14Die öffentliche Wahrnehmung Bartons - namentlich in den USA

  

Generell bemerkt:

 

Zu berücksichtigen ist, dass die USA Ende 1944 in Übersee 80 Divisionen im Einsatz hatten. Da die Divisionskommandanten - wie in der Vierten - meist abgelöst wurden, gab es sicher mehr als 200 frontgeprüfte Divisionäre im 2. Weltkrieg. Barton war insofern ein beachtenswerter Sonderfall, als er eine Elitedivision führte, die am D-Day als erste US-Einheit an der Küste landete und die Paris (mit-)eroberte. Andererseits war sein Küstenabschnitt nicht besonders spektakulär, der Einsatz auf der Halbinsel Contentin und beim Ausbruch aus der Normandie zwar wichtig und reich an Opfern, aber nicht mit den aufsehenerregenden militärischen Erfolgen direkt verbunden, der Sieg von Paris in einem francophilen politischen Umfeld und das grausame Engagement im Hürtgenwald so schlimm, dass man die Division zur Retablierung schliesslich nach Luxemburg zurückziehen musste. Barton hat seine militärischen Pflichten wohl sach- und fachgerecht in Ehren erfüllt, aber es fehlte ihm die Fortüne dort zu stehen, wo die Weltgeschichte - meist nachträglich und durchaus nicht immer realitätskonform - ihre Scheinwerfer fokussiert. Es ist wie im Sport: nicht der ehrenhafte Kampf zählt, sondern der Sieg zur rechten Zeit am rechten Ort.

 

Die Darstellung Bartons im Film "Der längste Tag" und das Verhältnis zu Ted Roosevelt

Wer von den Getöteten, Vermissten und Überlebenden der Landung am D-Day es in die Erinnerung der Nachwelt schaffte, hing wesentlich von der Erwähnung im Film von 1962 "The longest day" ab.


Edmond O'Brian als General Raymond O. Barton in

"The longest day"

 

Dass Barton überhaupt im Film vorkommt und dass er andererseits nicht besonders prominent wegkommt, hängt beides mit der Person eines pittoresken Kriegsteilnehmers, des Brigadegenerals Roosevelt, zusammen. "Dieser war ein US-amerikanischer Geschäftsmann, Autor, Abenteurer, Reisender, Staatsbeamter, Politiker und Armeeoffizier. Theodore 'Ted' Roosevelt, Jr. war der älteste Sohn des 26. Präsidenten der Vereinigten Staaten, Theodore Roosevelt (1858–1919), in dessen Schatten er während der ersten Hälfte seines Lebens stand. Seine eigenen politischen Ambitionen blieben weitgehend erfolglos. Anders seine militärische Karriere. Er war im Ersten Weltkrieg der jüngste Regimentskommandeur im Gefecht und am D-Day der älteste Soldat im Kampfeinsatz." Er war der Cousin 5. Grades des amtierenden Präsidenten Franklin D. Roosevelt und wahrscheinlich das, was man einen "amerikanischen Aristokratenspross" nennen könnte. Er wurde wohl deshalb Barton in dessen Division als Stellvertreter gegeben, weil der kommandierende General als absolut zuverlässig und gefestigt galt. Jeder andere Divisionskommandeur hätte sein Schicksal verflucht, dass er neben einer ganzen Heereseinheit auch noch einen Lebemann zum Hüten und Behüten anvertraut bekomme, zumal er davon ausgehen durfte, dieser werde ihn so viel Zeit, Ärger und Arbeit kosten wie der ganze Rest der Division. Ausserdem musste Tubby Barton wissen, dass Ted wegen dessen allgemeinen hohen Beachtung dann auch alle Lorbeeren wegstehlen würde und er überdies verantwortlich gemacht würde, wenn dem Sprössling aus der Präsidentenfamilie irgend etwas zustossen würde, was ja in Anbetracht der bevorstehenden militärischen Aktion nicht ganz auszuschliessen war. Dass Ted Roosevelt im demokratischen Amerika, wo jeder gleich ist, noch etwas gleicher einzuschätzen war, zeigte sich fünfeinhalb Wochen später, als er auf dem amerikanischen Militärfriedhof im normannischen Colleville-sur-Mer beigesetzt wurde. Mitten in den kriegerischen Operationen waren seine Ehrensargträger die hohen Generäle Bradley, Patton, Collins, Huebner, Barton und Hodges

 

Ich hätte gerne die Sequenz aus dem zwar alten, immer noch schwarz-weissen, aber wohl aufwändigsten Kriegsfilm, der auch heute noch zu sehen ist, gezeigt, wo Barton seinen auch nicht mehr jungen Stellvertreter davon abhalten wollte, mit der ersten Welle an Land zu gehen. Urheberrechtliche Sicherungsmassnahmen verhindern aber einen Zugriff darauf. Ich gebe daher hier einen Ausschnitt aus einer Filmbesprechung wieder:

 

Wie immer: Bild zum Vergrössern anklicken

 

In einer etwas ausführlicheren Inhaltsangabe wird die Schlüsselszene zwischen Tubby Barton und Ted Roosevelt wie folgt beschrieben:

 

„Gen. Theodore Roosevelt, Jr. comes in to ask Gen. Raymond D. Barton if he can go ashore and fight alongside his troops. Barton doesn’t want Roosevelt to go because he is the assistant division commander and too important to get killed on Utah Beach (one of the two American landing places, the other being Omaha Beach). Roosevelt wants to go and Barton decides to approve his request.“

 

Gen. Theodore Roosevelt, Jr. kommt herein, um General Raymond D. Barton zu fragen, ob er an Land gehen und mit seinen Truppen kämpfen dürfe. Barton will nicht, dass Roosevelt geht, weil er der stellvertretende Divisionskommandant und zu wichtig ist, um an der Utah Beach (einer der beiden amerikanischen Landeplätze, der andere ist Omaha Beach) getötet zu werden. Roosevelt aber will mitgehen und Barton entschliesst sich, den Antrag zu genehmigen."

 

Wenn es nicht nur im Film so gewesen ist, dass Barton Roosevelt daran hindern wollte, mit der Sturmspitze zu landen, so hatte er, wie oben dargelegt, gute Gründe. Übrigens trug Roosevelt, wenn man der Fama glauben darf, immer einen Spazierstock statt einer Waffe bei sich. Die deutschen Maschinengewehre MG 42, deren Leistung auch heute noch kaum übertroffen ist, schossen doppelt so schnell wie die amerikanischen. Da war also jeder Schütze gefragt. Spaziergänger durften keinem einzigen den Platz wegnehmen. Gefragt waren aber unerschrockene, charismatische Führerpersönlichkeiten. Zu denen gehörte Ted Roosevelt jedenfalls, sonst würde sein Ruf nicht so lange über das Grab hinaus anhalten.

 

Bartons Wesen gerecht werdend lässt man ihn im Film den entscheidenden Befehl an den Stab und die Linie mit dem trockenen

"It’s on!"

geben, was wahrscheinlich mit dem ungeschmückten "Es geht los!" zu übersetzen ist.

 

Raymond O. Barton war kein auffällig gefallsüchtiger Mensch: Es gibt ein einziges echtes Portrait im ganzen Internet, das ich erst noch zurechtgestutzt habe. Entsprechend fürchtete er sich auch nicht vor der publizitären Wirkung seines Stellvertreters Ted Roosevelt.

 

 

Wie sein Vater war Ted Junior ein Mann mit eisernem Willen und er hatte jede Überzeugungskraft, die sich in seinem Repertoire fand, eingesetzt, um die Angriffstruppen am D-Day an Land zu begleiten. General Bradley hatte Roosevelt erst kürzlich der 4. Division als "überzähligen" General zugeteilt, eine vorübergehende und streng inoffizielle Position. Aber da Roosevelts Job in der Division verschwommen war, musste er eine Nische finden, die seinem berühmten Namen würdig war. Während des endlosen Wartens auf die Invasion in den Verschiebungsgeländen Englands hatte er offen seinen Wunsch geäussert, den Erstwellen-Angriffstruppen an der Utah Beach sein bekanntes Gesicht zu zeigen und sie in einer aussergewöhnlich angespannten Situation zu inspirieren, die den Truppen in ihrem ersten Kampf bevorstand. Zuerst hatte der Kommandant der 4. Division, General Barton, Roosevelts Antrag, mit der ersten Welle zu landen, abgelehnt. Barton vermutete, dass kritische Fragen auf ihn und die gesamte Vierte zukämen, wenn Roosevelt getötet würde.Roosevelt konnte jedoch nicht zurückgehalten werden. Er hatte einen kurzen Brief verfasst, der Bartons Meinung änderte, aber Barton gestand später, dass er glaubte, es gebe eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass Ted Junior den D-Day nicht überlebe.

Quelle

 

Die Sache spielte sich somit weit zivilisierter ab als im Film nachgestellt. Man verkehrte schriftlich miteinander. Generäle von der Statur Bartons oder Roosevelts, die Europa und damit Paris befreiten, waren keine Cowboys und keine Landsknechte.

 

Brig. General Theodore Roosevelt Jr.

 

Überzähliger General, 4. Division, Brief an Barton, 26. Mai 1944

 

Die Kraft und die Geschicklichkeit, mit der die ersten Elemente am Strand auftreffen und den Kampf fortführen,  können den endgültigen Erfolg der Operation bestimmen. . . . Bei Truppen, die zum ersten Mal eingesetzt werden, wird das Verhaltensmuster aller durch jene festgelegt, die zuerst im Kampf engagiert sind. Es wird davon ausgegangen, dass genaue Informationen über die bestehende Situation jedem nachfolgenden Element bei der Landung verfügbar sein sollten. Sie sollten, wenn Sie an Land gehen, ein Gesamtbild bekommen, auf welches Sie vertrauen können. Ich glaube, ich kann einen wesentlichen Beitrag zu all dem leisten, indem ich mit den ersten Angriffskompanien lande. Ausserdem kenne ich sowohl die Offiziere als auch die Mannschaften dieser Vorauskommandos und glaube, dass es sie beruhigen wird, wenn sie wissen, dass ich bei ihnen bin. (Roosevelt landete mit der Kompanie E des 8. Infanterieregiments.)

 

In einem Brief an seine Frau Eleanor bereitete Roosevelt sie auf das Schlimmste vor,  indem er klar festhielt, dass er in der ersten Welle an der Utah Beach landen würde. Ebenso beunruhigend für Eleanor war die Nachricht, dass ihr Sohn Quentin nur eine Stunde nach der ersten Welle mit der 1. Division nach Omaha Beach fahren werde.

 

Brig. General Theodore Roosevelt Jr., Überzähliger General, 4. Division, Brief an seine Frau Eleanor, 3. Juni 1944

 

 

Ich glaube nicht, dass ich es dir schon geschrieben habe, aber ich gehe mit der Angriffswelle rein und treffe zur Strand zur H-Hour ein. Ich tue es, weil es die Art und Weise ist, wie ich am meisten zum Erfolg beitragen kann. 

 

Es beruhigt die jungen Männer, dass sie wissen, dass ich bei ihnen bin, dass sie sehen, wie ich mit meinem Rohrstock dahinstapfe... Zuerst wollte "Tubby" (Barton) nicht, dass ich gehe, aber letztendlich, nachdem ich einen formellen Brief geschrieben hatte, in dem ich meine Gründe nannte, stimmte er zu. . . . Und so wird die alte Prairie Belle (Roosevelts Spitzname) in der ersten Welle am Strand entlang humpeln. Quentin, so glaube ich,  geht um H+60 an Land.

 

Roosevelts Seele war kaum die eines Soldaten. Seine Gene hatten ihm ein Gespür für Politik und Literatur mitgegeben.  Die Strenge des Armeelebens schien kaum kompatibel mit dem eines solchen Bonvivant. Er war ein Mann, der vor dem Krieg regelmässig mit Menschen wie Pearl Buck, Edna Ferber, Robert Frost, Helen Hayes und Rudyard Kipling korrespondiert hatte, und der selbst solche eklektischen Bücher wie Trailing the Giant Panda und Three Kingdoms of Indo-China verfasst hatte. Teddy Junior liebte Poesie, und als er am 6. Juni 1944 nach Utah Beach ging, trug er in seiner Tasche ein kleines Buch mit Gedichten von Winthrop Praed, einem bedeutenden englischen Humoristen aus dem frühen 19. Jahrhundert mit sich. Dieser Band, zusammen mit Roosevelts allgegenwärtigem Rohrstock und einer Pistole, die er während des gesamten D-Days nicht aus dem Halfter nehmen würde, sollten seine schlichten Bedürfnisse am Strand während des 6. Juni befriedigen. Aber Roosevelt liebte auch die US-Armee, besonders den gewöhnlichen Kämpfer, und er betrachtete es als Ehre, sie in die Schlacht in der Normandie zu führen.

 

 

Innerhalb der ersten drei Stunden der Invasion waren die vier Spitzenleader der 4. Division, alle Generäle, an Land.  Einer von ihnen war der unnachahmliche Ted Roosevelt. Dank Roosevelt und den anderen war die anfängliche Verwirrung, die durch die Fehllandung fast eine Meile südlich des geplanten Ziels ausgelöst worden war, verschwunden. Auch wenn spätere Entwicklungen Änderungen am Schlachtplan erforderlich machten, waren die Generäle der 4. Division bereit, die Kontrolle persönlich auszuüben.

 

 

Generalmajor Raymond Barton, Kommandant 4. Infanteriedivision

 

Während ich in meinen Gedanken [Befehle] ausarbeitete, tauchte Ted Roosevelt auf. Er war mit der ersten Welle gelandet, hatte meine Truppen an den Strand geführt und hatte ein perfektes Bild der gesamten Situation. Ich mochte Ted. Als ich schliesslich seiner Landung mit der ersten Welle des Angriffs zugestimmt hatte, hielt ich es für gewiss, dass er getötet würde. Als ich ihm in England Lebewohl sagte, hätte ich nie erwartet, ihn lebend wiederzusehen. Sie können sich vorstellen, mit welcher Emotion ich ihn dann begrüsste, als er herkam, um mich zu treffen [in der Nähe von La Grande Dune]. Ich umarmte ihn und er mich. Er barst vor Informationen.

Quelle

 

Aus diesen persönlichen Äusserungen Bartons ist ersichtlich, dass er nicht zurücksteht, die Verdienste Roosevelts und aller seiner Leute hervorzuheben und sich in keiner Weise vordrängt, um die von andern eingebrachten Lorbeeren für sich einzuheimsen. Er betrat um 09:05 Uhr französisches Festland. Bis der letzte Infanterist seiner Division es ihm gleichtat, dauerte es bis 12:30 Uhr.

 

Ted Roosevelt ist der US-Offizier des Zweiten Weltkrieges, der die meisten Dekorationen geerntet hat - zumeist posthum. Barton selbst zögerte - im Gegensatz zu seinen Vorgesetzten - nicht, Ted für einen begehrten Orden vorzuschlagen:

Quelle

 

Brig. General Theodore Roosevelt Jr., Überzähliger, 4. Division, Brief an seine Frau Eleanor, 14. Juni 1944

 

Der Bataillonskommandant, mit dem ich gelandet bin [Oberstleutnant MacNeely,  2. Bataillon, 8. Infanterieregiment], erzählte mir, was die Männer zuerst sagten: "Dieser alte Mann kann nicht in der ersten Welle mitkommen." Ich mag alt sein, aber ich kann unter Verlusten und Katastrophen die Reihen beieinander halten halten und sie vorwärts treiben..... Übrigens, Tubby Barton hat mich für die Medal of Honor vorgeschlagen, aber man kann keinerlei Hoffnungen darauf setzen. Der Korpskommandant [Collins) mag mich nicht, auch wenn er zugibt, dass ich ein "sehr furchtloser Offizier" bin, natürlich würde ich die Dekoration schätzen, wenn sie durchkäme - weit mehr als eine Beförderung, aber wir, Du und ich, sind nicht in diesem Krieg um der persönlichen Ehre oder Bekanntheit willen. Dafür ist die Sache viel zu ernst. (Die U.S. Army verlieh Roosevelt posthum am 28. September 1944 die Ehrenmedaille. Er war am 11. Juli an einem Herzinfarkt gestorben.)

 

Im Buch "Marshall: Lessons in Leadership" von H. Paul Jeffers, Wesley K. Clark & Alan Axelrod, Palgrave (9. Juli 2010), wird bestätigt, dass Collins so über Roosevelt dachte, wie es dieser im Brief an seine Frau annahm.

Im Film, in der Literatur und in meiner bisherigen Darstellung wird Theodore Roosevelt als Stellvertreter Bartons vorgestellt. Nach der offiziellen Ordre de bataille war er jedenfalls nicht stellvertretender Divisionskommandant (Assistant Division Commander), sondern Supernumarery General Officer, wie der Absender seiner Briefe an die Ehefrau lautet.

 

Wie Barton war, dachte und fühlte, lässt sich auch aus dem Entwurf des Briefes an die Witwe Ted Roosevelts entnehmen:

 

HAUPTQUARTIER VIERTE INFANTERIEDIVISION BÜRO DES KOMMANDIERENDEN GENERALS

APO #4, o/o Postmeister

New York, N.Y.

13. Juli 1944

Mrs. Theodore Roosevelt.

Oyster Bay

Long Island, New York

 

Meine liebe Eleanor

 

Ich wende mich an Sie als Eleanor, weil Sie in täglichen Gesprächen mit Ted und der Einsichtgewährung in Auszüge aus Ihren Briefen durch ihn auch für mich Eleanor geworden sind.

 

Ich wünschte, es wäre mir möglich, Ihnen mein Herz auszuleeren und Ihnen all das auszudrücken, was ich so gründlich und tief empfinde.

 

Das kann ich nicht, denn ich bin mitten in einer Schlacht. Ich muss bald an die Front gehen, dorthin wo Ted früher hingegangen ist, damit ich in Ruhe meine Probleme lösen konnte, aber jetzt muss ich meine Probleme lösen und an die Front gehen. Ich habe als Divisionkommandant mehr als meinen rechten Arm verloren, und ich habe sogar noch mehr als das als Mensch verloren. So teile ich mit Ihnen in nicht unerheblichem Masse Ihren eigenen Verlust. Es ist nicht möglich für mich, Ted so zu lieben, wie Sie und Ihre Kinder ihn geliebt haben, aber ich versichere Sie, dass ich mit der Tiefe meiner Zuneigung Ihnen sehr nahe bin.

 

Gestern Abend war ich müde, nicht entmutigt, sondern etwas deprimiert, und ich musste getröstet werden. (Ted war mein Tröster während dieses Feldzuges gewesen; mein Führer, mein Mentor und meine "synthetic battle experience" - das letzte ist nicht gut ausgedrückt , aber ich will sagen, dass ich keine Kampferfahrung hatte, Ted hat sie mir vermittelt).

 

Gegen neun Uhr ging ich zu seinem Zelt, wo zwei junge Offiziere des Stabes bei ihm zu Besuch waren; wie junge Offiziere es gewohnt sind, plumpsten sie auf Steveys Bettzeug und wir fingen an zu plaudern. Zuerst diskutierten wir eines der Kampfprobleme, das sich damals als sehr schwierig darstellte, und schliesslich sagte ich: "Ted, lass uns den Krieg für eine Weile vergessen". Sofort, mit munterer Persiflage, brach er in ein Gelächter aus, erfreute mich mit amüsanten Begebenheiten und entführte mich aus der Schlacht. Wohlgemerkt, das waren nur zwei Stunden und fünfzig Minuten bevor er starb, und ich wusste nicht, dass er sich der Krankheit näherte. Ich verliess ihn mit einem warmen und herzlichen Gute Nacht und ich selbst fühlte mich nach meinem Kontakt mit ihm verjüngt, wie ich es immer war, wenn wir zusammenkamen und auseinandergingen.

 

 

Später erfuhr ich, dass Quentin ein paar Minuten nach meinem Weggang zu ihm kam und dass sie bis zehn Uhr miteinander sprachen und sich dann trennten. Was für ein grossartiger Trost ist es, sich  die Wichtigkeit bewusst zu machen, die dieser Besuchs zwischen Vater und Sohn gerade in dem Moment hatte. Anscheinend erzählte Ted Quentin etwas von seiner körperlichen Verfassung und davon, dass die alte Maschine ziemlich abgenutzt sei. Ich kann nur beklagen, dass er es mir nicht gesagt hatte, denn wenn ich es gewusst hätte, so hätte  ich veranlasst, dass sie ihn schon längst bei sich zu Hause gehabt hätten, und er hätte viele schöne und nützliche Jahre länger gelebt.

 

Gegen 11.30 Uhr weckte mich Stevey und sagte, dass der Boss ziemlich krank sei und ich zu seinem Truck kommen sollte. Das tat ich sofort, fand den Arzt bei ihm und war bei ihm bis und nach dem Ende. Er atmete, aber bewusstlos, als ich in seinen Truck stieg. Der Arzt hatte alles nur Mögliche getan und mir gesagt, dass man nichts mehr tun könne. Ted starb, wie er lebte, ruhig, friedlich, ohne Klage und wenn er sich dessen bewusst gewesen wäre, hätte er seine Besorgnis über mein Aufstehen und nicht über seine Krankheit zum Ausdruck gebracht. Sein Ende war friedlich.

 

Ich denke, er wusste schon vor dem D-Day, dass ihm das passieren könnte, und ich denke, er hoffte, dass er auf dem Schlachtfeld getötet werden würde, anstatt so zu sterben. Im Nachhinein bedauere ich, dass er nicht im Feld fiel, denn ich weiss, dass er das gewollt hätte. Obwohl ich täglich in Todesangst lebte, dass ihm das passieren könnte, und trotz allem, was ich dagegen tun konnte, schaffte er es jeden Tag, sich an vorderster Front wiederzufinden, wo die Gefahr am grössten war und auch sein Einfluss auf den kämpfenden Mann ebenfalls am grössten. 

 

Er hat nicht nur mich selbst inspiriert und mittelbar durch mich grossen Einfluss auf die Division gehabt und zu Inspirationen beigetragen, sondern er hat sich persönlich beliebt gemacht, er hat inspiriert und angespornt und jeden kämpfenden Soldaten in der Division glücklich gemacht. Er gehörte zu uns, und obwohl er die erste Division noch liebte, habe ich das Gefühl, dass er als Mann der vierten Division von uns gegangen ist. Sicherlich beanspruchen wir ihn als solchen - als unseren ganz und gar eigenen Mann.

 

Wir haben sofort Quentin angerufen, haben ein langes Gespräch mit ihm geführt und sind sehr zuversichtlich, dass, wenn Ted zu Ihnen zurückkommt, einige Ihrer Sorgen gelindert werden, wenn Quentin bei ihm ist. Ich werde heute Nachmittag wissen, ob das so sein wird oder nicht.

 

Quentin und ich diskutierten, ob wir ihn nach Hause schicken sollen oder nicht. Er stimmte zu, dass er, sofern er auf dem Schlachtfeld gefallen wäre, auf dem Boden Frankreichs ruhen sollte, wie sein Bruder Quentin. Da er jedoch im Bett starb, fühlten wir, dass er auf unseren eigenen amerikanischen Boden zurückkehren sollte, um dort bei seinen Vätern zu ruhen. Ich hoffe, Sie stimmen der Entscheidung zu. (Handschriftliches nicht übersetzt)

 

 

 

Ich schaute gerade aus der Tür, sah Quentin, Stevey und meine beiden Adjutanten, die gerade ihr Mittagessen beendet hatten, und zog hinaus in den Sonnenschein, der gerade erst eingetroffen ist. 

 

Ich sende eine Kopie dieses Briefes an Archie, den ich von früher kannte, und hoffe, dass es Ihnen nichts ausmacht. Ich muss wirklich zu meinem vordersten Regiment aufbrechen und kann nicht mehr schreiben, auch nicht an meine eigene Frau oder, wie Ted sagen würde, an "mein bestes Mädchen". Wir haben diesen Satz gemeinsam benützt, denn wir hatten viele, viele andere intime Gefühle, Gedanken und Ausdrücke gemeinsam.

 

Eines Tages werde ich Sie sehen, und wir werden stundenweise sitzen, während wir uns gegenseitig von unserem Ted erzählen. In der Zwischenzeit möchte ich, dass Sie wissen, dass seine Gedanken ständig bei Ihnen weilten und von Ihnen handelten, und ich muss Sie deshalb sehr gut kennen lernen, weil Ted und ich so enge und durchwegs verständnisvolle Beziehungen hatten.

 

Um 11.50 Uhr abends, am 12. Juni (recte Juli), sass ich hilflos da und sah, wie der furchtloseste Soldat und feinste Gentleman, den ich je kennengelernt habe, endete. Ich glaube, dass meine grösste Anerkennung für ihn nur darin bestehen kann, die Arbeit fortzusetzen, die er in seiner Ritterlichkeit und seinem Wesenskern geleistet hat. Ich weiss, dass Sie und die Seinen die gleiche Inspiration und Tapferkeit haben werden, und deshalb schreibe ich Ihnen kein Kondolenzschreiben, sondern nur den Versuch, in bescheidener und unangemessener Weise eine Liebe und Wertschätzung und den Verlust zu beschreiben, die wir beiderseitig teilen.

 

The show goes on. Er hätte es so gewollt, und wir werden es so handhaben.

 

Ich möchte schliessen und dieses Schreiben unterzeichnen.

In nachdenklicher  und tiefster Zuneigung

Ihr

Tubby Barton

Generalmajor, US-Armee

 

Dass Teds Ehefrau auch Eleanor hiess wie die berühmte Gattin des damals amtierenden Präsidenten Roosevelt, ist ein Spiel des Zufalls.

 

 

Journalisten, Historiker und Literaten stellen Barton dar

 


Das Time Magazine listete die Kommandanten der Invasion auf und stellte General Barton als 55-jährigen genialen West Pointer vor, der früher Professor für Militärwissenschaften in Georgetown gewesen sei und als erstklassiger Taktiker gewertet werde.


 

Dieses 2005/6 erschienene Buch zeigt Barton als Führungspersönlichkeit, die keine Mühe hat, den Konkurrenten zu achten, zu schätzen und zu loben. Der m.E. sorgfältig recherchierte Bericht von Balkoski bestätigt, dass Raymond O. Barton nicht so sehr der "Gloire militaire" zugetan war, wie andere Feldherren, sondern ein Berufsmann war, dem die professionelle Pflicht, seinen Leuten das Soldatenhandwerk - so langweilig, eintönig und dem reinen Drill gewidmet es die meiste Zeit ist - bis zur Perfektion beizubringen. Balkoski stellt einen Ausspruch des Generals an den Anfang der Schilderungen über diesen Mann:

Der Drill hat keinen Selbstzweck. Er soll die Wirkung des soldatischen Einsatzes gewährleisten, dem Soldaten das Überleben wahrscheinlicher machen und damit die Verluste geringer halten:

 

 

Angesichts des harten und langwierigen Trainingsregimes, das GIs in einer Infanteriedivision ertragen mussten, war es höchst unwahrscheinlich, dass sie ihren kommandierenden General verehren würden. Dies galt insbesondere für Barton, der von einem Oberst der 4. Division als "ein sehr strenger "Disziplinar", der seine Division mit eiserner Faust befehligte," beschrieben wurde. Barton erlangte zumindest Respekt. Während der Übungen war er so häufig in der Nähe der Kämpfer, dass es den Truppen leicht fiel, sein verwittertes Gesicht mit dem abgeschnittenen Schnurrbart und den buschigen Augenbrauen zu erkennen. Kurz nachdem er 1942 das Kommando über die 4. Infanterie übernommen hatte, bemerkte ein Mitglied der 22. Infanterieregiments: "Sein Verhalten war fest und streng, aber nicht sauer oder steif. Die Basis ist stark beeindruckt von der Fähigkeit und der energischen Führung, die er in der kurzen Zeit seit seiner Übernahme der Leitung dieser Division bewiesen hat.

 

Generalmajor Raymond O. Barton.

 

Kommandant 4. Infanteriedivision, Rede vor dem 22. Infanterieregiment, 3. Juli 1942: Ich bin Euer Leader. Ich will wissen, was Ihr meint. In nicht allzu ferner Zukunft werden wir uns im Kampf befinden. Wenn Kugeln anfangen zu fliegen, frieren Eure Gedanken ein und Ihr werdet nur noch entsprechend der Gewohnheit zu handeln vermögen. Damit Ihr die richtigen Gewohnheiten entwickelt, muss die Trainingsdisziplin streng sein. Ich weiss, dass 90 Prozent von Euch kooperieren wollen. Ich kümmere mich um die restlichen 10 Prozent.

 

Es waren nicht Kommiss-Sprüche, sondern persönliche Überzeugung.

 

 

Nach vier Jahren Training, einem scheinbar endlosen Kreislauf aus Märschen, Feldübungen und Drill, konnten die Männer der 4. Division endlich erklären, dass sie nicht mehr "grün" seien. Die Ivy Division hatte in der Anfangsphase der Befreiung Westeuropas eine wichtige Rolle gespielt, und ihre Leistung war so gut, wie man es sich nur vorstellen konnte. Im Gegensatz dazu waren die zweitklassigen Küstenverteidiger des Gegners am D-Day offensichtlich überrascht worden, und die 4. Division hatte sie weitaus leichter überwunden, als General Barton erwartet hatte. Glücklicherweise war die Division bisher von der Katastrophe der 1. und 29. Divisionen an der Omaha Beach verschont geblieben. Aber wie lange das Glück noch halten würde, war ungewiss.

 

 

Einstieg und Chancen nutzen

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Man würde annehmen, dass ein Generalmajor, der 20.000 Soldaten befehligt, die gerade in die Normandie geworfen worden waren, während der wichtigsten Militäroperation des Zweiten Weltkriegs, ein Mann unter fast unvorstellbarem Stress wäre. Aber in Wahrheit war jeder Soldat der 4. Infanteriedivision so vertraut mit den Aufgaben, die von ihm am D-Day abverlangt wurden, dass praktisch keine Führung von dem Mann verlangt wurde, der den abgehobenen Job des Divisionskommandanten innehatte. Generalmajor Raymond Barton. Wenn die Invasion reibungslos verlief, wie Barton spürte, als er um 9:05 Uhr morgens zum ersten Mal einen Fuss auf den Strand von Utah setzte, gab es für ihn wenig zu tun. Solange die 4. Division ihren Schwung beibehielt und ihre D-Day-Mission bis zur Abenddämmerung erfüllte, würde er sich in der Rolle eines "exaltierten Zuschauers" gefallen.

 

 

Dennoch machte die überragende Bedeutung des Tages Barton klar, dass er sich seinen Männer zeigen muss, egal was passiert. Selbst wenn er sich mit der Rolle eines einfachen Verkehrspolizisten begnügt hätte, ein Job, den er tatsächlich an diesem Nachmittag für einen längeren Zeitraum ausgeübt hatte, wäre der Effekt auf die GIs belebend gewesen. Als er sich dem Strand näherte, hörte Barton in der Ferne das Geleier der Handfeuerwaffen und die Explosionen grosskalibrige Granaten, und er nahm zunächst an, dass die Kakophonie von seiner eigenen Division stamme. Aber als eine Ladung am Strand in der Nähe explodierte, erkannte er sofort, dass der Feind noch aktiv war und der Kampf vor ihm nicht einfach sein würde. Wie seine Männer war auch Barton neu im Kampf und es wird einige Zeit dauern, sich an einen echten Krieg zu gewöhnen.

 

 

Generalmajor Raymond Barton.

 

Kommandant, 4. Infanteriedivision

 

Ich, Oberleutnant Bill York (Bartons Adjutant) und (S/Sgt) James Richards (Bartons Fahrer) landeten trockenen Fusses mit unserem "Snowbuggy" (ein M-29 Weasel Kettenfahrzeug), transportiert von einem LCT. . . . Das feindliche Artilleriefeuer an meinem Strandabschnitt hatte sich inzwischen verdichtet. Ich hatte gelernt, das eintreffende Feuer zu erkennen. Ich hatte weder Kontakt noch Kommunikation mit irgendjemandem ausser den Anwesenden, und ich  wunderte und fragte mich, wo der temporäre Befehlsposten war, den einzurichten ich Brig General [Henry] Barber[stellvertretender Kommandeur der 4. Division] vorausgeschickt hatte....... Ich hatte am Anfang nicht mehr Einfluss auf die Schlacht als jeder Zugführer, [und] ich fühlte mich mehr oder weniger wie ein "2nd louie" [Leutnant]. Glücklicherweise verlief die Operation an der Utah Beach gut und wie geplant, und es waren keine echten Entscheidungen des Kommandanten erforderlich. Mein wirklicher Beitrag bestand lediglich darin, dass ich nur dafür da war, meinen Stab einzusammeln.

 

"My real contribution was just being there

for my staff to rally on."

 

Bescheidener gehts nicht! Keiner der berühmt gewordenen Feldherren hat sich durch Bescheidenheit ausgezeichnet. Barton war nicht aus ihrem Holz gemacht.


 

 

Das Buch ist im Internet unter zwei Adressen zugänglich:

The Ohio State University

United States Army in World War II

 

Beschrieben werden Kriegsvorgänge, die ähnlich heftig, grausam und langwierig waren wie jene des Ausbruches aus dem alliierten Landungsbrückenkopf in der Normandie. Die Lage der Kämpfenden wurde beidseits der Front aber noch weit verschlimmert durch die fürchterlichen meteorologischen Bedingungen. Es ging um das Eindringen in das angestammte Gebiet des Deutschen Reiches. Der Widerstand war dementsprechend. Mit der Befreiung der Stadt Paris hat das nichts mehr zu tun. Ich gehe nicht auf den komplizierten Verlauf des Kriegsgeschehens ein, das äusserst dynamisch war, aber auf verhältnismässig kleinem Raum. Die Front verschob sich hin und her und nur in geringer Tiefe. Ich begnüge mich mit dem Hinweis auf die nachfolgende - statische - Karte.

 

 

Die Auszüge auf dem Buch Hugh M. Coles geben keinen zusammenhängenden Operationsverlauf wieder. Ich greife Textstellen heraus, um aufzuzeigen, dass die Vierte eine wichtige Funktion in der alliierten Front hatte und dass sie diese voll und ganz unter Erbringung eines unbeschreiblich schlimmen Blutzolls erfüllte. Im Rahmen dieses Kapitels geht es aber um den Nachweis, dass General Raymond O. Barton kein "Sonntagskrieger" war, dem die schöne Stadt Paris in den Schoss fiel wie eine reife Frucht.

 

Barton war ein sorgfältiger Planer. Er bereitete Operationen minutiös vor. Er führte mit Befehlen, aber auch durch seine Vorbildwirkung. Er war nahe der Front und bei der Truppe. Sie kannte ihn und seine Unterführer wussten, was er wollte und verlangte. Er war kein blinder Draufgänger. Die Umsicht in der Aufklärung der Lage war die Basis für die richtige Wahl der Massnahme. Dann allerdings ging er energisch vor und verlangte von seinen Männern einen ebensolchen Durchsetzungswillen. Er führte in der Bewegung, auch wenn die Alliierten in einen ungewollten Stellungskrieg geraten waren. Und er traf die Dispositionen aus dem Verlauf des Kampfgeschehens heraus dynamisch. Er war - ich wiederhole mich wohl - ein solider Handwerker der Kriegskunst und gab sich daher keine Blösse. Er zeigte keine Schwächen. Es wurde ihm nichts angelastet. Was nur irgendwie möglich war, das unternahm er. Er schonte seine Truppe nicht und seine eigenen Kräfte schon gar nicht. Diese verliessen ihn seinem Alter entsprechend nach monatelangem bedingungslosem Einsatz.

 

IV. Kapitel, S. 55

Preparations

The 28th Infantry Division (Maj. Gen. Norman D. Cota) and the 4th Infantry Division (Maj. Gen. Raymond O. Barton) had distinguished themselves in the bloody battles of the Hürtgen Forest. The veterans of this fight were well equipped to train and hearten the replacements for some 9,000 battle casualties the two divisions had sustained.

 

Vorbereitungen

Die 28. Infanteriedivision (Generalmajor Norman D. Cota) und die 4. Infanteriedivision (Generalmajor Raymond O. Barton) hatten sich in den blutigen Schlachten des Hürtgenwaldes ausgezeichnet. Die Überlebenden dieses Kampfes waren gut gerüstet, um den Ersatz für etwa 9.000 Gefechtsopfer, die die beiden Divisionen erlitten hatten, zu trainieren und zu ermutigen.

(Angelsächsischer Zynismus)

 

X. Kapitel

The German Southern Shoulder Is Jammed

 S. 238

 In the first week of December the 4th Infantry Division (Maj. Gen. Raymond 0. Barton) left the VII Corps after a month of bloody operations in the Hürtgen Forest. Having lost over 5,000 battle casualties and 2,500 nonbattle casualties from trench foot and exposure, the division now had to be rebuilt to something approaching its former combat effectiveness.

 

Die deutsche Südflanke ist verstopft.

In der ersten Dezemberwoche verliess die 4. Infanteriedivision (Generalmajor Raymond 0. Barton) nach einem Monat blutiger Einsätze im Hürtgenwald das VII. Korps. Nachdem die Division mehr als 5.000 direkte Gefechtsopfer und 2.500 Opfer durch Gas-, Wundbrand (Erfrierungen!) und Unbilden der Witterung verloren hatte, musste sie nun zu etwas umgebaut werden, das sich ihrer früheren Kampfkraft annäherte.

 

S. 239

 General Barton made careful disposition of his understrength and weary division, even ordering the divisional rest camps, originally back as far as Arlon, to be moved to sites forward of the regimental command posts. Since any static linear defense was out of the question because of the length of the front and the meandering course of the two rivers, Barton instructed his regimental commanders to maintain only small forces at the river outpost line, holding the main strength, generally separate companies, in the villages nearby.

 

The plans to utilize these positions were briefed by General Barton to his commanders on the 13th. Barton was apprehensive that the enemy would attempt a raid in force to seize Luxembourg City, and in the battle beginning on the 16th he would view Luxembourg City as the main German objective.

 

General Barton hat seine nicht mehr gefechtsstarke und übermüdete Division umsichtig aufgestellt, und auch angeordnet, dass die Rastlager der Division, die ursprünglich bis nach Arlon zurückreichten, an Orte vor den Regimentskommandos verlegt werden sollten. Da eine statische lineare Verteidigung wegen der Länge der Front und des mäandrierenden Verlaufs der beiden Flüsse nicht in Frage kam, wies Barton seine Regimentskommandanten an, nur kleine Streitkräfte an der Aussenpostenlinie des Flusses zu unterhalten, wobei er die Hauptmacht, in der Regel separate Kompanien, in den umliegenden Dörfern hielt.

 

Die Pläne, diese Positionen zu nutzen, wurden von General Barton am 13. Dezember an seine Kommandeure weitergeleitet. Barton befürchtete, dass der Feind einen Überfall auf die Stadt Luxemburg versuchen würde, um sie zu erobern, und in der Schlacht, die am 16. Januar begann, wurde denn auch Luxemburg als das wichtigste deutsche Ziel betrachtet.

 

S. 241

General Barton had warned his regiments at 0929 to be on the alert because of activity reported to the north in the 28th Division area, intelligence confirmed by a phone call from General Middleton.

 

General Barton hatte seine Regimenter um 09.29 Uhr alarmiert, wachsam zu sein bezüglich der Aktivitäten, die sich im Norden im Bereich der 28. Division abspielten, worüber der Nachrichtendienst berichtete und was durch einen Telefonanruf von General Middleton bestätigt wurde.

 

 

 

 

 

 

 

Generalmajor Troy H. Middleton

während der deutschen Ardennenoffensive im Dezember 1944

 

S. 243

 At noon the picture of battle had sharper definition; so General Barton authorized the 12th Infantry to commit the 1st Battalion (Lt. Col. Oma R. Bates), the regimental reserve. At the same time he gave Colonel Chance eight medium tanks and ten light tanks, leaving the 70th Tank Battalion (Lt. Col. Henry E. Davidson, Jr.) with only three mediums and a platoon of light tanks in running order. Small tank-infantry teams quickly formed and went forward to relieve or reinforce the hard-pressed companies.

 

Later Barton phoned the corps commander to ask for reinforcements. Middleton had nothing to offer but the 159th Engineer (Combat) Battalion, which was working on the roads. He told Barton that if he could find the engineers he could use them.

 

S. 243

 Am Mittag hatte das Bild der Schlacht schärfere Konturen; daher autorisierte General Barton das 12. Infanterieregiment, das erste Bataillon (Lt. Col. Oma R. Bates) als Regimentsreserve zu verwenden. Gleichzeitig gab er Colonel Chance acht mittlere Panzer und zehn leichte Panzer, so dass das 70. Panzerbataillon (Oberstleutnant Henry E. Davidson, Jr.) mit nur drei mittelschweren Tanks und einem Zug leichter Panzer in marschbereitem Zustand zurückblieb. Schnell bildeten sich kleine Panzergrenadierteams, um die unter Druck stehenden Kompanien zu entlasten oder zu verstärken.

 

Später rief Barton den Kommandeur des Korps an und bat um Verstärkung. Middleton hatte nichts zu bieten, ausser dem 159. Engineer (Combat) Battalion, das an den Strassen arbeitete. Er sagte Barton, wenn er die Genisten finden könne, dürfe er sie in Anspruch nehmen.

 

S. 244

 In the face of the German build-up opposite the 12th Infantry and the apparent absence of enemy activity elsewhere on the division front, General Barton began the process of regrouping to meet the attack.

 

Most important, just before midnight the corps commander telephoned General Barton that a part of the 10th Armored Division would leave Thionville, in the Third Army area, at daybreak on 17 December. The prospect must have brightened considerably at the 4th Division headquarters when the promise of this reinforcement arrived. The 4th Division would not be left to fight it out alone.

 

S. 244

Angesichts der deutschen Massierungen gegenüber dem 12. Infanterieregiment und der offensichtlichen Abwesenheit feindlicher Aktivitäten an anderer Stelle der Divisionsfront begann General Barton mit der Umgruppierung, um dem Angriff zu begegnen.

 

Am wichtigsten ist, dass der Kommandant des Korps kurz vor Mitternacht General Barton anrief, ein Teil der 10. Panzerdivision werde Thionville, im Gebiet der Dritten Armee, bei Tagesanbruch am 17. Dezember verlassen. Im Hauptquartier der 4. Division muss sich die Perspektive deutlich aufgehellt haben, als das Versprechen dieser Verstärkung sich erfüllte. Die 4. Division würde nicht alleine kämpfen müssen.

 

 

S. 245

About three hours before dawn, General Barton, concerned over his left flank, dispatched the 4th Engineer Combat Battalion and 4th Cavalry Reconnaissance Troop to Breitweiler, a small village overlooking the wishbone terminus of the Schwarz Erntz gorge and the ganglia ravine roads which branched thence into the 12th Infantry flank and rear.

 

S. 245

Ungefähr drei Stunden vor Tagesanbruch schickte General Barton, besorgt über die Lage seiner linken Flanke, das 4. Genie-Kampfbataillon und den 4. Kavallerie-Aufklärungstrupp nach Breidweiler, einem kleinen Dorf mit Blick auf das Gabelende der Schwarz-Ernz-Schlucht- und der  Gangliaschlucht-Strassen, die von dort aus in die Flanke des 12. Infanterieregiments und dessen Rücken verzweigen. 

 

 

 

S. 248

General Barton's headquarters saw the situation on the evening of 17 December as follows. 

 

S. 250

Five tanks and two companies of the 159th Engineer Combat Battalion, which Barton had located on the road job as promised by Middleton, then launched a surprise attack against the Germans on Hill 313, overlooking the road to Lauterborn.

 

S. 251

The tank commander offered to cover the withdrawal of Company E from the city, but Capt. Paul H. Dupuis, the senior officer in Echternach, refused on the ground that General Barton's "no retrograde movement" order of 16 December was still in effect.

 

While CCA, 10th Armored, gave weight to the 4th Division counterattack, General Barton tried to strengthen the 12th Infantry right flank in the Osweiler-Dickweiler sector.

 

S. 248

Das Hauptquartier von General Barton sah die Situation am Abend des 17. Dezember wie folgt..... 

 

S. 250

Fünf Panzer und zwei Kompanien des 159. Engineer Combat Battalion, die Barton, wie von Middleton versprochen, auf der Strasse behändigt hatte, starteten dann einen Überraschungsangriff gegen die Deutschen auf dem Hügel 313 mit Blick auf die Straße nach Lauterborn.

 

S. 251

Der Panzerkommandant bot an, den Rückzug der Kompanie E aus der Stadt zu decken, aber Capt. Paul H. Dupuis, der leitende Offizier in Echternach, lehnte mit der Begründung ab, dass General Barton's "no retrograde movement"-Befehl vom 16. Dezember immer noch in Kraft sei.

 

Während Combat Command A der10. Panzerdivision dem Gegenangriff der 4. Division Gewicht verlieh, versuchte General Barton, die 12. rechte Flanke der Infanterie im Sektor Osweiler-Dickweiler zu stärken.

 

 

S. 255

Task Force Chamberlain had been placed in reserve the previous day, but it was not immediately feasible to withdraw the two task forces that were still engaged alongside the 4th Division for it would take General Barton's division a few hours to reorganize on a new line and plug the gaps left by the outgoing armored units.

 

S. 257

At Bech, behind the American center, General Barton now had the 3d Battalion, 22d Infantry, in reserve, having further stripped the 4th Division right.

 

S. 258

Barton's troops and Morris' tanks had brought the 212th and the 276th Volks Grenadier Division to a halt, had then withdrawn most of their advance detachments successfully, and now held a stronger position on a shortened line. The southern shoulder of the German counteroffensive had jammed.

 

General Barton, it may be added, had refused absolutely to permit the artillery to move rearward.

 

 S. 255

DieTask Force Chamberlain war am Vortag in Reserve gestellt worden, aber es war nicht sofort möglich, die beiden Task Forces, die noch neben der 4. Division eingesetzt waren, zurückzuziehen, da es einige Stunden dauern würde, bis General Bartons Division auf einer neuen Linie reorganisiert und die Lücken, die von den abgehenden gepanzerten Einheiten hinterlassen wurden, geschlossen werden konnten.

 

S. 257

Bei Bech, hinter dem amerikanischen Zentrum, hatte General Barton nun das 3. Bataillon des 22. Infanterieregiments in Reserve, nachdem er die 4. Division rechtsseitig weiter abgezogen hatte.

 

S. 258

Die Truppen von Barton und die Panzer von Morris hatten die 212. und die 276. Volks-Grenadier-Division zum Stillstand gebracht, die meisten ihrer Vorauskommandos erfolgreich zurückgezogen und eine stärkere Position auf einer verkürzten Linie eingenommen. Die südliche Schulter der deutschen Gegenoffensive war eingeklemmt.

 

General Barton, so muss man hinzufügen, hatte sich absolut geweigert, der Artillerie zu erlauben, sich nach hinten zu bewegen.

 

XX. Kapitel

The XII Corps Attacks the Southern Shoulder

 

S. 485

This six-day battle had given adequate proof of General Barton's dictum, "The best way to handle these Heinies is to fight 'em."

 

XX. Kapitel

Das XII. Korps greift die südliche Flanke an.

 

S. 485

 

Diese sechstägige Schlacht hatte die Richtigkeit General Bartons Diktum hinreichend bewiesen: "Der beste Weg, mit diesen Heinies umzugehen, ist, sie zu bekämpfen."

 

Exkurs

Diese Herabminderung des Gegners hat ihre Ursache nicht allein in den lang andauernden, erbitterten und verlustreichen Kämpfen, sondern in der Tatsache, dass Oberstleutnant George Mabry, der Kommandeur des 2. Bataillons des 8. Infanterie-Regiments, den Befehl Hitlers fand, keine Gefangene zu machen. Das Papier trug ein Oberst der deutschen 7. Armee bei der Gefangennahme auf sich.

Quelle: Aussage Bartons vom 17.11.1959 gegenüber Hugh M. Cole,

Fussnote 4, Seite 262

 

 

S. 491

Although the 12th Infantry line had hardened and now held near Scheidgen, General Barton expected that the enemy would try another punch down the road.

 

S. 492

General Barton, therefore, planned to meet the German threat by sending the 10th Infantry into attack astride the road from Michelshof to Echternach, the two attack battalions jumping off at noon from the crossroad Scheidgen-Michelshof.

 

S. 493

Given time to assemble, the fresh 5th Division could take over from Barton's battle-weary 4th.

 

The main effort was delegated to the 5th Infantry Division and the 10th Armored Division, the latter having extracted much of its strength from the line on the left of the 4th Division to form a counterattack reserve. The 4th Infantry Division was to hold in place as

[S. 494]

the 5th passed through, supporting the 5th's attack by fire wherever possible. Finally, the 2d Cavalry Group (reinforced), which was just moving into the new XII Corps area from the old, would take over the extended Moselle flank on the right of the corps. This had been a constant concern to General Barton during the 4th Division battles and had absorbed battalions of the 22d Infantry badly needed on the fighting line.

 

S. 507

The relative immobility of the two German divisions, whose flexibility in attack and defense depended almost entirely on the leg power of tired infantry, gave both General Barton and General Irwin a considerable advantage in timing, whether it was in moving troops to counter a thrust or in exploiting weaknesses in the enemy line.

 

S. 508

  The corps front was duly re-formed, the 5th Division edging to the left to join the 80th and the 4th Infantry Division (now commanded by Brig. Gen. Harold W. Blakeley because General Barton had been evacuated by reason of illness) taking over a wider sector on the right.

 

 

S. 491

Obwohl sich die Front des 12. Infanterieregiments verhärtet hatte und nun in der Nähe von Scheidgen gehalten werden konnte, erwartete General Barton, dass der Feind einen weiteren Schlag auf der Straße versuchen würde.

 

S. 492

Daher plante General Barton, der deutschen Bedrohung durch Entsendung des 10. Infanterieregiments in die Attacke zu begegnen, und zwar auf der Strasse von Michelshof nach Echternach. Die beiden Angriffsbataillone würden mittags an der Kreuzung Scheidgen-Michelshof abspringen.

 

S. 493

Zur vorbestimmten Zeit sollte die neue 5. Division Bartons kampfmüde Vierte ablösen.

 

Die Hauptlast war der 5. Infanteriedivision und der 10. Panzerdivision überbunden, wobei letztere einen grossen Teil ihrer Kräfte auf der Linie links der 4. Infanteriedivision als Gegenattacken-Reserve aufstellen sollte. Die Vierte hatte die Stellung zu halten,

[S. 494]

bis die 5. die Positionen übernahm. Ausserdem hatte sie den Angriff der 5. durch Feuer zu unterstützen, wo immer es möglich sein sollte. Schliesslich sollte die 2. Kavalleriegruppe (verstärkt), die gerade vom alten in das neue Gebiet des XII. Korps gewechselt hatte, die erweiterte Moselflanke rechts vom Korps übernehmen. Dies war General Barton während der Schlachten der 4. Division ein ständiges Anliegen gewesen und hatte die Bataillone der 22. Infanterieregiments absorbiert, die auf der Kampflinie dringend benötigt worden wären.

 

S. 507

Die relative Unbeweglichkeit der beiden deutschen Divisionen, deren Flexibilität in Angriff und Verteidigung fast ausschliesslich von der Kraft der Beine der müden Infanterie abhing, verschaffte sowohl General Barton als auch General Irwin einen erheblichen Zeitvorteil, sowohl bei der Truppenbewegung, um einem Vorstoss entgegenzuwirken, als auch bei der Ausnutzung von Schwächen in der feindlichen Linie.

 

S. 508

Die Front des Korps wurde ordnungsgemäss umgebildet, die 5. Division schob sich nach links, um sich der 80. und der 4. Infanteriedivision anzuschliessen (jetzt unter dem Kommando von Brig. General Harold W. Blakeley, weil General Barton wegen Krankheit evakuiert worden war) und einen breiteren Sektor auf der rechten Seite zu übernehmen.

 

 

Hemingway und Barton

 

Hemingway berichtet von einer amüsanten, für ihn sehr nutzbringenden Verwechslung Bartons mit Patton:

 

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Das nächste Mal, als ich den Oberst sah, war in Villedieu-les-Poêles. Ich hatte mehrere Flaschen Champagner, die mir an einem Ort namens Percy von einem Gastwirt und Bistrobesitzer geschenkt worden waren, der die falsche Vorstellung hatte, ich sei der persönliche Vorab-Vertreter von General Patton. Er hatte mich gefragt, wer mein General sei, und ich sagte General Raymond O. Barton. "Ah General Patton", sagte er. "Wie wir ihn bewundern und verehren. Vite allez chercher du champagne, du bon, pour envoyer comme cadeau a General Patton". Also, als ich in  Villedieu-les-Poêles ankam, nicht ohne Zwischenfall, traf ich auf Buck und überreichte ihm sofort eine Flasche aus dem Seitenwagen des Kraut-Motorrads, das wir als Transportmittel benutzten. Buck war müde, grau, leicht bärtig, totäugig, müde, aber sehr fröhlich und heiter.

 

 Es ist der Auszug aus dem Brief an eine Journalistin, die über den Kommandanten des 22. Infanterie-Regiments, Oberst Lanham, selbst ein Schriftsteller und Poet, schreiben wollte. Das heitere Gespräch mit der Verwechslung Patton/Barton fand in Villedieu-les-Poêlles statt, hart an der Grenze zum Calvados, auf halbem Weg zwischen St-Lô und Avranches. - Hemingway als Schlachtenbummler erinnert an einen grossen Vorläufer: Goethe (Kampagne in Frankreich) u.a. in der Schlacht von Valmy am 20. September 1792, worüber ich im ersten Band (S. 187) der Lebensgeschichte des französischen Revolutions-Generals Hoche geschrieben habe.

 

Hemingway beschreibt General Barton Ende Juli/Anfang August 1944 in einem Brief (S. 559) an Mary Welsh, seine spätere Ehefrau:

 

"The general is an educated, talented and charming man and a fine solider."

 

Am 4. November 1944 publizierte er über Barton unter dem Titel "The G.I. and the General" in Collier's einen Artikel. Er beschreibt den Divisionär in seinem Pflichtgefühl, seinem Bewusstsein, dass die G.I.s mehr leiden als der Divisionskommandant, und in der Selbstdisziplin, ein General dürfe nie müde und schon gar nie krank sein. Raymond O. Barton ging über seine Kräfte hinaus. - Ich versuche hier, so gut es geht, die Kurzgeschichte Hemingways wiederzugeben:

 

 

Collier's The National Weekly 4. November 1944

Ein alter Franzose mit schwarzem Hut, einem gestärkten Hemd und einem staubigen schwarzen Anzug, mit einem Strauss Blumen in der Hand, grüsste jeden Tank förmlich.

 

Es gab müde Panzermänner und deutsche Maschinengewehre und einen Kerl, der einmal mit einer guten Band sang - und es gab einen Mann, der wusste, dass "es niemals müde Generäle geben sollte".


Nachfolgend in der linken Spalte in der Mitte "At Division someone said..." beschreibt Hemingway General Barton.

Man kann versuchen, die Geschichte aus dem Internet herauszuholen. Hier anklicken, bei "PDF Size" die gewünschte Grösse auswählen, mit "Next article" bis zur Seite 46/47 blättern.

 

 

und er hat seine Probleme. Aber lassen Sie mich Ihnen etwas erläutern. Das ist die erste Stadt, in der ich je war. In der Infanterie nehmen wir sie mit, und öfter umgehen wir sie, und dann, wenn wir zurückkommen, sind sie tabu und voller Militärpolizisten. Bis jetzt gibt es in dieser Stadt keinen MP ausser dem Verkehrspolizisten an der Ecke. In Wahrheit ist es nicht richtig, dass wir nie in eine Stadt gehen können."

 

"Später...", begann ich zu reden. Der Soldat, der mit vielen guten Bands gesungen hatte, unterbrach mich:

 

"Eine 'Später' wird es keines mehr geben", sagte er. "Dieser Sklaventreiber wird jeden von uns töten. Er tut es nur, um berühmt zu sein und weil er nicht weiss, dass Menschen Menschen sind."

 

"Er hat nicht mehr darüber zu bestimmen, ob wir in der Frontlinie stehen als ich", sagte Kimbrough. "Sie wissen nicht, was ein Divisiosgeneral tut, oder dass er seine Befehle bekommt, wie Sie oder ich."

 

"In Ordnung. Dann bringst du uns aus der Linie. Wenn du das alles weisst, dann bringst du uns aus der Front. Ich will nach Hause. Wenn ich zu Hause wäre, wäre das vielleicht nie passiert. Vielleicht wäre meine Frau mir nie untreu gewesen, niemals. Jedenfalls ist mir jetzt alles egal. Ich kümmere mich überhaupt nicht um irgendetwas."

 

"Warum hältst du dann nicht die Klappe?", fragte Kimbrough.

 

"Ich werde die Klappe halten," sagte der Sänger der Band.

"Ich werde die Klappe halten, ** (sagte der Sänger der Band. "Und ich werde nicht sagen, was ich von dem General halte, der mich jeden Tag umbringt."

 

In dieser Nacht kamen wir zu spät zum vorgeschobenen Hauptquartier der Division zurück.

 

Nachdem wir die G.I.s im Café in der neu eroberten Stadt verlassen hatten, folgten wir dem befestigten Hügel bis zu dem Punkt, an dem der Weg von Minen, einer Straßensperre und einem Panzerabwehrfeuer blockiert worden war.

 

In der Divisions-Zentrale sagte jemand: "Der General will Sie sehen."

 

"Ich will mich waschen gehen."

 

"Nein. Geh rüber. Er macht sich Sorgen um dich."

 

Ich fand ihn im Wohnwagen, ausgestreckt in einem alten grauen Wollanzug. Sein Gesicht, das noch gut aussah, als er ausgeruht war, war grau und gezeichnet und endlos müde. Nur seine Augen waren lebendig und seine freundliche, warme Stimme sagte: "Ich habe mir Sorgen um Sie gemacht. Warum sind Sie so spät dran?"

 

"Wir trafen auf eine Bewehrung und ich kam den langen Weg zurück."

 

"Wo lang?"

 

Ich habe es ihm gesagt.

 

"Erzählen Sie mir, was Sie heute gesehen haben, mit dem Dies und dem Das" (unter Nennung der Namen der betreffenden Infanterieeinheiten).

 

Ich habe es ihm gesagt.

 

Die Leute sind sehr müde, Ernie", sagte er. Sie sollten sich ausruhen. Selbst eine einzige gute Nachtruhe würde helfen. Wenn sie vier Tage Zeit hätten. . . Nur vier Tage. Aber es ist die alte Leier." "Sie sind selbst müde," sagte ich. "Schlafen Sie ein wenig. Lassen Sie mich nicht Sie wach halten."

 

"Es sollte niemals müde Generäle geben", sagte er. "Und vor allem sollte es nie kranke Generäle geben. Ich bin nicht so müde wie sie es sind."

 

Gerade dann klingelte das Telefon und er hob ab und antwortete mit dem Codenamen für das G.O.C. (General Officer Commanding) der Division.

 

"Ja," sagte er. "Ja. Wie geht es Ihnen, Jim?

 

. . . Nein. Ich lasse sie für die Nacht schlafen. Ich möchte, dass sie etwas schlafen.... Nein. Ich greife morgens an, aber ich stürme nicht an. Ich werde eine Umgehung machen. Ich halte nichts davon, Städte anzugreifen, wissen Sie. Das sollten Sie inzwischen wissen... Nein. Ich komme da unten rein... Ja. Das ist richtig."

 

Er schlüpfte aus dem bezogenen Stufenbett und ging hinüber zur riesigen Wandkarte; er hielt immer noch das Telefon in der Hand und ich beobachtete seinen kompakten, bauchlosen Körper in der grauen Wollunterwäsche und erinnerte mich daran, was für ein spil-and-polish (pickfeiner) General das war, bevor die Division im Kampfgeschehen war.

 

Er sprach weiter ins Telefon: "Jim? . . . Ja. Das einzige Problem, das Sie noch vor sich haben, ist das kleeblattförmige. Das müssen Sie umgehen. Jetzt wissen Sie, dass man über etwas geredet hat. . . Ja. Ich verstehe. Wenn das passiert, und wenn Sie mit mir zusammen sind, können Sie meine ganze Artillerie haben, wenn Sie sie brauchen. . . Ja. Absolut.... Das ist ganz richtig. . . Nein. Natürlich. Ich meine es ernst. Ich würde es nicht anders sagen... Das ist richtig...Gute... Gute Nacht."

 

Das Versprechen von etwas Ruhe

 

Er hatte aufgelegt. Sein Gesicht war von der Müdigkeit grau glasiert. "Das war die Division zu unserer Linken. Sie haben sich sehr gut geschlagen, aber sie sind langsam durch den Wald gegangen. Wenn sie an uns vorbeikommen, sollten wir vier Tage Ruhe haben. Die Infanterie braucht es sehr dringend. Ich bin sehr froh, dass sie es haben werden."

 

"Sie solltesn jetzt etwas schlafen", sagte ich.

 

"Ich muss jetzt zur Arbeit. Halten Sie sich von diesen einsamen Strassen fern und passen Sie auf sich auf."

 

"Gute Nacht, Sir," sagte ich. "Ich komme früh am Morgen vorbei."

 

Alle dachten, dass die Division für vier Tage herausgezogen ausgezogen würde, und am nächsten Tag gab es viel Gerede über Duschen, Clubmobile, schöne Rotkreuz-Mädchen, darunter Whitney Bourne, die in den Filmen in einem Bild mit dem Titel Crime Without Passion gespielt hatte, und wir waren alle tief bewegt von diesen Aussichten und ignorierten das Jahr, in dem das Bild gemacht worden war. Aber es ist nicht so gekommen. Stattdessen gab es einen grossen deutschen Gegenangriff, und während ich dies schreibe, ist die Division immer noch an der Front.

 

Ende

 

 Exkurs: Hemingways Weihnachten 1944

 

Battle of the Bulge: Hitler's Ardennes Offensive, 1944-1945

von Danny S. Parker Seite 312 ff.

 

Anfangs Dezember hielt sich der 45 Jahre alte Hemingway im Ritz in Paris auf. Er wollte seine angeschlagene Gesundheit in Kuba kurieren lassen. Da er von den heftigen Angriffen der Deutschen (Schlacht der Ausbuchtung), die diese als Ardennenoffensive verstanden, hörte, beschaffte er sich einen Jeep und fuhr zu Barton in dessen Hauptquartier. Unter Fieberschüben und nach einem Besäufnis mit dem Messwein eines als verdächtigem Kollaborateur festgehaltenen Priesters feierte er am 22. Dezember in einem Luxemburger Schulhaus Vorweihnachten:

 

 

Der Kommandoposten wurde im verlassenen Haus eines Priesters eingerichtet, der angeblich mit den "Krauts" zusammengearbeitet haben soll; Ernest durchstöberte den Hausrat und entdeckte mit großer Freude einen Vorrat an sakramentalen Weinen, den er mit großer Freude als "Schloss Hemingstein, 1944" bezeichnete. Nachdem er den Inhalt ausgesoffen hatte, benutzte er die Flaschen respektlos anstelle eines Nachttopfes.

 

Am 22. Dezember war Hemingway wieder auf Touren und begleitete Oberst Jim Luckett, um die Routen der Deutschen auf einem verschneiten Waldhang bei Breitweiler zu beobachten. In den nächsten beiden Tagen sammelte Hemingway Material, das von "Life" für die Schilderung der Schlacht verwendet wurde. Am Heiligabend nahm Ernest an einer Feiertagsparty teil, die General Barton in einem luxemburgischen Schulhaus veranstaltete. Truthahn, Kartoffelpüree und Preiselbeeren wurden mit Scotch, Gin und lokalem Brandy hinunter gespült. Die frühen Stunden des Weihnachtsmorgens verbrachten wir bei einer Champagnerparade mit dem 70. Panzerbataillon.

 

Das Weihnachtsfest selbst erlebte er im Schnee im Hauptquartier seines Freundes Lanham, des Kommandanten des 22. Inf. Regiments. Es war zugleich die verspätete Hochzeitsreise mit seiner Noch-Ehefrau Martha Gellhorn, die er auf dem offenen Jeep machohaft den Soldaten vorführte, bis sie zusammenbrach.

 

 

Barton und Hemingway blieben auch brieflich verbunden, als der General das Kommando der Vierten verlassen hatte.


 

Ich bekam einen langen Brief von Tubby Barton. Sein Schrei gegen "Life" betraf die Bildunterschrift Cherbourg-Bastogne unter dem 4. Patch in dieser Doppelseite mit Patches. Er wollte, dass es Utah Beach-Cherbourg- Normandy-Paris-Siegfriedline (5 Mal)-Schneeeifel-Hurtgen-Luxemburg heisst. Nachdem er lange Zeit Ungerechtigkeiten ausgeteilt hat, scheint er seltsamerweise überrascht zu sein, ein wenig davon zu empfangen. Ungerechtigkeit ist der normale Zustand des Lebens. Nicht jedermann kann lernen, mit Unrecht zu leben, weil er vermutlich denkt, dass er reinen Sauerstoff zum Atmen haben sollte. Die Hälfte der Zeit auch, wenn sie echte Gerechtigkeit bekämen, würden wir alle erschossen. Zu bevorzugen ist ein wenig Barmherzigkeit, dagegen sollte man sich nicht um Erinnerungen  kümmern und fröhlich bleiben.

 

Hemingway schrieb am 4. September 1945 an Mary Welsh, seine spätere Frau, in diesem Brief, der durch Anklicken des Datums S. 599 in extenso gelesen werden kann, von den lots of tactical problems, die Barton im Norden gehabt habe. Aus dem, was der Schriftsteller über den Brief Tubby Bartons - reichlich schnoddrig und wohl arg betrunken - schreibt, könnte man entnehmen, der General sei aus seinem Kommando gedrängt worden. - Auch am 27. November 1945 (S. 606) und am 9. Juni 1948 (S. 639) schrieb Hemingway dem "Dear Tubby". Beide Dokumente können über den Datums-Link aufgeschlagen werden.

 

Der erste Brief antwortet verspätet auf ein Schreiben Bartons, in welchem er sich - aus der Antwort zu schliessen - nicht besonders positiv über seinen persönlichen Zustand geäussert haben könnte. Ob sich die Klage auf den psychischen oder physischen Zustand oder die berufliche Situation bezogen hatte, ist nicht auszumachen. Barton wollte offenbar die Divisions-Veteranen Gesellschaft reaktivieren; er bat Hemingway um Mitarbeit, was ihm dieser zusagte.

 

Verkappter Hauptinhalt des Briefes war etwas anderes:

"Sie wissen, dass ich nichts sagte und tat um der Anerkennung willen. Ich hoffte nur, soweit wie möglich nützlich zu sein. Ich wusste es aber zu schätzen, dass Sie gut über meinen Einsatz sprachen. Was wird nun aus der Division werden? Was werden Sie mit sich selbst unternehmen? Ich hoffe, es wird nicht zu lange dauern, bis ich Sie wieder sehe. Tragen Sie Sorge zu sich selbst! Und bitte entschuldigen Sie diesen miesen Brief. Mein ganzes Blut geht in das verdammte Buch. Immer, wenn ich Ihnen, Tubby, einen guten Brief schreiben kann, ist das ein Zeichen, dass ich nicht arbeite."

Delirische Versäuberung eines neurotischen Alkoholikers.

 

Aus dem zweiten Schreiben kann man in Bezug auf die Person des Empfängers Barton entnehmen, dass der General nach der Entlassung aus dem aktiven Dienst gesundheitlich so wiederhergestellt war, dass er einer beruflichen Arbeit obliegen konnte, dass ihm diese gefiel und dass er ausserdem in Briefkontakt mit Bekannten aus der Zeit des Weltkriegs stand. - In einer ordinär-soldatesken Sprache, der sich ein langgedienter General vom Zuschnitt eines West Point-Absolventen niemals bedienen würde, wohl aber eine gewisse Sorte von Schlachtenbummlern, die damit zeigen will, dass sie dazu gehörte, erinnert der Nobelpreisträger den Divisionär an gemeinsame Kriegserlebnisse. Kratzt man diesen Ballast weg, so erscheinen in einiger Distanz zu dem Geschehen gemachte Aussagen, die die Persönlichkeit Bartons plastisch erscheinen lassen.

 

"Sie führten ohne Unterlass eine grosse Division. Sie führten diese von der Atlantikküste bis nach Deutschland, durch den Hürtgenwald und durch die Rundstedt-Linien. Tubby, ich bin Ihnen ewig dankbar, dass sie mir die Freiheit gegeben haben, nach Paris zu gehen. So bekam ich die Chance, ein Kommando inne zu haben, unerheblich, wie irregulär das war. So konnte ich etwas Nützliches tun und in der Stadt kämpfen, die ich in der ganzen Welt am meisten liebe. Ohne Ihre Unterstützung hätte ich nichts von dem tun können, was mich im Krieg glücklich machte. Und Sie unterstützten mich, wenn wir etwas herausfanden, das eigentlich nicht legal war und im Krieg nicht vorkommen sollte. Sie formten in mir mehr oder weniger eine Vorstellung, nach der ich einen zuverlässigen Charakter bekam oder jedenfalls zu einem Mann wurde, den man bei unserem Durchbruch im Juli 1944 überall und zu allem gebrauchen konnte. Ich versuchte von da an so weit nützlich zu sein, wie ich nur konnte, ohne Winkelzüge zu machen und ohne zu tratschen, bis ich mich in Luxemburg verabschiedete. - Ich habe nur zwei wirkliche Gaben: Ich kann furchtlos kämpfen und ich bin loyal. Wir alle - in unterschiedlichem Masse - waren nach dem Hürtgen-Wald zusammengeschlagen und man betrug sich unterschiedlich. Aber wie Sie sich gegenüber Jim Luckett in jener schrecklichen Nacht benommen haben, war das beispielhafteste Verhalten eines Kommandanten, das ich je gesehen habe." - Luckett war der Kommandant des 12. Regiments. Hemingway lässt sich dann auch noch gleich über den Kommandeur des 22. Infanterie-Regiments aus. Alles - offensichtlich - aus egoistischen, kleinlichen, pekuniären Interessen des Schriftstellers... "Ich wünschte, mit jedem Freund zu sein, als ich versuchte, in der Division zu leben. Aber heute realisiere ich voll und ganz, dass nur Sie mit ihrem spontan gewährten Vertrauen und ihrem Glauben in mich es waren, der es möglich machte, dass ich in jeder Hinsicht nützlich sein konnte, und für den Krieg alles hergab, was ich herzugeben im Stande war. Ich will bei Gott hoffen, dass ich tatsächlich nützlich war und nicht bloss ein verblendeter Störefried."

 

Ernest Hemingway zu General Barton:

 

“You had one of the greatest divisions

in American military history."

 

 

Als Überleitung zu Ernie Pyle hier noch eine Schilderung in einem Brief Hemingways (Seite 711) der unerschütterlichen Kaltblütigkeit Bartons:


 

Ich hoffe, dass alles gut mit Ihnen läuft. Nehmen Sie Kontakt mit Ken auf. Er war zu schwungvoll (vom Beweggrund her), um sich vielleicht an mich zu erinnern. Aber sagen Sie ihm, dass ich der Charakter war, der gegangen ist, um ihn zu holen, egal was er tun wollte, an einem merkwürdigen Tag im Juli, an dem Christus nicht über das Wasser gehen konnte. Er wollte auch nicht ins Regiment zurückkehren. Das 8. Infanterieregiment der Armee der Vereinigten Staaten. Gen Raymond O. Barton, der die 4. Inf Div der Armee der Vereinigten Staaten kommandierte, hatte mir gesagt, nicht befohlen, dass ich hinaufgehen und Ken finden und zurückbringen solle. Ein Panzer oder eine SP-Kanone feuerte einen letzten Panzer-brechenden Schuss ab und durchbohrte die Wand des Hauses, in dem sich der CP befand, und nahm das Bein eines Stabshauptmanns am Knie ab und fuhr weiter durch die Rückwand über die Köpfe von zwei Funkern hinweg, die auf Kojen lagen. Das Bein lag auf dem Boden und General Barton änderte nie seine Stimme am Telefon und ich ging, um Kontakt mit Ken aufzunehmen, wie er es verlangte. Das Bein des Captains wurde durch das Geschoss verbrannt und blutete kaum. Er sah es nur komisch an. Ernie Pyle, der große Held des letzten Krieges, war draussen und weinte, weil unsere Bomber einige unserer Männer getötet hatten. Er konnte trocken weinen und er konnte nass weinen. Ich erklärte ihm, den früheren Krieg hätten wir so nah nah an der Front zugebracht, dass mit Verlusten von 20 Prozent unserer Bestände zu rechnen war.Er sagte, ich sei herzlos. Ich sagte: "Geh rein und nage an dem Bein, das noch auf dem Boden liegen muss, du ignoranter sentimentaler Narr. Und rede nicht mit mir über Zeitungsquatsch, denn ich gehe zum zweiten Bataillon."

 

  

Ernie Pyle

 

 

Ernest Taylor "Ernie" Pyle war Kriegskorrespondent. Er erhielt 1944 den Pulitzer Prize. Barton soll den Adjutanten General Ted Roosevelts, den Leutnant Marcus O. Stevenson, gefragt haben, ob er einen Kriegskorrespondenten kenne; er habe ihm dann "Ernie" genannt, den er später mit "Ernie" Hemingway verwechselte. Pyle war 44 Jahre alt, musste wegen Kriegsneurose im September 1944 aus der Kampfzone in Europa evakuiert werden, ging dann in den pazifischen Krieg und starb dort am 18. April 1945. Er war Zeuge der Befreiung der Stadt Paris. Der entsprechende Artikel Pyles ist leider nicht zugänglich. General Weaver sagt aber im Nachruf der West Point-Veteranen, Ernie Pyle habe seine Wertschätzung für Tubby Barton so zum Ausdruck gebracht:

“a fatherly, kindly, thoughtful good soldier".

 

Auf der Suche nach Artikeln über Barton aus dem deutschen Sprachgebiet gelangte ich zu einem auf Deutsch übersetzten Aufsatz des Kriegsberichterstatters Ernie Pyle. Es geht um den Durchbruch in der Normandie. Ich zitiere zwei Stellen, die sich mit General Barton befassen; die eine gibt das wieder, was General Weaver im Nachruf zitiert hat:

 

"Die erste Nacht hinter der Frontlinie schlief ich noch einigermaßen komfortabel auf einem Feldbett in einem Zelt der Kommandozentrale und traf dort auch den Generalmajor Raymond O. Barton, einen väterlichen, freundlichen und bedächtigen Soldaten. Die nächste Nacht verbrachte ich auf dem schmutzigen Fußboden eines baufälligen französischen Bauernhauses, schon in der Kampflinie. Der penetrante Geruch verwesender Kühe hielt mich die halbe Nacht wach." 

 

Offiziere standen oder hockten im Kreis in einem kleinen Obstgarten hinter der Bauernhaus-Ruine einer armen französischen Familie, die die Stätte vor uns verlassen hatte. Die Vorderfront war durch Artilleriebeschuß zerstört und im ganzen Obstgarten waren Granattrichter, lagen von Splittern abgeschlagene Äste, waren die Baumstämme von Kugeln aufgeschlitzt. Einige Soldaten, die die Nacht auf dem Dachboden verbracht hatten, bekamen den Schock ihres Lebens, als sie durch die Deck brachen und im Kuhstall landeten, wo noch Hühner und Kaninchen herumliefen. Überall auf den Feldern ringsherum lagen tote Kühe. Der Regimentskommandeur in der Mitte des Kreises nahm zu Einzelheiten Stellung, die Offiziere machten sich Notizen. Er sagte: “Ernie Pyle ist hier bei uns im Regiment und wird in einem der Batallione bei dem Angriff dabei sein, sie werden ihn treffen. Die Offiziere sahen mich an und lächelten, - ich war verlegen.

 

Dann kam General Barton. Der Kommandeur rief: „Achtung!“ und alle standen stramm bis der General sagte: “Rührt euch.“ Eine Ordonnanz holte einen Feldhocker für den General. Er hörte aufmerksam zu, während der Kommandeur seine Instruktionen gab. Dann trat er in die Mitte des Kreises,  auf einem Standbein, das andere lässig entlastet. Er schaute ringsum, während er sprach. Er sprach nicht lange. Er sagte etwa folgendes: 'Dies ist eines der feinsten Regimenter der amerikanischen Armee. Es war das letzte, das Frankreich im ersten Krieg verliess und das erste in Frankreich in diesem Krieg. Es bildete die Speerspitze bei jedem Angriff in der Normandie und so auch diesmal. Es war mein Regiment für viele Jahre und ich fühle mich euch sehr verbunden und bin sehr stolz.' Die Gesichtszüge des Generals und der Ausdruck seiner Augen spiegelten innere Bewegung, Aufrichtigkeit und Mitgefühl. General Barton war ein Mann von tiefer Zuneigung. Die Tragödie Krieg, menschlich wie sachlich, verletzte ihn. Zum Schluss versagte ihm nahezu die Stimme und ich meinerseits hatte einen Kloss im Hals. Er schloss: “Das ist alles. Gott segne euch und viel Glück.“ Dann brachen wir auf und ich ging mit einem der Batallionskommandeure.“

 

 

"Betascript publishing"

 

 

 

Vergessen !

 

Bücher solcher maschineller Machart lassen einen nicht von der Überzeugung abrücken, dass Barton in seiner Heimat weitgehend vergessen ist. Die Zahl der Divisionäre, die sich im 2. Weltkrieg und in den vielen Kriegen, die die USA seither führten, als tüchtig und tapfer erwiesen haben, ist zu gross.

 

Die Eroberung von Paris war aus amerikanischer Sicht keine militärische Grosstat. Hoffentlich erinnert man sich jenseits des Atlantiks dennoch an den

Korpskommandanten Leonard T. Gerow,

der mit den beiden Divisionen Leclerc und Barton

Paris regulär militärisch befreite.

 

 

Der angloamerikanische Wikipedia-Artikel ist knapp und herzlos geschrieben. Dabei hatte der Verfasser offenbar – aus der langen Versionsgeschichte zu schliessen – etwelche Mühe, den kurzen Text auf Vordermann zu bringen. Das fehlende Interesse zeigt sich auch darin, dass kaum ein anderer User sich einmischte. Da habe ich persönlich bei Biographien in kleinerem Massstab zum Teil ganz andere Erfahrungen gemacht.

 

 

The Library of Congress realisiert ein Veteran Historical Project:

"The Veterans History Project of the American Folklife Center collects, preserves, and makes accessible the personal accounts of American war veterans so that future generations may hear directly from veterans and better understand the realities of war."

  

 

In einem WW2Talk bat ein Teilnehmer um Informationen über General Barton, aber er erhielt nur gänzlich unzureichende und musste quasi unverrichteter Dinge wieder abziehen.

 

 

Immerhin veröffentlichte zum 70. Jahrestag der Landung in der Normandie die Website von Clausewitz' Wit eine Ehrung von zwei Dutzend hohen alliierten Kommandanten, worunter auch - an hierarchisch wohl angemessener - 18. Stelle Barton figuriert, allerdings im Gleichschritt mit Ted Roosevelt.

 

Den Vogel schiesst der amerikanische Anbieter von kostenpflichtigen CDs ab, welche die Geschichte der Vierten im Zweiten Weltkrieg wiedergeben. Barton wird ebenso wenig als Kommandant der 4th Inf Divison genannt wie seine Nachfolger. Aufgeführt werden die kommandierenden Generäle der 4. Panzer-Division!

http://www.4thinfantrydivision.info/#oob

(Abschnitt "Commanders")


Unter vielen anderen sind ausserhalb ihrer Familien in ihrer Heimat und erst recht in Europa vergessen: