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40Die Kesselschlacht von Falaise

vom 12. bis 21. August 1944

 

Der Anfang vom Ende für die Wehrmacht

 

Nach dem erfolgreichen Verlauf des D-Day und dem Durchbrechen der deutschen Linien im Zuge der Operation Cobra kam es Anfang August 1944 südlich von Caen zur Kesselschlacht bei Falaise.i

ii


Falaise

 

Aufgrund des Führerbefehls, um keinen Preis zurückzuweichen, wurden die deutschen Truppen von Pattons Einheiten beinahe ungehindert in ihrer offenen Südflanke umgangen. Mit der Operation Totalize brachte Montgomery zwei britische Panzerdivisionen weit genug nach vorne, um dem hinteren Teil der deutschen Linien zu bedrohen. Durch dieses Vorgehen gerieten 28 Infanteriedivisionen und elf Panzerdivisionen der Deutschen in Gefahr, von den Alliierten in die Zange genommen zu werden.


Nach dem Abbruch der Operation Lüttich befahl Hitler der 5. deutschen Panzerarmee, in südwestlicher Richtung anzugreifen, obgleich sie sich damit dem Risiko aussetzte, zwischen Falaise und Argentan von den alliierten Streitkräften eingeschlossen zu werden (Kessel von Falaise).

Im Kriegstagebuch des Feldmarschalls von Kluge heißt es dazu:

Unglaublichkeit einer großen militärischen Streitkraft […], die in Seelenruhe einen Angriff plant, während der Feind weit hinter ihr eifrig eine Schlinge bildet, um sie zu strangulieren.“i

Der Kessel

Am 8. August erreichte Pattons 5. US-Panzerdivision die 125 km südlich von Falaise gelegene Stadt Le Mans, wo sie sich mit der französischen 2. Panzerdivision unter Philippe de Hauteclocque, genannt Leclerc, zusammenschloss. US-General Omar Bradley sprach sich am selben Tag mit Bernard Montgomery ab und erklärte ihm seinen Plan, die deutsche Armee westlich der Seine einzuschließen. Dazu mussten sich Pattons beide Panzerdivisionen von Le Mans aus nach Norden wenden, um sich dort mit Montgomerys Divisionen zusammenzuschließen, welche von Caen aus in südwestliche Richtung abdrehten und parallel vorrückten.Pattons XV. Korps schwenkte daraufhin im rechten Winkel in Richtung Argentan, während seine übrigen Divisionen zur Seine vorstiessen. Dadurch konnte Bradley einen kurzen und auch einen langen Haken schaffen. Der lange Haken ermöglichte ein Abfangen der aus Falaise entkommenden deutschen Truppen. Bradley befahl Pattons XV. Korps nördlich von Argentan zu stoppen. So entstand eine 25 km breite Lücke, durch die die deutschen Truppen zu entkommen versuchten. Teile der 12. SS-Panzer-Division „Hitlerjugend“ und der kanadischen 1. Armee lieferten sich daraufhin harte Kämpfe, die sich über mehrere Tage hinzogen.


Am 16. August gab Hitler einen verschrobenen, wirklichkeitsfremden Rückzugsbefehl. Er kam zu spät, berücksichtigte die alliierte Luftüberlegenheit nicht und war mit dem befohlenen Überschreiten von drei Flüssen - Orne, Dives und Seine – in der gegebenen Situation nicht durchführbar. Das Genie des Führers übersah auch schlichtweg, wie durch den fast ersatzlosen Verlust von Tanks der Kampfwert von Panzerkorps zu Bataillonen und von Panzerdivisionen zu Kompanien oder Zügen zusammengeschrumpft war. Hitler hatte ein ausgezeichnetes Gedächtnis. Er konnte sich sehr genau an die Nummern und Standorte der eingesetzten Truppenkörper erinnern. Aber er übersah, dass ein Regiment vor und nach der Schlacht nicht den gleichen Bestand an Personal und Material hatte. Das war auf alliierter Seite in dieser Phase des Krieges ganz anders. Ersatz war bis zur Phase des ungestümen Vorprellens und der dann langen Versorgungslinien zu der Zeit noch im Übermass in den strandnahen rückwärtigen Räumen vorhanden.


Zwischen dem 18. und 21. August schrumpfte der Kessel zu einer acht Kilometer breiten Straße zusammen, die von bis zu 80.000 Granaten täglich bestrichen wurde und vielen Luftangriffen ausgesetzt war.


Die 1. polnische Panzerdivision und die 90. US-Infanteriedivision schlossen am 19. August den Kessel bei Chambois, um die Flucht der deutschen Truppen zu verhindern. Die 1. polnische Division wehrte am Mont Ormel die Angriffe der 2. und der 9. SS-Panzer-Division bis zum 21. August ab.

 

Am 1. September war der Kampf mit dem Abzug der letzten deutschen Soldaten vorüber.ii


Falaise ist als Sieg für die Alliierten zu bewerten, da die die deutschen Verbände zwischen dem 7. und 21. August etwa 50.000 Soldaten (einschließlich Kriegsgefangene) und nahezu ihre gesamten schweren Waffen verloren; allerdings konnten zwischen 20.000 und 30.000 deutsche Soldaten aus dem Kessel entkommen, was Antony Beevor mangelndem taktischem Geschick vor allem Montgomerys zuschreibt.“iii

22. Infanterie-Regiment

Jahrbuch des Regiments:

The regiment resumed the attack on August 4 against heavy small arms and tank fire, and seized St. Pois on August 5.

The Second Battalion, now commanded by Major Glen Walker, moved up to the high ground in the vicinity of Chateau Lingeard,

and repulsed two enemy counterattacks. Severe casualties resulted in the Regimental Command Post on August 9

from concentrations of artillery and mortars directed against Chateau Lingeard. Vigorous patrolling and the establishment of various defensive positions

occupied the regiment until August 17.“iv

Die Auswirkungen des Kessels von Falaise

Verluste

Die deutsche Wehrmacht verlor zwischen dem 7. und 21. August im Westen insgesamt 50.000 Soldaten (Tote, Verwundete und Vermisste); weitere 200.000 gerieten in Kriegsgefangenschaft. Bis zu diesem Zeitpunkt beliefen sich die Verluste der Deutschen in der Normandie auf mehr als 240.000 Tote oder Verwundete und 250.000 Gefangene. An Material büßte die Wehrmacht dabei 1.500 Panzer, 3.500 Geschütze und 20.000 sonstige Fahrzeuge ein. Die Alliierten bezifferten ihre Verluste während der Operation Overlord auf 209.672, darunter 36.976 Gefallene.

Durch ihren Sieg bei Falaise waren die alliierten Streitkräfte anschließend in der Lage, in Richtung Seine und schließlich nach Paris vorzurücken.v

Folgen und Bewertung

 

Die Wehrmacht erholte sich von den im Kessel von Falaise erlittenen Materialverlusten nicht wieder. Nach offiziellen Angaben entkamen zwar zwischen 20.000 und 30.000 Soldaten aus dem Kessel, die jedoch nur noch über 25 Panzer und 50 Selbstfahrlafetten verfügten; außerdem verloren Zehntausende Soldaten ihre Ausrüstung. Der Kessel von Falaise wird somit auch als ein deutsches Dünkirchen bezeichnet. Die Alliierten erreichten am 25. August Paris und befreiten noch vor Jahresende ganz Frankreich bis auf einige Atlantikhäfen, die von den Deutschen teils bis Kriegsende gehalten wurden. Die neuere Forschung erkannte allerdings auch, dass die Alliierten gravierende Fehler begingen und es versäumten, den Kessel ganz zu schließen. Antony Beevor schreibt dem Kommandeur der 4. kanadischen Panzerdivision, Major General George Kitching, „Lethargie und Inkompetenz“ zu; dass die vollständige Vernichtung der deutschen Armeen letztlich nicht gelang, sei vor allem Montgomerys Schuld gewesen, der hierfür schon damals von den anderen Befehlshabern kritisiert worden sei.vi



Am 16. August heftet Armeegeneral Hodges in Gegenwart des Korpskommandanten Collins General Barton die Distinguished Service Medal an die Brust. Das Distinguished Service Cross erhalten bei dieser Gelegenheit drei Bataillonskommandanten. Silber- und Bronzesterne werden an weitere Offiziere und Soldaten verteilt. S. 96

http://books.google.ch/books?hl=de&id=GbsKmW6xPnIC&q=Barton#v=onepage&q=Barton&f=false



ivhttp://1-22infantry.org/history2/regthistory.htm 27.08.14 19:51:28 22nd Infantry Regiment Yearbook, printed 1947


Nach dem Zusammenbruch der Verteidigungsfront in der Normandie flohen die deutschen Truppen mit allem, was sie in der Eile mitnehmen konnten. Die alliierte Luftstreitmacht setzte ihnen erheblich zu, indem Straßen, Brücken und Eisenbahnstrecken angegriffen und stark beschädigt wurden. Damit senkten sie die Rückzugsgeschwindigkeit der Deutschen erheblich. Etliche Haupteinheiten wurden im Kessel von Falaise eingeschlossen.

Diese Niederlage war mit rund 60.000 Mann Verlusten eine der größten für die Deutschen im Zweiten Weltkrieg. Die Verluste seit dem Beginn der Operation Overlord beliefen sich damit auf mehr als 400.000 Soldaten, 1.500 Panzer und Lafettenfahrzeuge. Letztlich wurden 25 Divisionen praktisch komplett ausgeschaltet. Während der Ausbruchsphase waren die Verluste deutlich höher als in den vorherigen statischen Schlachten. So multiplizierte sich der deutsche Verlust an Panzern im August, verglichen mit den Zahlen vom Juni und Juli. Die deutschen Panzerdivisionen erreichten die deutsche Grenze vollkommen ausgebrannt und ohne Panzer.


Bis zum 25. August hatten alle in die Normandieschlacht eingebundenen alliierten Einheiten die Seine erreicht; am selben Tag kapitulierte Choltitz, der Stadtkommandant von Groß-Paris. Der Angst der alliierten Oberkommandierenden vor einem Stellungskrieg folgte eine Siegeseuphorie: Alle glaubten nun, der Krieg sei praktisch schon gewonnen. Die Alliierten setzten ihren schnellen Vorstoß durch Nordfrankreich fort und trafen die kurzsichtige Entscheidung, auf die Einnahme von Antwerpen und seines großen Hafens vorerst zu verzichten und vorher die Operation Market Garden zu starten.“i