen Deutscher als Gefangene aufzuspüren. "Die Grenadiere der Panzer Lehr waren im Zentrum des Luftangriffs gewesen; jetzt standen sie schlaff und verständnislos da als Folge einer Schockstarre.... Sie bluteten aus dem Mund, der Nase, den Ohren und sogar den Augen." Das 12. Infanterieregiment war immer noch nicht in das Zielgebiet eingedrungen, aber Bill traf auf einige gefangene Deutsche, als er beim Aufklären hinter dem 8. Regiment herlief. "Sie waren benommen und desorientiert", erinnert sich Bill. "Es gab keinen Kampfeswillen mehr in ihnen."

 

Weitere ermutigende Informationen tröpfelten herein, als die vorausgehenden Regimenter tiefer ins Zielgebiet eindrangen. Um 18.04 Uhr konnte ein Bataillon des 8. Infanterieregiment eine deutsche Widerstands-Tasche umgehen, was die Deutschen üblicherweise zu verhindern wussten. Das 8. Regiment erreichte la La Chapelle-en-Juger, in der Mitte der „Target Box“ [Begriff siehe oben die Eintragung in der Kartenskizze links] und konsolidierte sich um 22 Uhr für die Nacht. Zurück im Hauptquartier des VII. Korps bemerkte General Collins, dass die Deutschen nirgendwo im Zielgebiet (Target Box) angegriffen hatten. Die anhaltenden Kämpfe der vergangenen Wochen hatten die Deutschen stark geschwächt und sie in ein Verteidigungssystem gezwungen, das sich auf eine Reihe von starken Aussenposten stützte, die von Einheiten unterstützt wurden, die bei Bedarf starke Gegenangriffe durchführen konnten. Die Luftbombardierung hatte die meisten Reserven der Deutschen zerschlagen und ihre Kommunikationslinien ausgelöscht, wodurch ihnen die Möglichkeit verwehrt wurde, effektive Gegenangriffe durchzuführen. Obwohl die anfänglichen Gewinne relativ gering waren, spürte Collins, dass die deutsche Verteidigung zusammengebrochen war. Er ordnete eine vollständige Ausbeutung der Lage durch die Infanteriedivisionen an und engagierte die beiden Panzerdivisionen, die er in der Reserve hatte, obwohl die Kriterien für ihre Einsätze noch nicht erfüllt waren.

 

Kurz vor Mitternacht erhielt das 12. Regiment den Befehl, südlich der St-Lô - Périers-Autostrasse vorzurücken. Das 2. Bataillon, in Regimentsreserve, begann seine Bewegung kurz nach 10.00 Uhr am 26. Juli, um eine Position einzunehmen, die zuvor vom 1. Bataillon in der Nähe des Weilers von Amigny, immer noch nördlich der Strasse, besetzt worden war. Das Bataillon wartete den ganzen Nachmittag auf den nächsten Befehl. Schliesslich führte Maj. Gerden Johnson das Bataillon um 18.45 Uhr in das Zielgebiet, nachdem die Militärpolizei geholfen hatten, einen Stau auf der Autostrasse zu beseitigen.

 

Die Truppen überquerten Felder mit Kratern, von denen jeder von einem Splittermuster aus aufgeworfener Erde und Bombenfragmenten umgeben war. Der Gestank von verrottendem Fleisch hing in der Luft. Die deutschen Widerstandstaschen blieben bestehen, so dass die Männer vorsichtig vorrücken mussten. Das Bataillon schloss Bills schweren Maschinengewehrzug wegen der unklaren feindlichen Dispositionen an eine der vorausgehenden Füsilierkompanien an. Bill verlegte seinen Zug mit der Kompanie und suchte nach möglichen Schusspositionen. Die Geschützbesatzungen buckelten ihre Waffen, Stative und Munition, während die Fahrzeuge des Zuges nachfolgten, meist um eine Hecke zurückversetzt.

 

Es dauerte nicht lange, bis man in den Feind hinein geriet. Kleine Einheiten von Deutschen hielten ihre Stellungen noch und feuerten von hinten auf die Amerikaner. Diesen isolierten feindlichen Einheiten fehlte aber der Zusammenhalt, so dass die amerikanischen Infanteristen in der Lage waren, an ihre Flanken oder in ihre Rücken zu gelangen. Bill nutzte die Hecken zu seinem Vorteil, verbarg seine Maschinengewehre und fasste die Deutschen von ihren Flanken, ohne dass die vorrückenden Schützen das Feuer seiner MGs decken mussten. Die M1917A1s versprühten ihr Feuer, um die Köpfe der Verteidiger unten zu halten, bis die amerikanischen Füsiliere sie ausradierten oder bis die Deutschen kapitulierten. Langsam säuberte das 12. Infanterieregiment die feindlichen Nachzügler im Zielgebiet und öffnete so den Weg für mehr Panzer und Infanterie. Bei Einbruch der Dunkelheit setzte sich das Bataillon vor der Ortschaft La Chapelle-en-Juger das Tagesziel; das Dorf aber bezeichnete ein Soldat als "nichts anderes als Staub, verstreute Steine und Dachziegel".

 

Bill ruhte sich etwas aus. Der schwere Maschinengewehrzug hatte eine Schlüsselrolle bei der Verteidigung der vorderen Positionen gegen mögliche Gegenangriffe, obwohl diese Bedrohung abgenommen hatte. Das 2. Bataillon zog am Vormittag des 27. Juli in einen Bereitstellungsraum in der Nähe von Mesnil-Amey. Das 1. Bataillon hatte die Strecke bereits in der Nacht zuvor geräumt, aber die Truppen mussten jeden deutschen Nachzügler zu Boden rennen. Das Bataillon schloss in seine neue Position bis Mittag auf. Einmal in dieser Stellung, begannen die Infanteristen das neue Gebiet vom Feind in einer Reihe von kleinen, aber heftigen Scharmützeln zu säubern. "Es war ein anstrengender Auftrag, der uns in einem Zustand so lähmender Müdigkeit zurückliess, dass wir selten miteinander sprachen, wenn wir uns in einer Pause für zehn oder fünfzehn Minuten auf den Boden warfen."

 

Um 16.45 Uhr warnte die Division das 12. Regiment vor feindlichen Panzern im Südwesten und einer möglichen deutschen Truppe, die versuche, sich aus Marigny zurückzuziehen. Colonel Luckett wies Major Johnson mündlich an, sich dem 1. Bataillon anzuschliessen, um die Wälder südlich der Strasse St-Lô – Coutances zu säubern. Das 2. Bataillon solle nach Süden zur Autostrasse marschieren, dann nach Westen in Richtung einer grossen Strassenkreuzung. Schnell besammelte Major Johnson die Füsilierkompanie; er begann die Bewegung von le Mesnil-Amey aus um 17.10 Uhr. General Barton hatte eine Panzerkompanie und einen Zug von Panzerjägern an das Regiment angeschlossen, um dem Angriff mehr Gewicht zu verleihen. Das 2. Bataillon brauchte mehrere Stunden, um in Fahrt zu kommen, da verstopfte Strassen die Ankunft der Panzer verzögerten und die Truppen sechs Kilometer [scheinbar im Zickzack] marschieren mussten, nur um die LD (Angriffsgrundstellung) in der Nähe des Dorfes St-Benoît zu erreichen.

 

Die Füsiliereinheit und Bills Zug eilten vorwärts gegen verstreutes Kleinwaffenfeuer, bis jemand ein Schild mit der Aufschrift "Achtung Minen" auf dem Feld, das sie überquerten, bemerkte. Die Infanteristen erstarrten. Vergrabene Minen verängstigten die Soldaten. Ein unglücklicher Schritt könnte ein Bein oder ein Leben kosten. Ein aufmerksamer Soldat holte sie aus der Marmelade, als er Kühe sah, die in der Nähe grasten. Die Truppen trieben das Vieh zusammen und jagten es über das Feld. Die Männer folgten dem Weg, den die Kühe zertrampelten. Keine Mine explodierte. Deutsche hatten das falsche Plakat angebracht, um den amerikanischen Vormarsch zu verlangsamen. Um 21.00 Uhr erreichten die Männer schliesslich die Autostrasse Saint-Lô - Coutances bei St-Benoît.

 

 Strasse St-Lô – Coutance - 1:50'000 - Gitterquadrat-Seitelänge 1 km

 

Das Bataillon wandte sich nach Westen und griff an. Ohne Vorwarnung schickte ein Erdstoss Schmutz, Äste und Schrapnells an den Köpfen der Infanteristen vorbei; ein paar Sekunden später folgte ein lautes Dröhnen aus Richtung Marigny. Die Männer erkannten das Markenzeichen der gefürchteten deutschen 88mm Flak-Kanone. Die Schützen (Füsiliere) suchten Deckung und die Panzer zogen sich zurück, um sich hinter Hecken zu verbergen.

 

Die Amerikaner lernten die "88er" zu respektieren, die ursprünglich als Fliegerabwehrgeschütz entwickelt worden war; sie konnte ein zweiundzwanzig Pfund schweres Geschoss 39'000 Fuss in die Luft schleudern. In Nordafrika und Russland erkannte die deutsche Armee, dass die hohe Geschwindigkeit ihres Geschosses - 2'690 Fuss pro Sekunde - es zu einer beeindruckenden Panzerabwehrwaffe machte. Die kraftvolle 88er konnte die Armierung eines Sherman so leicht zerfetzen wie eine Kugel mit einem Kaliber 22, die auf einer Bierdose auftrifft. Ein Panzersoldat des 70. Panzerbataillons huldigte der 88er: "Es war die beste Waffe des Krieges. Wir hatten ein Erbsengeschütz – 75 mm - mit geringer Sprengladung und schossen auf 200 Yards, während die Deutschen in einer flachen Flugbahn auf etwa 1.000 Yards feuerten." In der Normandie setzten die Deutschen die 88er in einem indirekten Modus, wie Artillerie, wie auch in direkter Feuerwalze gegen alliierte Truppen und Panzer ein. Ein Soldat berichtete von einer deutschen Equipe, die das Geschütz als überdimensionales Scharfschützengewehr einsetzte.

 

Nach dem Aufprall der 88mm Granate duckten sich Bill und seine Crews in Deckung. Während seine Maschinengewehre kaum hoffen konnten, es mit einer 88 in einem direkten Schusswechsel aufzunehmen, konnte der Feind die amerikanischen Waffen und deren Besatzungen mit indirektem niederhalten. Bill hatte seine Maschinengewehre hinter der Tarnung einer Hecke versteckt und den Mannschaften befohlen, eine erste Schussrichtung gegen die gegnerische Waffe festzulegen. Einer der Männer markierte den Azimut, indem er einen Richtstab [Jalon] vor die Rohre in den feuchten Rasen trieb. Während die Mitrailleure die Maschinengewehre auf die Lafetten montierten, versuchte ein Beobachter, die deutsche Waffe zu orten. Eine weitere erschütternde Explosion entlang der Autostrasse, gefolgt von einem entfernten Mündungsknall, gab dem Beobachter die Antwort, die er brauchte. Mit Hilfe von Hand- und Armzeichen gab er Bill eine Ziel-Distanz-Schätzung von 900 Metern an. In Anlehnung an die Feuertabelle übergab Bill die Einstellungen der Quadrantenhöhe (QE) an die Sektions-Sergeanten, die den Feuerbefehl an die Trupps brüllten. "Neues Ziel! Bereitstellung! Munitionskisten pro Gewehr: acht. Höhe plus neun! Tempo!" Die Mitrailleure hoben die Läufe durch Drehen eines Handrades an der Halterung an, während die Hilfsschützen Munitionsgurten in die Patronenlager einlegten. Sobald die Schützen signalisierten, dass sie bereit seien, bellten die Unteroffiziere: "Feuer frei !" Die Mitrailleure entfesselten einen langen Eröffnungsschlag.

 

Der Beobachter, der durch sein Fernglas guckte, entdeckte den Aufprall der Kugeln und signalisierte Korrekturen, basierend auf seiner Visierlinie (der O-T-[Beobachter-Ziel-]Linie). Die Sektionen mussten die Einstellungen für die Gewehrläufe entsprechend der G-T-[Geschütz-Ziel-]Linie korrigieren. Um die beiden Ziellinien in Einklang zu bringen, benutzten sie das neu eingeführte M1O-Plotterboard. Diese Geräte hatten einen schwenkbaren, transparenten Plastik-Disk, der auf der Basis montiert war, die eine Gitterlinien-Markierung aufwies. Der Drehpunkt der Plastikscheibe stellte die Position des Maschinengewehrs dar. Die Sektionsunteroffiziere markierten sowohl die Position des Beobachters als auch das erste geschätzte Ziel auf der Plastikscheibe mit Hilfe der Gitterlinien. Nachdem der Beobachter Einstellungen wie "Left 50, Add 100" zurückgerufen hatte, massen die Sergeanten die Winkelkorrektur zur O-T-Linie und den neuen Abstand des Beobachters zum Ziel. Nachdem er den neuen Zielpunkt auf der Scheibe markiert hatte, drehte der Sergeant die Scheibe auf die G-T-Linie und mass die Korrekturen aus der Perspektive der Kanonen. Die Besatzungen übertrugen dann die neuen Höhen- und Seiten-Elemente auf die Halterung der Gewehrläufe.

 
Die M1O-Plottertafeln erlaubten es den Beobachtern, die Korrekturen von ihrem Standpunkt aus betrachtet zu melden. Die Besatzungen konnten nun mit Hilfe der Plottertafel die Meldungen des Beobachters für die G-T-[Schuss-]Linie korrigieren und dann die QE [Höhe/Distanz] und die Ablenkung [Seitenabweichung] der Rohre einstellen. Die Besatzungen und Beobachter wiederholten den Vorgang, bis der Beobachter sah, dass Leuchtspurmunition die Erde um die 88er herum aufwirbelte.

 

Die Maschinengewehre konnten die gegnerische Waffe belästigen und ärgern, aber sie konnten sie nicht ausschalten. Major Johnson ging das Regiment um Hilfe gegen die tödliche 88er an, aber der S-3, Maj. John W. Gorn, riet ihm, stattdessen ein paar Bazooka-Teams zu schicken. Die deutsche 88er hielt die Amerikaner bei Tageslicht von der Autostrasse fern.

 

Die deutsche Waffe mag die Panzerbewegung in der Nähe der St-Lô – Coutances - Autostrasse gestört haben, aber die amerikanische Infanterie konnte immer noch durch die Gegend manövrieren, sobald das Tageslicht nachliess. Die Infanterie sprang durch Hecken und huschte im dimmernden Licht über Felder. Sie erreichten die Nord-Süd-Strasse, die aus Marigny herausführte, und riegelten die Linie des deutschen Rückzugs ab. Von Süden richtete ein deutscher Stützpunkt schweres Feuer in die linke Flanke des Bataillons. Die Füsilierzüge vernichteten, als die Dunkelheit hereinbrach, mit aggressivem Feuer und ebensolchen Manövern den Feind. Das Bataillon festigte dann seine Position für die Nacht. Um Mitternacht erhielt es vom Hauptquartier der Division den Befehl, am Morgen des 28. Juli in seinen derzeitigen Aufenthalts-Zonen weiter Widerstand zu leisten.

 

Die Truppen erwachten am nächsten Morgen in einer unheimlichen Ruhe. Die Füsilierzüge durchsuchten das Gebiet südlich von Marigny, fanden aber keine Deutschen. Was auch immer an feindlichen Elementen am Vortag in der Kampfzone geweilt hatte, war unter dem Schutz der nächtlichen Dunkelheit entwischt. Das Bataillon räumte die von Marigny kommende Strasse um 10.00 Uhr von Minen und liess die amerikanischen Panzer nach Süden rasseln. Die Truppen entdeckten vierzig eilig ausgehobene deutsche Gräber westlich der Autostrasse und ein Versteck mit zurückgelassenen Waffen und zugehöriger Munition, nämlich da wo die deutsche 88er am Vortag in Stellung war. Die Anzeichen liessen keinen Zweifel aufkommen, dass die Deutschen geflohen waren. Die müden Infanteristen kamen zu einer verblüffenden Erkenntnis: Sie hatten die Front der Normandie durchbrochen. Die zusammenhängende deutsche Verteidigungslinie war aufgerissen wie ein Segeltuch in einem Hurrikan. Der frustrierende Kampf [„Slog“] durch den Bocage lag hinter ihnen. Das VII. Korps konnte nun in die Tiefen hinter der deutschen Front hineinstossen. Der Krieg an der Westfront war in eine neue Phase eingetreten.

 

 

S. 79 – 97: KAPITEL SECHS: BREAKOUT - Übersetzung

 

Das 2. Bataillon suchte bis zum späten Nachmittag des 28. Juli in seiner Zone weiter nach isolierten Deutschen und manchmal räumte es ganze Taschen feindlicher Infanterie aus. Die G-Kompanie hat einige jugendliche feindliche Soldaten, möglicherweise aus einer Rekrutenschule, aufgescheucht. Ein Soldat der G Company erinnerte sich: „Sie kämpften mit einem bis in die Haarspitzen; dann mit dem Tod, der ihnen aus dem Gesicht starrte, wurden sie wieder zu Jungen.“

 [Der "Kinderkrieg" ! - Junger deutscher Kriegsgefangener anfangs August 1944]

 Quelle: Le Monde, hors-série, 1944

 

Die grösste Aufregung trat ein, als die deutsche Luftwaffe einen schnellen Bombenangriff mit vier Flugzeugen unternahm. Bills Zug hatte einen Luftverteidigungsauftrag, aber die deutschen Flugzeuge stürzten sich hinter die Linien, beendeten ihren Bombenangriff und waren weg, bevor die Mitrailleure sie angreifen konnten. Zum Glück hatten die deutschen Flieger wenig Schaden angerichtet.

Colonel Luckett kehrte um 17:20 Uhr mit neuen Befehlen für das 12. Infanterieregiment von einem Divisionsrapport zurück. Wenn jemand Zweifel an der veränderten Natur der Schlacht in der Normandie hatte, löschte der Marschbefehl sie aus. Das Regiment würde siebzehn Kilometer in deutsches Territorium vormarschieren – das 2. Bataillon als Vorhut. Diese Entfernung überstieg jeden bisherigen täglichen Fortschritt seit Beginn der Invasion.

Angesichts der zu überwindenden Distanz und der Tatsache, dass das meiste davon in den Stunden der Dunkelheit zurückgelegt werden musste, montierten die schweren Maschinengewehrzüge die Waffen auf ihre Jeeps. Captain Enroughty verteilte sie auf das ganzen Bataillon, um die Sicherheit für die gesamte Vorhut zu gewährleisten. Die Hecken hinderten die Maschinengewehrgruppen daran, sich zwischen den Schusspositionen gestaffelt vorwärts zu bewegen, eine Technik, die normalerweise verwendet wird, um eine kontinuierliche Fliegerabwehr entlang einer Konvoi-Route aufrechtzuerhalten. Bills Zug und der andere, der Leutnant Jack Gunning unterstand, mussten sich innerhalb derselben Kolonne, die sie zu schützen hatten, vorwärts bewegen.

 

1:250'000 Fluss La Soulles Gitterquadrat-Seite 5 km

 

Das Bataillon traf am Startpunkt [IP = Initial Point: dort, wo der Marsch beginnt, wo die Einheit in die Marschkolonne eingefädelt wird] um 1900 Uhr ein, blieb aber dort liegen, weil die Fahrzeuge der 3rd Armored Division die Strassen blockierten. Eile mit Weile! Nachdem das Bataillon das Verkehrschaos passiert hatte, marschierten die Männer nach Süden, vorbei am Bois de Soulles. Kurz hinter den Wäldern entdeckten die vordersten Fahrzeuge, dass die geplante Route über eine kleine Brücke am „Soulle River“ zerstört war. Die abgekämpften Infanteristen liessen sich auf den Boden fallen, um ihren wunden Füssen eine Pause zu gönnen, während eine Aufklärungsgruppe vorausrannte, um eine alternative Flussüberquerung zu finden. Die Truppe hatte kaum eine Chance, ihre Schnürsenkel zu lockern, bevor die deutsche Luftwaffe einen weiteren Bombenangriff machte. Die M1917A1-Besatzungen, deren Rohre immer noch auf den Jeeps montiert waren, schwenkten und hoben ihre Maschinengewehre, aber Bill befahl ihnen, das Feuer einzustellen. Das Schiessen auf die Flugzeuge im Dunkeln hätte nichts gebracht, ausser dass die Schützen ihre Standorte verraten hätten. Wieder verfehlten die Bomben ihr Ziel. Die Aufklärungsgruppe kam rechtzeitig zurück, um die Vorhut in Bewegung zu setzen, bevor die ganze Division ins Stocken geriet. Das Bataillon überquerte eine unverteidigte Brücke in der Ortschaft Soulles.

 

Die lange Säule schlängelte sich in den frühen Morgenstunden des 29. Juli durch enge normannische Gassen. Die Männer schliefen endlich, nachdem sie in der Nähe von Le Guislain temporäre Verteidigungspositionen gegraben hatten. Bills Zug hatte wenig Gelegenheit, sich auszuruhen, weil er einen Teil der Umgebung verteidigen musste. Bill besprach sich mit dem nächsten Füsilierkompaniekommandanten, um mögliche feindliche Annäherungswege zu erörtern und Schusspositionen für seine Maschinengewehre auszuwählen. Er wies den Besatzungen Feuersektoren zu und benannte FPLs [Final Protective Line = die zu den eigenen Füsilieren nächste Linie, die noch beschossen werden durfte], um die Kompaniefront abzudecken. Die Trupps montierten die Rohre wieder auf die Stative und füllten die Entfernungskarten aus. Die Entfernungskarten waren eilige Skizzen, "die nur die wahrscheinliche Position der Ziele und die Daten über Richtung und Entfernung oder Höhen, die notwendig sind, um darauf Feuer zu legen," angaben. Bestenfalls schlummerten die Besatzungen eine Stunde lang.

 


[Der Kartenausschnitt rechts entspricht ungefähr der Kartenskizze links aus dem Buch Chapman, aber er ist der der Army damals zur Verfügung stehenden Karte 1:250'000 entnommen]

 

Das 12. Infanterieregiment nahm seinen Angriff wieder auf, um die Autostrasse zwischen Villebaudon und Hambye vier Stunden nach dem Marschhalt zu erobern. Das 2. Bataillon stiess zur Autostrasse und wandte sich dann nach Westen in Richtung Hambye. Als sie sich dem Ortsgebiet näherten, berichteten sie von einem seltsamen Fund: da waren zwei einsatzbereite feindliche Panzer, die von ihren Besatzungen auf der Strasse ausgesetzt worden waren. Der vorderste Füsilierzug der G Kompanie stiess auf ein weiteres positives Zeichen - Zivilisten ausserhalb ihrer Häuser. Die Szene hinterliess einen bleibenden Eindruck auf Private (Soldat) Stodghill. "Als das Spitzenteam das überbaute Gebiet erreichte, war die Strasse gesäumt von Leuten, die sich in ihre Sonntagsanzüge gekleidet hatten.... Bald mussten wir uns durch eine solide Massierung von Menschlichkeit kämpfen." Die Amerikaner schoben sich auf den Marktplatz vor. "Dann, als sich die rot-weiss-blaue französische Tricolore in Hambye zum ersten Mal seit mehr als vier Jahren entfaltete, schmetterten die Klänge der Marseillaise von einem Plattenspieler. Jeder Zivilist, die Mehrheit mit Tränen auf den Wangen, sang das mit, was sicherlich die aufrüttelndste aller Hymnen sein dürfte.“


Berichte über einen deutschen Gegenangriff haben die Feier verkürzt. Aufklärer entdeckten vierhundert feindliche Infanteristen, die aus dem Süden kamen und ein Bachtal als Zugangsweg benutzten. Die Amerikaner versuchten schnell, sich zu verteidigen. Der Kommandant der H Company, Captain Enroughty, organisierte die schweren Waffen des Bataillons, um den Angriff abzuwehren. Die 81-mm-Mörser und schweren Maschinengewehrbesatzungen lieferten das Fernfeuer in das Bachtal. Als die Deutschen bis auf 2.000 Meter vor Hambye kamen, eröffneten die acht M1917A1 das Feuer und besprühten die deutsche Säule mit einer Kadenz von 1.000 Schuss pro Minute. Auf diese Entfernung folgte die Flugbahn der Geschosse einem hohen Bogen, bevor sie gegen den Feind herunterkam (bekannt als "stürzendes Feuer"), anstatt direkt über den Boden zu harken (bekannt als "grasendes Feuer"). Jede 20-Lagen-Garbe bestrich eine Fläche von 55-65 Yards tief und vier Yards breit, was die Armee als "geschlagene Zone" bezeichnete. "Dieses stürzende Feuer zerstörte die feindlichen Formationen und zwang deutschen Infanteristen ausweichen und durch kurze Sprünge vorankommen, anstatt vorwärts zu gehen. Die Schützen benutzten ein traversierendes Handrad auf dem Aufsatz, um das Feuer zu verschieben und um so mehr von der feindlichen Formation abzudecken. Die Minenwerfer der H Kompanie schlossen sich dem Kampf an und warfen 81mm Granaten ins Tal. Der deutsche Vormarsch verlangsamte sich angesichts dieses Feuers.

 Plunging fire und grazing fire

 „stürzendes“ und „grasendes“ Maschinengewehr-Feuer

 

Das Bataillon rief dann das Unterstützungsfeuer des 42. Artilleriebataillons. Das war der entscheidende Moment. Der deutsche Gegenangriff löste sich auf, bevor er sich den Positionen der Füsilierkompanie genähert hatte. Nachdem der Feind den Angriff abgebrochen hatte, schickte Major Johnson einen Zug, um das kleine Tal zu säubern. Sie fanden nichts. Die Deutschen hatten sich vollständig aus dem Gebiet zurückgezogen.

 

Die Truppen waren nach mehreren bewaffneten Zusammenstössen während zweier Tage und einer Nacht ständigen Marsches bereit, auf der Stelle hinzufallen. Nachwuchsoffiziere und Unteroffiziere suchten nach Plätzen für ein Ruhelager für die Männer. Bill traf sich mit einem der Füsilierkompaniekommandanten, um den abendlichen Feuerplan zu koordinieren, als ein Anruf von Major Johnson kam.

 

"Habt Ihr alle Häuser der Ortschaft geräumt? Over [Ende bzw. Antworten]." "Wir haben die Ortschaft gesichert. Keine Berichte über irgendwelche Deutschen. Over." "Ich wiederhole, haben Sie alle Häuser geräumt [cleared]? Over. "Negativ. Nicht alle. Das können wir morgen früh machen. Over." "Negativ. Alle Häuser räumen, sofort. Raus."

 

Bill und der Kompaniechef sahen sich verwirrt über die beharrliche Anweisung an. Aber Befehl war Befehl, so dass die Truppen stundenlang von Haus zu Haus gehen musten, um sicherzustellen, dass keine Deutschen herumschlichen. Sie schliefen schliesslich spät in der Nacht ein.

Ein heftiges Rumpeln von Verkehrslärm aus dem Norden weckte Bill vor Sonnenaufgang. Er erkundete die Strasse und sah eine Kolonne von Sherman-Panzern in die Ortschaft einfahren. Zuerst klirrte ein Panzerzug, dann ein zweiter. Ein paar Halbketten und Jeeps, gemischt mit noch mehr Panzern, fuhren durch das Dorf - eine ganze Panzerkompanie. Aber die Kolonne blieb nicht stehen. Immer neue Panzer, Jeeps, Halbketten und Lastwagen kamen. Kolonnen von Treibstofftank- und Begleitfahrzeugen gingen vorbei und spuckten Abgaswolken in die Luft. Eine weitere Kolonne von Kampffahrzeugen folgte. In den frühen Stunden vor der Dämmerung und bis in die frühen Morgenstunden wurde ein ganzes Kampfkommando einer Panzerdivision, in seiner Grösse einem Infanterieregiment entsprechend, durch die französische Ortschaft geführt.

Das Spektakel verblüffte Bill und seine Männer. Die Infanteristen griffen selten in einer Kolonne von Trupps an. Doch direkt vor ihren Augen schien es, als würde eine ganze Armee von Panzern in einer einzigen Kolonne angreifen. Sie kamen nicht mehr mit, die Anzahl der Fahrzeuge zu zählen, aber sie konnten sehen, dass sich die gepanzerte Marschkolonne meilenweit über die französische Autostrasse erstreckte.

Die Truppen des Bataillons begriffen wenig von der weit grösseren Schlacht um sie herum, aber der riesige Strom von Männern und Fahrzeugen, die durch die normannische Landschaft strömten, zeigte ihnen den Erfolg ihrer eigenen Aktion. Sie begannen zu spüren, dass ihr Fortschritt mehr als ein Durchbruch [breakthrough] war - es war der Ausbruch [breakout].

In den fünf Tagen seit Beginn der Operation Cobra hatten die Amerikaner die gesamte westliche Hälfte der deutschen Verteidigungslinie abgeschert. Die überlebenden Elemente des deutschen LXXXIV-Korps mussten sich zurückziehen, um nicht an die die normannische Westküste festgenagelt zu werden. Das VII. Korps von General Collins, das westwärts nach Coutances fegte, fand im Süden nichts anderes als behelfsmässige Kampfformationen von verschiedenen feindlichen Einheiten, die die Deutschen „Kampfgruppen“ nannten. Weiter östlich kämpfte das deutsche II. Fallschirmkorps, um die bröckelnde linke Flanke gegen den amerikanischen Angriff zu halten.

Collins vergeudete keine Zeit, seine Divisionen nach Süden zu werfen, um die chaotische deutsche Verteidigung auszuschalten. Die Efeu-Division attachierte am 30. Juli Panzer an das 12. Infanterieregiment und befahl dem Combat Team 12 (CT 12), nördlich von Villedieu-les-Poêles, einem Hauptverkehrsknotenpunkt siebzehn Kilometer weiter südlich, Anhöhen zu erobern. Das 26. Infanterieregiment, das vorübergehend der 4. Infanteriedivision angegliedert war, wurde zum Angriff südlich von Hambye neben der rechten (westlichen) Flanke des CT 12 eingesetzt. Das 2. Bataillon musste Platz für das 26. Infanterieregiment schaffen, weshalb es zwei Kilometer weiter südöstlich, in der Nähe von La Chasse-Doriere [La Chaussé Dorière], in einen Bereitstellungsraum verlegt wurde. Die Männer zogen am frühen Morgen aus Hambye zu den bedrohlichen, knirschenden Geräuschen einer grösseren Panzerschlacht bei Villebaudon aus. Der Vorstoss des 2. Bataillons verlief über drei aufeinanderfolgende Ost-West-Flüsse und -Kämme. Die drei Rücken zeigten wie Finger auf die Sienne, die am westlichen Rand der Regimentszone floss. Das CT 12 bezeichnete den ersten Bach als LD für den Angriff und die dritte Hügelmasse um das Dorf La Mancellière als Ziel.

 

 

Auf den ersten Blick sah die Ordnung des Regiments, und die anderer im Sommer 1944 auch, gut aus. Das Format und die Aufgabenorganisation entsprachen den Standards, aber einige Details, die notwendig waren, um die Kampfhandlungen zu steuern und zu koordinieren, wurden vernachlässigt. Die Kommandanten und Stabsangehörigen des 12. Infanterieregiments hatten eine intensive Ausbildung durchlaufen, aber diese jungen Männer waren in zwei bis drei Jahren vom Leutnant zum Stabsoffizier [Major und höher] aufgestiegen. Ihre Unerfahrenheit zeigte sich in der punktuellen Einhaltung der Doktrin. Im Feldhandbuch der Stabsoffiziere stand, dass in allen Befehlen ein "genereller Ort oder eine allgemeine Richtung der Hauptanstrengungen" anzugegeben sei. Der "Plan of Maneuver" in der Feldordnung des Regiments wies die Bataillone lediglich an, "die (auf dem Karten-Overlay[auf die Karte gelegtes Kalkpapier, Folie, Auflegemaske, Planpause]) gezeigten Ziele anzugreifen", und er gab keine Anweisungen für Umgehungsmanöver oder Varianten der Angriffsrichtungen vor. Folglich verwendeten die Bataillone und Kompanien Frontalangriffe als Standard-Manöverschema. Die Doktrin forderte auch eine detaillierte Koordination zwischen Infanterie, Panzer und Artillerie. Dem "Plan of Fire" des Regiments fehlten aber Details: keine Zielbezeichnungen, keine Anweisungen zur Feuer-Vorbereitung, keine Prioritäten der Feuerunterstützung und keine Feueraufträge zur Täuschung des Feindes. Es fehlten auch Anweisungen für den Auftrag an den angegliederten Panzerzug während des Angriffs. Kurz gesagt, die Bataillone hatten zwar eine grosse Führungsfreiheit, aber es fehlten die detaillierten Pläne, die notwendig waren, um einen Nahkampf gegen einen erfahrenen Gegner zu organisieren.

 

Diese Situation war im Sommer 1944 nicht auf das 12. Infanterieregiment oder die 4. Infanteriedivision beschränkt. Die gesamte US-Armee in Nordwesteuropa musste noch viele der Fertigkeiten erlernen, die für den Umgang mit kombinierten Waffen erforderlich waren. Die Schlachten in der Normandie offenbarten auch viele Versäumnisse in der taktischen Doktrin der Army. Zu ihrer Ehre sei's gesagt: die Offiziere und Mannschaften lernten ihre Lektionen "on the job" und halfen später der Armee, einen Grossteil ihrer Doktrin zu aktualisieren.

Der Kommandeur des 2. Bataillons, Major Johnson, teilte Bills schweren Maschinengewehrzug für den Angriff der G-Kompanie zu. Bill begrüsste den Auftrag nicht. Er hatte Bedenken gegenüber dem Kompanieführer, mit dem er nun arbeiten musste.

Seit der Landung an der Utah Beach hatte das Regiment seine angestammten Offiziere fast vollständig verloren. Einige, wie Bill, waren nach der Rekonvaleszenz wieder im Dienst, aber die meisten waren durch grüne Leutnants [„Hamburger“] ersetzt worden. Das funktionierte für die Züge, aber nicht auf der Führungsebene der Kompanie, wo es auf Erfahrung ankam. Normalerweise würde der Regimentskommandant einen geeigneten Oberleutnant befördern, der einige Kampferfahrung auf dem Buckel hatte, aber im Juli 1944 war das nicht möglich. Praktisch alle erfahrenen Leutnants waren getötet oder verwundet worden. Colonel Luckett hat versucht,
der Situation durch die Versetzung von Offizieren aus dem Bataillon und den Regimentsstäben auf Kommandos gerecht zu werden, aber die meisten dieser Offiziere hatten noch keine Gelegenheit gehabt, Truppen im Feld zu führen.

 

Das war auch der Fall mit dem neuen Kommandeur der Kompanie G. Er kam aus einer Stabsstelle, die keine taktischen Fähigkeiten erforderte und er hatte an keinen taktischen Übungen vor der Invasion teilgenommen. Bill hörte mit wachsender Bestürzung zu, als der Kommandant seinen Plan für den Angriff darlegte. Jeder mit Erfahrung aus erster Hand im Kampf gegen die Deutschen konnte die offensichtlichen Unzulänglichkeiten erkennen. Der beste Weg, einen Grat anzugreifen, ist, ihn zu flankieren und dann push up the point of the finger“. Der Befehl des Kommandanten wies die Züge an, einen Hang hinunter anzugreifen, das Tal zu überqueren und die deutschen Verteidiger frontal anzugreifen. Er versäumte es, die natürlichen Deckungen von Wäldern und Hecken für das Vorrücken auszunützen.

 

Der Plan des Kompaniechefs sah auch keine Aufträge für Bills Maschinengewehre vor. Bill unterbrach ihn daher, um danach zu fragen. "Sir, was sollen meine Maschinengewehre tun?" "Ich weiss nicht. Was empfehlen Sie", fragte der Kommandant. "Ich glaube, ich werde einen Teil hier und den anderen hierher verlegen," sagte Bill, während er auf die Karte zeigte. "Okay. Warum wollen Sie sie dorthin stellen?" "Von diesen Positionen aus können wir die Kompanie besser schützen, wenn sie zurückfällt." Was meinen Sie mit "Zurückfallen“?" "Nun, so wie ich es sehe, werden Sie in dem Moment gestoppt, wo die Deutschen das Feuer eröffnen." "Legt eure Maschinengewehre dahin, wo sie am meisten Gutes bewirken können, und haltet im Übrigen die Klappe. Von einem Rückzug wird bei diesem Angriff nicht die Rede sein." Der Kommandant beendete den Rapport und er befahl den Zügen, sich auf den Angriff vorzubereiten.

 

Das 2. Bataillon startete seinen Angriff um 11.00 Uhr. Irgendwie hatten weder die Aufklärung der Division noch die Späher des Regiments eine vorbereitete Verteidigungslinie entlang der LD des Regiments gefunden. Zuerst ging die Infanterie vorwärts, ohne Feuer auf sich zu ziehen, aber als die Füsilierzüge den Nordhang hinunter ins Tal zogen, eröffneten die Deutschen das Feuer mit Maschinenpistolen, Maschinengewehren und Mörsern. Es war noch schlimmer: die Gegner waren keine zusammengekratzte Truppe. Das US-Bataillon war in einen Teil des Regiments „Der Führer“ der 2. SS Panzerdivision "Das Reich" geraten. [Das Regiment bestand zu einem Drittel aus Elsässern und es war für das Massaker von Oradour verantwortlich.] Diese SS-Truppen und andere ausgewählte Einheiten hatten sich nach dem amerikanischen Ausbruch in der Gemeinde Percy besammelt. Das deutsche Oberkommando nutzte sie, um die westliche Schulter der bröckelnden deutschen Verteidigungslinie zu stützen.

Bill schob seine Leute eilig in Stellungen, aus denen sie den Südhang des Tales bestreichen konnten. Normalerweise mussten die Maschinengewehre ihre Rohre anheben und indirektes Feuer geben, wenn sie einen Frontalangriff zu unterstützen hatten, da sich die vorrückenden Infanteristen in ihren Visierlinien befanden. In diesem Fall waren die Füsiliere bereits den Nordhang hinunter gestürmt und blockierten die Sicht- und Schusslinie nicht mehr. Bill befahl seinen Männern, die Deutschen mit direktem Feuer zu beschiessen. Die Mitrailleure hatten die gegnerischen MG 42 wegen ihrer grünen Markiermunition lokalisiert. Die Maschinengewehrmannschaften auf beiden Seiten luden routinemässig jede fünfte Kugel in ihre Munitionsgürtel mit einer Leuchtspurpatrone, um den Schützen die Beobachtung zu erleichtern, wo ihre Kugeln einschlugen. Mit Hilfe dieser Leuchtspur-Kontrolle gingen Bills Mitrailleure mit ihren eigenen magentafarbenen Tracer-Patronen auf die Quelle des grünen Leuchtspur-Feuers. Garben von bunten, tödlichen Kugeln flogen wechselseitig über das Tal. Die Deutschen hatten den Vorteil, dass sie aus Schützenlöchern mit Überdeckung schossen. Selbst wenn sie die deutschen Waffen im Visier hatten, konnten Bills Maschinengewehre den Feind nicht vollständig niederhalten.

 

Wie Bill vorhergesagt hatte, wurde die G-Kompanie - kaum war sie gestartet - vom feindlichen Feuer unvermittelt gestoppt. Das unterdrückende Feuer von Bills Zug und die kompanieeigenen automatischen Waffen halfen den Füsilieren, sich aus dem Tal herauszuarbeiten. Das Kompanie zog sich mit Mühe zurück, nachdem sie einige Opfer durch deutsches indirektes Feuer erlitten hatte. Der Captain verlor einen Finger durch ein Schrapnell aus einem deutschen Mörser. Der Kommandant hielt seine blutende Hand und führte die sich zurückziehende Einheit an Bills Stellung vorbei. Als Bill ihn sah, konnte er nicht widerstehen zu sagen: "Ich habe es Ihnen gesagt." Der Hauptmann sagte nichts, als er vorbeikam, aber sein Knurren besagte alles.

 

Die beiden anderen Füsilierkompanien im 2. Bataillon hatten etwas mehr Erfolg. Sie kämpften sich den Südhang hinauf, wurden aber vom Feuer aus einem Haus aufgehalten. Der Hauptzug der F-Kompanie schickte eine Patrouille unter Sergeant Everett Worley nach vorne, um einen Zugang für den Angriff auf das Gebäude zu finden. Als sie sich näherten, winkte eine Gruppe von Männern in amerikanischen Uniformen sie nach vorne. Die ahnungslose Patrouille schloss sich ihnen an. Zu spät entdeckten sie, dass es sich bei den Männern um getarnte Deutsche handelte. Sergeant Worley wurde in das Haus gebracht, wo er ein brutales Verhör von einem deutschen Offizier ertragen musste. Worley weigerte sich zu reden, weshalb ihn der Offizier mehrmals mit seiner Pistole anschoss, um ihm Schmerzen zuzufügen. Zum Glück konnten die Amerikaner das Haus überrennen und den verwundeten Sergeanten retten.

 

Die E- und die F-Kompanie klammerten sich an den Hang, konnten sich aber nicht auf die Strasse entlang der Krete vorarbeiten. Jeder Versuch, sich bergauf zu bewegen, löste ein schweres Kleinwaffenfeuer aus. Die Füsilierkompanien brauchten dringend die Feuerkraft des angegliederten Panzerzuges, aber das Regiment beliess diesen in der Reserve. Die Deutschen hatten einen Panther-Panzer, der die Amerikaner mit einem Schuss aus nächster Nähe niederschlug. Ein deutscher Sergeant rief den Amerikanern zu, sie sollten kapitulieren. Aber die Infanteristen der F-Kompanie erwiderten ihm, er solle sich zur Hölle scheren. Der Kommandant der F-Kompanie, Captain Phineas Henry, und einer seiner Leutnants schnappten sich zwei Bazooka-Schützen und verfolgten den Panther. Die Geschosse, die sie auf den Panzer feuerten, konnten ihn nicht ausschalten, aber sie vermochten ihn abzuschrecken. Kurz darauf nahm der unerschrockene Captain Henry eine weitere Panzerfaust auf, die bereits geladen war. Die Rakete detonierte in seinen Händen und tötete ihn auf der Stelle.

 
Spät am Tag entschied Major Johnson, mehr Hilfe von der Artillerie anzufordern. Sein vorgeschobener Beobachter (FO) vom 42. Artillerie-Bataillon half bei der Organisation einer "Serenade", dem Spitznamen für eine Time-on-Target (TOT)-Feuermission.

 

Die Armee entwickelte die TOT-Technik, um die zerstörerische Wirkung ihrer Artillerie zu maximieren. Die feindlichen Soldaten kämpften um Deckungen, sobald sie einen Artilleriebeschuss ankommen hörten. Die erste Salve aus einer Artilleriebatterie konnte einige exponierte Gegner vernichten, aber wenn die zweite oder dritte Salve landete, hatte fast jeder überlebende gegnerische Soldat irgendwo Zuflucht gefunden. Artillerieoffiziere stellten fest, wenn mehr Granaten in der ersten Salve landeten, mehr Opfer erzielt werden konnten. Sie schufen eine Methode, die die Feuer mehrerer Batterien koordinierte und timte, um alle ihre Granaten gleichzeitig landen zu lassen. Ein TOT erforderte eine exzellente Kommunikation und Planung durch die jeweiligen Feuerleitstellen (FDCs). Das Artillerie-Funknetz half, diese Probleme zu lösen. Wenn ein FO eine TOT für eine bestimmte Zeit und einen bestimmten Ort anforderte, ermittelte jede FDC [Feuerleitzentrale/Feuerleitstelle] im Funknetz, ob ihre Kanonen das Ziel erreichen konnten und berechnete dann die Flug-Zeit ihrer Granaten bis zum Ziel. Die FDCs gaben dann ihren jeweiligen Batterien die Zünddaten [Tempierung: Einstellung am Zünderkopf, wann die Granate nach Abschuss explodieren solle]und den genauen Zeitpunkt für das Abfeuern. Der Effekt eines TOT konnte verheerend sein, besonders wenn die amerikanischen Artillerie-Geschützbedienungen zeitgesteuerte [tempierte] Zünder [statt Aufschlagzünder] oder die noch tödlicheren Näherungszünder verwendeten, so dass die Granaten über dem Boden platzten und noch mehr exponierte Truppen töteten.

 

Die vorgeschobene Beobachter des 42. Artilleriebataillons plante die "Serenade" kurz vor Einbruch der Dunkelheit. Während die Sonne unterging, warteten die deutschen Verteidiger auf dem Kamm auf die nächste amerikanische Bewegung. Auf einmal füllte sich der Himmel mit einem kreischenden Chor von ankommenden Artilleriegeschossen. Sekunden später verheerte ein Hagel von Dutzenden von 105mm- und 155mm-Granaten den Grat. Die Kuppe verschwand, weil sich die oberste Sedimentschicht in die Luft hob.

 

Der plötzliche Schlag endete so schnell, wie er begonnen hatte. Die Füsiliere der E- und der F-Kompanie stiegen aus ihren Deckungen und stürmten bergauf. Der Feind, standfeste Veteranen der russischen Front, erholte sich vom Artillerie-Sperrfeuer und hielt die Amerikaner mit Kleinwaffenfeuer fest. Ohne Panzerunterstützung konnte die amerikanische Infanterie die Deutschen nicht vertreiben. Die Deutschen griffen die beiden Füsilierkompanien an und hielten sie später in der Nacht an der Schusslinie fest. Die Attacke schien matt im Vergleich zu den meisten deutschen Angriffen, und sie endete, bevor der Feind signifikante Fortschritte gemacht hatte. Die Amerikaner fanden am nächsten Morgen heraus, dass der Feind nur angriff, um sie abzulenken, während sie sich von der Krete zurückzogen. Anscheinend hat die Artillerieserenade die Deutschen überzeugt, den Kontakt zu abzubrechen.

 

Der 30. Juli war kein guter Tag für das Bataillon gewesen. Die Deutschen hielten es mit ein paar gut positionierten Truppen, Maschinengewehren und ein paar Panzern auf. Das Bataillon hatte es versäumt, seinen Vorstoss zu erkunden; es stützte sich auf einen einfachen Frontalangriff, nutzte keine versteckten Ansätze und infiltrierte auch nicht die Lücken in der deutschen Verteidigung. Die F-Kompanie unternahm einige Anstrengungen, um gegen die Deutschen zu schiessen und sie manövrierte taktisch, aber der Verlust von Schlüsselpersonen wie Worley und Henry verwehrte ihr den Erfolg. Ein aggressiverer Einsatz von Panzern und Infanterie hätte zu besseren Ergebnissen führen können, ohne sich so stark auf die Artillerie verlassen zu müssen.

 

Das Einsatzgeschehen der amerikanischen Armee offenbarte einen weiteren Kurzschluss in ihrer taktischen Entfaltung. Die Amerikaner neigten dazu, den ganzen Tag über anzugreifen, aber nicht in der Nacht. Sobald die Tageskämpfe nachgelassen hatten, gaben die Divisions- und Regimentsstäbe Befehle für den nächsten Tages heraus und gingen dann zu Bett. Das Journal des 12. Infanterieregiments zeigt einen stetigen Nachrichtenverkehr bis Mitternacht, aber wenig zwischen Mitternacht und 7.00 Uhr: ein sicheres Zeichen für die Inaktivität des Stabes. Die Ruhe in den übergeordneten Kommandoposten bedeutete nicht, dass die Kompanien lange schlafen konnten. Im Gegenteil, Junioroffiziere und Sergeants in den Frontkompanien verbrachten Stunden damit, ihre Stellungen zu überprüfen, Feuerpläne zu koordinieren und ihre Leute zu versorgen. Oft ergatterten diese Nachwuchsführer nur ein paar wenige Stunden Schlaf, bevor sie sich auf den nächsten Angriff vorbereiten mussten. Bei diesem Tagesmuster der amerikanischen Aktivität wurde den Deutschen schnell klar, dass sie nach Sonnenuntergang wenig zu befürchten hatten. Die Deutschen ihrerseits hatten keine Abneigung gegen nächtliche Angriffe. Ein deutscher Offizier bemerkte: "Ein moderner, findiger und mutiger Kommandant nutzt die Dunkelheit der Nacht gerne aus und bewegt sich zielstrebig mit seinen Truppen unter dieser Deckung, um operative Vorteile gegenüber einem nachtscheuen Feind zu erlangen.“

 

Der Mangel an Nachteinsätzen der amerikanischen Armee kann auf ihre taktische Doktrin zurückgeführt werden, die Nachteinsätze beinhaltete, sie aber als separates Thema behandelte und nicht als Teil von Standard-Offensiv- und Defensiveinsätzen. Ausserdem mass die Doktrin den Komplikationen von Nachtangriffen viel mehr Gewicht bei als zu ihren Vorteilen. "In der Regel", so ein Feldhandbuch auf Bataillonsebene von 1944, "kann ein Nachtkampf nur dann erfolgreich durchgeführt werden, wenn Zeit für die Vorbereitung und Ausarbeitung eines gut durchdachten Plans und für eine gründliche Aufklärung durch alle Führer bei Tageslicht vorhanden ist".

 

Neben der Doktrin kann ein weiterer Grund einleuchten, warum amerikanische Kommandeure in Nordwesteuropa Vorbehalte gegen Nachteinsätze hatten: es war – mit einem Wort – Unerfahrenheit. Die US-Armee von 1940 bestand aus ein paar hunderttausend Berufssoldaten, ergänzt durch weitere 400'000 Reservisten und Nationalgardisten. Bis 1944 bemass sich ihre Stärke in Millionenhöhe, aber vielen ihrer Offiziere und Nichtkommandanten fehlte die Erfahrung, um komplexen militärischen Aufgaben gerecht zu werden. Die Anführer in der Normandie mussten bei der Arbeit [on-the-job] lernen und brauchten mehr Kampferfahrung, bevor sie den 24-Stunden-Rhythmus durchhalten oder nächtliche Offensiven koordinieren konnten.

 
Am 31. Juli zog das Regiment die G-Kompanie zurück, um als Reserve zu dienen, während die E- und F-Kompanien den Süden angriffen. Captain Enroughty schloss Bills Zug an eine der anderen Füsilierkompanien an, um den Vorstoss zu unterstützen. In Erwartung des Feindkontaktes teilte Bill seine MG-Sektionen in Staffeln ein (eine bewegte sich, während die andere sicherte). Damit war gewährleistet, dass immer eine Sektion in dem Moment feuerbereit war, wo eine Füsilierkompanie in Feindkontakt geriet. Die Truppen zogen vorsichtig über den Hügel, den die Deutschen am Vortag verteidigt hatten. Die vordersten Patrouillen fanden nur ein paar französische Zivilisten, die ihnen anvertrauten, dass die Deutschen das Gebiet während der Nacht verlassen hätten. Dennoch waren die Füsilierkompanien bis Mittag nur 1'500 Meter vorgerückt. General Barton - ungehalten wegen dieses geringen Tempos - rief den Kommandoposten des Combat Teams (CT) 12 an und befahl, Strassen zu benutzen und bei Bedarf kleine feindliche Taschen zu umgehen. Colonel Luckett wiederum rief das 2. Bataillon an, es solle seine Bewegung beschleunigen. Er befahl den Füsilierkompanien, sich aus ihren Linien heraus in Marschkolonnen zu formieren und sich "nur....mit einem kleinen Flankenschutz" abzusichern. Das Bataillon bewegte sich danach etwas schneller und konsolidierte sich auf dem Ziel, dem Grat bei La Mancellière, um 1540 Uhr.

 

Am späten Nachmittag passierte das 1. Bataillon die Stellungen des 2. Bataillons, um den Vorstoss des Combat Teams 12 in Richtung Villedieu-les-Poéles fortzusetzen. Weiter hinten hatte das 3. Bataillon einen Gegenangriff erlitten, der aus Percy kam und zwar während des ganzen Nachmittags. Das CT 12 hatte geplant, dass das 3. Bataillon dem 1. folgen sollte, aber die Aktion bei Percy band es an Ort und Stelle fest. Stattdessen befahl das Regiment dem 2. Bataillon, dem 1. nach Villedieu zu folgen. Gerade als das Bataillon seinen Marsch wieder aufnahm, entdeckten Aufklärer eine feindliche Infanterie- und Panzertruppe im Osten.

 

 

Eine deutsche Infanteriekompanie, verstärkt durch Panzer, unternahm zwanzig Minuten später von Le Laurier aus auf die Höhe La Mancellière einen Gegenangriff. Der S-3 [Stabsoffizier Operationen] des Regiments, Major Gorn, forderte das Bataillon auf, weiter dem 1. Bataillon zu folgen; aber mit einem Gegenangriff auf seiner linken Flanke orientierte Major Johnson das Bataillon darauf, den Angriff abzuwehren. Bills Maschinengewehre hatten wenig Zeit, sich neu zu entfalten, also befahl er den Trupps, die Gewehre nach Osten zu schwenken und indirektes Feuer auf die feindliche Angriffssäule zu legen. Zum Glück war der Panzerzug des I. Bataillons wegen Treibstoffmangels in La Mancellière geblieben. Die Shermans griffen die feindlichen Fahrzeuge an, während die Artillerie und die eigenen Waffen des Bataillons die deutsche Infanterie zu Boden rangen. Das Bataillon hatte den deutschen Gegenangriff um 21.00 Uhr endgültig abgewehrt.

 

 

 

Der späte Gegenangriff bedeutete, dass Bill eine weitere anstrengende Nacht hatte. Die H-Kompanie musste primäre Verteidigungsziele für die Mörser und Maschinengewehre planen, die die Bedrohung aus dem Osten absichern sollten; aber auch alternative Ziele, die im Süden und Norden lagen. Als die Feuerpläne koordiniert waren, wurden die Waffen in Stellung gebracht und die Feuerbereiche bestimmt. Bill hatte nur ein oder zwei Stunden Zeit, um etwas zu schlafen. Im Gebiet gab es mehrere Bauernhäuser und Scheunen. Nach wochenlangem Regen sahen diese Dächer einladend aus.

 

 

 

Bill und einer seiner Unteroffiziere verzogen sich in eine Scheune, die bereits von ein paar anderen Soldaten besetzt war. Bill begann, seine Gurten und Tragriemen, mit denen er seine Pistole, die Munitionsmagazine, die Feldflasche, den Kompass und das Schanzwerkzeug festgemacht hatte, zu lösen. Bevor er seine Ausrüstung auf den Boden fallen liess, störte ihn ein mulmiges Gefühl.

 

Nach einem vorausgegangenen ähnlichen Gefühl in der Nähe von Montebourg, schenkte Bill seinem "sechsten Sinn" mehr Aufmerksamkeit. Nichts schien schief mit der Scheune, aber das Unbehagen nörgelte in ihm immer weiter. Schliesslich wandte er sich an den Sergeanten. "Es gefällt mir hier nicht. Irgend etwas stimmt nicht." „Was stimmt nicht mit diesem Ort?" "Nichts. Aber etwas nervt mich, das ist alles. Wir müssen hier raus."

 

 

 

Bill überzeugte den Sergeanten zu gehen, aber die anderen Soldaten, die von einem anderen Zug waren, blieben dort. Bill und der Sergeant waren nur hundert Meter gegangen, als sie das Pfeifen ankommender Mörsergranaten hörten und in Deckung gingen. Bumm! Bumm! Bill blickte auf die Scheune zurück. Ihr Dach war weggeblasen und die Männer darin getötet.

 

 

 

Das Combat Team 12 startete am Morgen des 1. August mit seinen drei Bataillonen auf einer sechs Kilometer langen Nord-Süd-Linie. Diese Disposition schützte die linke (östliche) Flanke des VII. Korps gegen die bei Percy festgekrallte deutsche Verteidigungsschulter. General Barton wollte mehr als nur die Flanke absichern. Er wollte nach Süden drängen und den amerikanischen Erfolg ausnutzen. Das VIII. Korps an der äussersten rechten (westlichen) Flanke hatte bereits Avranches passiert und konnte frei in die Bretagne vordringen. Generalleutnant George S. Patton hatte gerade die Dritte Armee in Marsch gesetzt und seine gepanzerten Speerspitzen in das französische Landesinnere geworfen. Barton hielt den Moment für gekommen, die 4. Infanteriedivision ins Rollen zu bringen; er ermahnte seine untergeordneten Kommandanten, sich nach vorne zu werfen. "Ich will, dass Sie im nächsten Schritt ohne Furcht und ohne Nachdenken [to throw caution to the winds] den Feind vernichten, gefangen nehmen oder umgehen und dabei rücksichtslos zum Ziel vordrängen." Die Division musste noch Villedieu einnehmen, aber jetzt wurde das weiter entfernte Dorf St-Pois zu ihrem neuen Ziel bestimmt [18 km Distanz]. Um die Führung der Division zu unterstützen, teilte ihr das Korps das Combat Command B (CC B) der 3. Panzerdivision zu.

 

 

 

General Barton schickte das CC B an die linke (östliche) Flanke des 12. Regiments und befahl beiden, sich nach Süden zu bewegen. Dieses Combat Team CT 12 hatte die Aufgabe, Villedieu einzunehmen und dann nach St-Pois vorzurücken. Colonel Luckett beschloss, in einer Kolonne anzugreifen, da seine Bataillone bereits von Süden nach Norden gestaffelt waren. Das 2. Bataillon musste einen Bach unmittelbar südlich seiner Position überqueren und sollte dann dem CC B für 2'500 Meter nach Osten folgen. Nach sechshundert Metern hinter der Kreuzung von le Bignon hatte es nach Süden in Richtung Villedieu abzubiegen.

 


Das Bataillon zog um 8.00 Uhr los, hatte aber erst den ersten Bach überquert, als der Plan bereits entgleiste. Das CC B stiess auf eine scheinbar gut organisierte Strassensperre auf der Anhöhe bei Le Bignon. Die Deutschen bestrichen die Strasse und die umliegenden Felder mit Kleinwaffen, Mörsern und Panzerabwehrkanonen. In diesem Gebiet waren die Felder nicht durch Hecken begrenzt, was den Deutschen weite Schussfelder bescherte. Die Panzer und Halbketten des CC B wagten sich gegen die gefürchteten 88er nicht ins Freie. Also griffen die Infanteristen der Panzertruppe zu Fuss und ohne Panzerunterstützung an. Dieser Angriff aber geriet angesichts des schweren feindlichen Feuers schnell ins Stocken. Um 9.35 Uhr wurde Lt. Col. Gerden Johnson vom CT 12 zur Unterstützung des CC B entsandt.

 

 

 

Colonel Johnson führte einen klugen Angriffsplan aus. Während die Panzergrenadiere die Deutschen angriffen, umging das 2. Bataillon die feindliche Position um ihre Südflanke. Die Füsiliere benutzten eine Geländevertiefung, die sich bis zur deutschen Stellung absenkte, um einen gedeckten Angriff zu machen.

 

 

 

Bills Zug musste die Füsilierzüge unterstützen, die bergauf schossen. Dies stellte eine Herausforderung dar, da die Maschinengewehre über die Köpfe der eigenen Infanterie schiessen mussten, um feindliche Ziele auf dem Kamm zu treffen. Je näher die Maschinengewehre den vorrückenden Schützen folgten, desto höher war der Winkel, den sie schiessen mussten, um über ihre Helme hinweg zu kommen. Ein zu hoher Winkel würde aber die Kugeln über das Ziel hinaus tragen. Um das Problem zu lösen, hatte Bill die Waffen gestaffelt. Während eine Sektion mit den Füsilierkompanien vorrückte, um ihnen direkte Feuerunterstützung zu geben, positionierte sich die andere Sektion in einer nicht einzusehenden Stellung rückversetzt an der Basis der Anhöhe, um indirektes Feuer zu liefern. Mit Hilfe eines Kompasses und einer Karte gab Bill den ungefähren Azimut und die Entfernung zu den Zielen von den getarnten Stellungen aus gemessen an. Die Mitrailleure huschten nach vorne, um einen Jalon (Richtstab) vor die Läufe zu platzieren in der Richtung, die der Kompass vorgab. Nachdem er die Waffe auf den Jalon gerichtet hatte, klemmte der Schütze das Stativ in der Traverseneinstellung fest. Als nächstes nivellierten die Besatzungen das Gewehrrohr auf "Null" horizontal. Der Schütze hob das Rohr an, um die Spitze des Hügels zu sehen und rief die Einstellung auf dem Höhenbogen (Sichtwinkel) aus. "Plus 57 Promille." Bill konsultierte die Feuertabellen, um den zusätzlichen Elevationswinkel zu bestimmen, der erforderlich war, um ein Ziel in diesem Winkel (Elevationswinkel) zu treffen. "QE, plus 8 Promille." Die Gruppenführer stellten einen Neigungsmesser auf die 8-Promille-Einstellung ein und übertrugen ihn auf den MG-Lauf. Der Schütze klickte auf das Höhenhandrad, bis sich die Blase des Neigungsmessers auf dem 8-Promillestand einpendelte. Der kombinierte Winkel hob die Rohre um das richtige Mass, so dass die Ziele auf dem Hügel zu treffen waren. Bill überprüfte den Schiesstisch, um sicherzustellen, dass die QE-Einstellung einen sicheren Spielraum für die Füsiliere bot, die den Hang hinaufstiegen.

 


Diese anfänglichen Azimut- und Höheneinstellungen basierten somit nur auf Schätzungen. Um sicherzustellen, dass die Lagen im Ziel waren, musste jemand ihren Aufprall beobachten und alle Einstellungen an die Gewehrführer weitergeben. Das offene Gelände um Le Bignon und der sanfte Hang ermöglichten es den Beobachtern zwar, über Hand-Arm-Signale zu kommunizieren, aber die damit verbundenen Entfernungen haben sie mehr als wahrscheinlich dazu gezwungen, dies mit Telefonen oder Funkgeräten zu tun. Bill ging mit den Beobachtern voraus, um das Feuer zu leiten und die andere Sektion zu kontrollieren.

 

 

 

Um 10:30 Uhr führte Leutnant Martin MacDiarmid die E-Kompanie an. Colonel Johnson brachte einen Panzerzug der Kompanie C des 70. Panzerbataillons mit, um der Kompanie mehr Feuerkraft zu geben. Die konvexe Form des Hanges verbarg die Annäherung an die deutsche Strassensperre in Le Bignon. MacDiarmid plante, sich auf die linke Flanke der Deutschen zu stürzen, sobald seine Züge den "Militärkamm" überquerten, den Punkt, an dem die Erhebung auf einem Hang die Beobachtung bis zu dessen Fuss erlaubte. Doch in dem Moment, als sich die vordersten Elemente über den Militärkamm bewegten, bekamen sie, das Feuer aus der Höhe auf ihre Rechte (Südflanke). Die Amerikaner entdeckten zu ihrem Entsetzen, dass sich die feindliche Infanterie überall in der Höhe eingegraben hatte. Die Füsiliere der E-Kompanie warfen sich zu Boden und schossen zurück, aber die ausgedehnte feindliche Stellung hielt sie in der Defilierung gebunden. Das deutsche Panzerabwehrfeuer hielt die Shermans in Schach, während sich die feindliche Infanterie in bessere Schusspositionen bewegte, um die amerikanischen Schützen, die am Boden niedergehalten wurden, abzuschiessen. Trotz seiner guten Absichten fand Colonel Johnson sein Bataillon in einem langen Feuergefecht gebunden.

 

 

 

Bills Zug konzentrierte sich auf die wichtigsten Ziele: die deutschen AT-[Anti-Tank] Geschütze und die Maschinengewehre. Die vordere Maschinengewehrsektion montierte ihre M1917A1 und schoss direkt auf den Feind. Bill und die Beobachter hielten den Kontakt mit der hinteren Sektion und regulierten deren indirektes Feuer. Die beiden Seiten jagten sich durch den Tagesverlauf, aber die Deutschen behielten die besseren Positionen.

 

 

 

Die Berichte von CC B und CT 12 ärgerten General Barton. Er hatte seine untergeordneten Kommandanten angewiesen, "rücksichtslos" anzugreifen und Widerstandsnester zu umgehen. Und nun waren seine vorderen Panzerkräfte und ein Infanteriebataillon an der Ostflanke festgebunden. Er beschloss, seine Truppen aus Le Bignon abzuziehen. Barton koordinierte mit der 1. Infanteriedivision an seiner westlichen Flanke. Er bat um die Erlaubnis, einen Teil ihrer Zone zum Manövrieren für CC B nutzen zu dürfen. Um 1520 Uhr teilte das Hauptquartier der Division Colonel Luckett mit, dass sich das CC B wenden und seine Vorstossrichtung entlang der westlichen (rechten) Flanke der Division verfolgen solle. "Brauchen Sie noch mein zweites Bataillon?" fragte Luckett. „Nein“ "Dann desengagiere ich es."

 

Ungefähr zu der Zeit, als die Amerikaner beschlossen, die Aktion abzubrechen, nutzte der deutsche Kommandant, der erkannte, dass sein Aussenposten in Le Bignon eine grosse amerikanische Formation fixiert hatte, die Gelegenheit, um auf die amerikanische Infanterie zurückzuschlagen, die in der Tiefe festgehalten wurde.

 

Die Aufklärer des 2. Bataillons entdeckten mehrere hundert deutsche Infanteristen, die sich vom Weiler La Goupillière nach Westen bewegten und den Osthang der Anhöhe hinaufstiegen, die sie von der E-Kompanie trennte. Wenn die Deutschen Meister der Manövrierkunst waren, waren die Amerikaner Meister in der Anwendung von Feuerkraft. Colonel Johnson zog die E-Kompanie ein paar hundert Meter zurück, um einen Sicherheitspuffer einzurichten,und forderte dann eine „Serenade“ an. Der Artillerie-Beobachter FO timte den Angriff so, dass er mit dem Moment zusammenfiel, wo der gegnerische Gegenangriff eine Waldfläche entlang des Kammes der Anhöhe erreichte. [Die Granaten der etwas längeren Lagen explodierten so an an Baumkronen und jagten ihre Splitter direkt auf die dem Waldrand zueilenden Feinde.]

 

 

 

Um 1745 Uhr entflammte der Hügel unter dem Einschlag von 72 Artilleriegeschossen. Rauch, Staub und Schutt bedeckten die deutsche Position. Johnson fing an, die E-Kompanie aus der Schlacht zurückzuziehen, sobald die Granaten gelandet waren. Bill rief seinen vorderen MG-Führern den Verlegungsbefehl zu. Die Männer brachen ihre Waffenstellungen ab, hoben die Rohre und Stützen auf den Rücken und eilten den Hang hinunter. Die E-Kompanie zog sich nur eine kurze Strecke zurück, bevor sich der Rauch so weit aufgelöst hatte, dass die Deutschen das Feuer wieder aufnehmen konnten. Bills Mitrailleure sollten nicht aufbrechen, ohne zuerst die Waffen des Gegners niederzuhalten, aber sie konnten das nicht tun, ohne die Maschinengewehre wieder in Position zu bringen. Colonel Johnson löste das Dilemma, indem er eine weitere „Serenade“ bestellte. Nachdem sich der Staub ein zweites Mal gelegt hatte, belästigte nur noch eine einzige, lästige AT-Geschütz-Crew die Amerikaner. Eine dritte „Serenade“ machte dem ein Ende.

 

 

 

Die Schlacht bei Le Bignon hatte eine Fussnote. Die Amerikaner erwischten drei deutsche Soldaten in amerikanischen Uniformen. Da die Erinnerung an Sergeant Worleys Patrouille noch frisch war, erschossen die Entführer die Deutschen standrechtlich.

 

 

 

Das Bataillon marschierte unbehelligt über den Fluss Sienne und wandte sich dann nach Südsüdosten entlang der Hambye-Villedieu-Autostrasse [D9]. Um 21.10 Uhr liessen sich die Männer in einem Bereitstellungsraum nieder, von dem aus man den nördlichen Rand von Villedieu überblickte. Sie verbrachten die Nacht damit, sich auf den Angriff vorzubereiten, um die strategisch wichtige Ortschaft zu erobern.

 

 

 

In den drei Tagen seit Hambye genossen die benachbarten Einheiten auf der westlichen (rechten) Flanke ein leichtes Spiel mit wenig Gegnern, die ihren Vormarsch behinderten. Unterdessen war das Combat Team CT 12 nach Süden vorgedrungen, während es den starken deutschen Druck von der Ostflanke her (von links) abwehrte. Colonel Lucketts Männer befanden sich an der Friktionslinie zwischen der deutschen Abwehrschulter und dem amerikanischen Ausbruch. Anders als Pattons Dritte Armee musste das CT 12 den Feind mit jedem Schritt nach vorne abwehren. Diese Kampagne der langen Märsche wurde jeweils unterbrochen von heftigen Zusammenstössen, die den Kampfgeist und die Kraft der bereits erschöpften Einheit immer wieder abblitzen liessen. Die kommenden Tage würden eine noch grössere Bedrohung für das 12. Infanterieregiment darstellen.

 

Deutsche Lagekarte per 1. August 1944 Quelle

 

Hinter der Front

David Rothbart Tagebuch

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