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15Die Geltung des Generals

in Frankreich und andernorts Europas

 

Im deutschen Sprachraum ist General Barton kaum bekannt. Die Suchmaschine Google wirft  - abgerufen am 8.12.14 16:34 - neben der Übersetzung des Artikels des amerikanischen Journalisten Ernie Pyle als einziges deutschsprachiges Ergebnis zur Anfrage "Raymond O. Barton" die Website der Stadt Worms aus. Dort findet sich lediglich die in Bezug auf den General unverständliche Notiz:

 

"4. US-Infanterie-Division: Harold W. Blakeley überquerte am 29.3. bei Worms den Rhein Raymond O. Barton"

 

Zur Zeit der Rheinüberquerung war Barton schon in seine Heimat zurückgekehrt.

 

Wesentlicher ist, was man in Frankreich von Barton, dem (Mit-) Befreier von Paris, hält, was man überhaupt von ihm weiss.

 

Wer der "representative of the 4 th Infantry Division" war und wann diese "presentation ceremony in Paris" stattfand, ist unbekannt; vermutlich ist es Bartons Artilleriechef und späterer Nachfolger

General Harold W. Blakeley

Der (Mit-)Befreier Barton, dem die Ehre zukäme, ist es jedenfalls nicht.

Quelle S. 72; Added by

 

Was steht im französischsprachigen Wikipedia-Artikel - letztmals abgerufen am 8.12.14 16:43 - über Barton als Befreier von Paris?

 

Ein klein wenig ausführlicher als der englischsprachige ist er. Damit hat's sich. „... et participe à la libération de Paris“ steht immerhin in einem mageren Halbsatz zum Anteil Bartons an der Befreiung von Paris. In der Versionsgeschichte hiess es am 21. September 2012 noch etwas bewegter: "La 4e division d'infanterie (États-Unis) participe à la Libération de Paris." Der Verfasser gibt in seiner Vorstellung an: „J'adore les États-Unis d’Amérique.“ Mit Massen, wie mir scheint. Aber wenigstens das. Denn kaum veröffentlicht, korrigierte einer, den man im privaten Kreis einen Klugscheisser nennen würde: „et entre dans Paris“. Was ja im Jahr etwa 16 Millionen Touristen tun. Er löschte somit auch den Link zur Libération de Paris. Am 13. Oktober kam es zum „Kompromiss“, dem eingangs erwähnten Halbsatz mit der Verlinkung.

 

 Barton hat der amerikanischen Division, die zusammen mit der multinationalen Division Leclerc Paris befreite, in der jahrelangen, minutiösen und mühseligen Vorbereitung als Regimentskommandant, Stabschef und Divisionär gedient. Er kämpfte sich mit seinen Leuten durch die Normandie. Der Mann nahm die Strapazen eines ungeheuerlichen Feldzuges auf sich, obwohl er 55 Jahre alt war. Er tat ohne Fehl und Tadel mit seinen Regimentern, was seine Pflicht war, um die herrliche Stadt Paris den Nazis abzunehmen. Alles für einen Halbsatz, um dessen Schäbigkeit man sich erst noch gestritten hat!

  

Da ist der Hund begraben! Hier habe ich den Antrieb her, über diese Vierte zu schreiben.

 

Aber es ist wahr, dass parallel zur Aufladung meines Zorns ein Wandel in der französischen Meinung festzustellen ist. Selbstredend besteht da nicht der geringste Zusammenhang !

 

Der D-Day beginnt in der französischen Geschichtsschreibung zu existieren.

 

 

DDay-Overlord.com

 

"Marc Laurenceau vous présente le site DDay-Overlord, consacré à un fait d'armes majeur de la Seconde Guerre mondiale : la bataille de Normandie. DDay-Overlord.com est le premier site francophone dédié à la bataille de Normandie en termes de contenu et de visites. Il vous permet de découvrir dans le détail aussi bien le débarquement de Normandie que l'intégralité de la bataille de Normandie avec ses 90 jours de combats, du 6 juin à fin août 1944."

 

"Marc Laurenceau präsentiert die Website DDay-Overlord, die einem wichtigen Ereignis des Zweiten Weltkriegs gewidmet ist: der Schlacht in der Normandie. DDay-Overlord.com ist die erste französischsprachige Website, die sich mit der Schlacht in der Normandie befasst, was Inhalt und Besichtigungen betrifft. Es erlaubt Ihnen, sowohl die Landung der Normandie als auch die gesamte Schlacht um die Normandie mit ihren 90 Kampftagen vom 6. Juni bis Ende August 1944 im Detail zu erkunden."

 

Das ist schon erstaunlich. - Es ist zwar wahr: wir Schweizer lernen auch erst am Arc de triomphe oder im Versailler Saal der Schlachtengemälde, dass es eine Schlacht bei Zürich/Dietikon gab. Aber da waren einzig und ausschliesslich Drittinteressen, jene der Koalliierten und der Franzosen, im Spiel; bei der Landung in der Normandie ging es schon auch um die Befreiung Frankreichs. Dass es neben gaullistischer Interessenwahrung durchaus noch andere legitime Schutzwahrnehmungen gegenüber Frankreich gab, wird offenbar heute doch zur verbreiteten Überzeugung.

 

In dieser Website wird denn auch ein Artikel General Barton gewidmet. Zur Befreiung von Paris wird ausgeführt:

 

"Après la campagne de Normandie, la 4ème division d'infanterie de Barton participe à la libération de Paris et conduit ses hommes dans la furieuse bataille de la Forêt d'Hurtgen."

 

"Nach der Normandie-Kampagne beteiligte sich die 4. Infanteriedivision unter Barton an der Befreiung von Paris und er führte seine Männer in die grimmige Schlacht im Hurtgenwald."

 

 

Détruisez Paris - FR3 (2012)

 

Dieser Dokumentarfilm von 1:18:34 Dauer bemüht sich sichtlich um Objektivität. Er griff viel dokumentarisches Material auf, das man bisher nicht gesehen hatte. Er geht auch auf die Rolle des deutschen Stadtkommandanten Dietrich von Choltitz ein. Schlussendlich bleibt - wenigstens bei mir - der schale Eindruck, dieser werde eher als Trottel dargestellt und die Rolle Nördlings werde überbewertet. Der schwedische Konsul hatte eine hoch einzuschätzende humanitäre Motivation und wagte uneigennützig Staunenswertes. Sein Erfolg bei den Amerikanern war mässig und damit auch sein Einfluss auf die Befreiung nicht übermässig. Unerträglich und unerhört ist, dass Barton und die Vierte überhaupt nicht existieren... Ohne die Amerikaner lief damals und in der gegebenen Situation überhaupt nichts. An diesem Faktum kommt man nicht vorbei. Erstaunlich ist dennoch, wie innert zwei Jahren die „Erinnerungskultur“ sich wandelte. Das ist begrüssenswert.

 

Musée de la Résistance en ligne

 

Seit drei Jahren existiert ein Online-Museum der Resistance. Nun erkranken Widerstandsbewegungen besonders leicht an Mythenbildungen. Umso überraschender ist die objektive, ausgewogene Schilderung der Befreiung von Paris.

 

General Barton wird vorgestellt. Zwar kurz, aber korrekt wird die Rolle der Vierten aufgezeigt:

 

"Le 23 août, à une heure du matin, devant la situation périlleuse à Paris, Gerow, commandant le 5e corps d'armée américain dont dépendent la 4e DIUS et la 2e DB donne comme base d’ordre le '5e corps avancera sans attendre sur Paris par deux routes, prendra la relève des FFI à Paris, s’emparera des ponts au sud de la ville et établira une tête de pont au sud-est de Paris'.

 

La 4e DIUS s'est regroupée au sud de Paris, sur la rive gauche de la Seine. Pour lui faire honneur, Barton a désigné le 12e régiment d'infanterie US, très durement éprouvé en Normandie, pour entrer le premier dans Paris, escorté par le 102e groupe de cavalerie. Parti d'Arpajon, le 12e RI, guidé par les FFI, entre dans Paris par la Porte d'Italie et atteint Notre-Dame vers midi. Le reste de la 4e DI investit les gares de Lyon et d'Austerlitz, puis oblique vers l'Est, en direction de Vincennes."

 

"La 4e division nettoie du 25 au 29 août la partie est de Paris, se regroupe dans le bois de Vincennes et repart non sans avoir paradé le 29. Sa parade d’une troupe de victoire est celle d’une troupe qui s’en va au combat. La 28e division d’infanterie du général Norman V. Cotta et un autre groupe mélangé d’unités tueuses de tanks, et d’artillerie, sous les ordres du colonel Jim Dan Hill, sont des éléments de chocs de la parade."

 

Am 23. August gab um ein Uhr morgens angesichts der gefährlichen Situation in Paris Gerow, Kommandeur des 5. amerikanischen Armeekorps, zu dem die 4. US-Infanterie-Division und die 2. französische Panzerdivision gehörten, den grundlegenden Befehl, dass das 5. Korps ohne Verzögerung auf zwei Strassen nach Paris vorrücke, wo es die FFI in Paris ablöse, die Brücken im Süden der Stadt erobern werde und einen Brückenkopf im Süden der Stadt zu errichten habe.

 

Die US-Division hat sich südlich von Paris, am linken Ufer der Seine, neu gruppiert. Um es zu ehren, bestimmte Barton das 12. US Infanterieregiment, das in der Normandie sehr geringfügig eingesetzt worden war, als erstes in Paris einzurücken, eskortiert von der 102. Kavallerie-Gruppe (Die 38. Cavalry Reconnaissance Squadron war dem 12. Regiments-Combat-Team zugeteilt; die Schwadron gehörte zur 102. Kavallerie-Aufklärungsabteilung.) Losgefahren in Arpajon kommt das amerikanische Infanterieregiment durch die Porte d'Italie nach Paris. Es wird gelenkt von FFI und erreicht die Notre Dame um die Mittagszeit. Der Rest der 4. Infanteriedivision besetzt die Gare de Lyon und die Gare d'Austerlitz, dann biegt sie schräg nach Osten in Richtung Vincennes ab."

 

"Die 4. Division säubert den östlichen Teil von Paris vom 25. bis 29. August, versammelte sich in den Wäldern von Vincennes und zieht wieder ab, nicht ohne am 29. August an der Parade teilgenommen zu haben. Ihre Siegesparade war der Weiterzug in die Schlacht. Die 28. Infanteriedivision von General Norman V. Cotta und eine weitere gemischte Gruppe von Jagdpanzer- und Artillerieeinheiten unter dem Kommando von Colonel Jim Dan Hill spielten die Schockelemente der Parade."

 

So war es ! Nicht die Vierte defilierte. Man hat amerikanischerseits Barton und die Vierte um den Triumph gebracht, die Champs Élysées hinunter zu marschieren.

 

Jean-François Muracciole

La Libération de Paris: 19 - 26 août 1944

 

 

S. 116

"....du rôle pourtant essentiel joué par la 4 e DI de Barton et, plus généralement, par les forces américaines dans la libération de Paris." 

 

"..... der wesentlichen Rolle, die Bartons 4. Infanteriedivision und ganz allgemein die amerikanischen Streitkräfte bei der Befreiung von Paris spielten." 

 

S. 122

 

Leclerc (Kommandant der franz. 2. Panzerdivision) isolierte sich im Billardraum mit dem amerikanischen General Barton, dessen Männer die unerlässliche Arbeit der Sicherung des gesamten östlichen Paris gewährleisteten, was es der 2. Panzerdivision erlaubte, ihre Rechnungen in deutschen Kommandozentralen in der Mitte und im Westen der Stadt zu begleichen. Freundlich und mit Fairplay erklärt Barton gegenüber Leclerc, dass dieser an den Orten allein sein sollte. Die beiden Männer sind sich einig, dass der Osten von Paris (von der Gare de Lyon bis Vincennes) unter der Kontrolle der Amerikaner bleibe.

 

S. 126

 

Unerhörte neue Kühnheit: Leclerc unterzeichnet die Kapitulation, obwohl er nur ein Divisionalgeneral ist, und der alliierte Offizier im Rang von Choltitz General Gerow, Kommandeur des 5. Korps, ist, der von Eisenhower als Militärgouverneur von Paris bestimmt war. Auch die Alliierten werden in dem Text nicht erwähnt und es besteht zu keinem Zeitpunkt die Absicht, General Barton, der Leclerc gleichrangig ist, zur Unterzeichnung zuzulassen, auch wenn er in der Präfektur anwesend ist.

 

So war das. Neu ist lediglich, dass es nun (das Buch Prof. Muraccioles von Montpellier wurde 2013 herausgegeben) auch von französischer Seite in gleicher Weise dargestellt wird wie von angelsächsischen und neutralen Historikern und Politikern.

 

Plages du débarquement

Wohl im Zusammenhang mit der 70-Jahr-Feier der Invasion wurde diese Website geschaffen. Hier wird Barton an 7. Stelle unter den grossen Führungsleuten aufgeführt. Das ist hierarchisch wohl zu hoch, aber nach ihm kommt gleich der "supernumerary" Brigadegeneral Roosevelt.

 

 

Canalblog

 

Die Werbefirma unterhält unter dem Titel "Normandie-1944, L'été de la Liberté" einen Blog oder eine Website, die sich mit der Vierten befasst.

Auch hier wird eher Roosevelt in den Vordergrund gestellt. Barton kommt aber nicht zu kurz. Zu den Anstrengungen der Vierten, Paris zu befreien, notiert man: "A la fin d'août elle participe également à la libération de Paris, en laissant aux troupes du général Leclerc d'être les premières forces alliées à en entrer dans la capitale."

"Ende August half sie auch bei der Befreiung von Paris und liess die Truppen von General Leclerc als erste alliierte Streitkräfte in die Hauptstadt eindringen."

 

Darauf werde ich noch einlässlich zurückkommen !

 

 

La Libération de Paris/Gilles Primout

 

Diese Website macht einen seriösen Eindruck. Sie würdigt Barton und Roosevelt, aber auch die Vierte freundlich.

  

" Le 24 août 1944 elle appuie la 2ème Division blindée du général Leclerc, qui entre dans Paris, et se charge de l'Est de la région parisienne."

  

Sie nennt einzelne gefallene Soldaten, macht auf den hohen Blutzoll der amerikanischen Division aufmerksam (Verlust von 5'000 Mann) und beklagt, dass "les municipalités françaises ne possèdent en général aucune indication sur l'identité des soldats américains tués sur leur territoire." Dennoch werden die Namen von 15 im Kampf um Paris gefallener Amerikaner aufgelistet. Das habe ich bisher auch in amerikanischen Akten nie gesehen.

 

 

Musée de la Libération/Sainte Marie du Mont

 

Die Website besteht schon seit 2007. Das Museum liegt an der Utah-Beach, so dass sich die richtige Darstellung der amerikanischen 4. Infanterie-Division schon von der Besucherseite her aufdrängte. Hughes Potdevin hat recht prägnant und verhältnismässig kurz, aber nicht unerlaubt verkürzt die

Chronique de Combat 4e Division d’Infanterie

 gestaltet. Er trifft den Kern der Geschichte dieser Heereseinheit. General Barton erwähnt er nur ein Mal, nämlich als Empfänger des bekannten Lobes General Pattons:

 

"Votre combat dans la forêt d’Hürtgen constitua une épopée de pur combat d’infanterie mais, à mon avis, votre combat plus récent – du 16 au 26 décembre – quand avec une division épuisée et fatiguée, vous avez arrêté le flanc gauche de la poussée allemande dans les lignes américaines et avez sauvé la ville de Luxembourg, et les énormes dépôts d’approvisionnement et les réseaux routiers dans ces environs, constitue de votre part et de celle de votre division, la plus remarquable réussite."

 

Barton konnte mit diesem Zeugnis guten Gewissens Abschied vom aktiven Kriegsdienst nehmen.

 

 

Conseil général de la Manche

 

Unter den "chefs de la Libération" wird Barton an 10. und letzter Stelle aufgeführt - nach Roosevelt, aber in einer Liste, die auch Churchill und de Gaulle aufweist. Mit diesen im gleichen Zuge als Chef der Befreiung genannt zu werden, ist keine geringe Ehre.

 

Man erfährt, dass die Vierte Cherbourg befreit habe. "En août 1944, Barton fait partie de la délégation alliée qui reçoit la reddition allemande à la gare Montparnasse."

 

Über beide Aussagen wird noch zu debattieren sein.

 

 

Normandy Memory Club

 

Der Club veranstaltet Commemorationen und Rekonstitutionen der Operationen des Jahres 1944 der 4. US Infanterie-Division in Uniformen und Fahrzeugen jener Zeit mit entsprechendem zeitgerechtem Gerät!

Verständlich, dass General Barton da vor Ike Eisenhower, Montgomery, Patton und Rommel portraitiert wird.

 

  

Eine russische Website gibt es auch, allerdings erscheint Barton nur mit der bekannten Foto und einem Verweis auf den englischen Wikipedia-Artikel. Dagegen befindet er sich in einer Reihe, die zwar Saint-Exupéry, aber auch Pétain, Hitler, Stalin und ein paar Nazi-Kollaborateure umfasst.

 

 

Den Vogel schiesst eine spanische Website ab:

 

Das ist er gewiss nicht.

 

"La misión de establecer la cabeza de playa le fue asignada a la 4ª División de infantería, perteneciente al VII cuerpo del Ejército estadounidense. Fue comandada por el General Raymond O`Barton, quien contaba como asistente al General Theodore Roosevelt Jr., hijo mayor del presidente norteamericano."

"Die Aufgabe, den Brückenkopf zu errichten, wurde der 4. Infanteriedivision übertragen, die zum 7. Korps der US-Armee gehörte. Sie wurde von General Raymond O' Barton kommandiert, der als Assistent von General Theodore Roosevelt Jr. galt, dem ältesten Sohn des amerikanischen Präsidenten."

In der Geschichtsschreibung ist nichts unerlaubt. Theodore Senior war übrigens schon lange nicht mehr Präsident.....

Aufrechten Ganges - angeblich - bewegten sich die Amerikaner auf die eingerichteten deutschen Maschinengewehre zu !! Um des schönen Bildes willen.

Man vergleiche dies mit dem, was deutsche und amerikanische Soldaten über diese grauenhafte Schlächterei im Film "Le Jour Le Plus Long Documentaire Film 2013" berichten.



 Sie wurden in den Vereinigten Staaten geboren, fuhren nach England, wollten möglichst rasch nach Berlin und bald wieder nach Hause.

Die französisch-normannische Erde hat sie behalten.