Durchbruch

 

 

Weiterhin beschränke ich mich auf die Operationen der 4th Infantry Division, die an der Befreiung von Paris beteiligt sein wird. Ich folge dabei wie zuvor einem Standardwerk:

Das Werk steht hier zur Einsicht und Lektüre zur Verfügung. Ich übersetze und kopiere nur jene Abschnitte, welche die Vierte betreffen.

 

 

[Die rote Diagonale ist die schnurgerade Strasse von Périers nach St-Lô, die den Amerikanern als LD (Line of Departure) = Angriffsgrundstellung der Operation Cobra diente. 1:50'000 - Gitterquadrat-Seitenlänge 1 km]

 

Auf dem Weg zur Strasse Périers-St-Lô.
Die Patrouille der 4. Division geht an Panzern vorbei, die auf den Befehl warten, aufzusitzen.

 

[Wesentliches Element der Durchbruchsstrategie sind die Überraschung und der initiale Schwung. Das Wetter störte die einleitenden Luftunterstützungen und das brachte - zusammen mit den Bombardementen der eigenen Truppen in der Armeeführung und an der Front Verwirrungen und Verzögerungen. Das VII. Korps hatte mit der 9. und der 30. Division vorne und der 4. Division ihnen folgend den Angriff der Operation Cobra einzuleiten. Die beiden erstgenannten Divisionen zogen ihre Leute mehrere hundert Meter nördlich der Angriffsgrundstellung Landstrasse Périers-St-Lô ab. Das Korps rückte auf diese Linie vor mit der ungewissen Aussicht, ob man jenseits der Autostrasse fortfahren würde. Der grosse Durchbruch war somit vorerst ein Objektangriff auf diese Strasse.]

 

Bombardment

(S. 228)

 

[Die Operation Cobra wechselte von der am deutschen Widerstand und wohl auch am Gelände gescheiterten Frontalangriffsstrategie zum Erzwingen eines konzentrierten Durchbruchs durch die hartnäckige deutsche Front. Das indizierte einleitende schwere Bombenangriffe aus der Luft auf das für den Durchbruch bestimmte Gelände. Wetter, technisches und taktisches Versagen, Ungeschicklichkeit und Unfähigkeit der Bomberbesatzungen etc. führten erwiesenermassen zu hohen Verlusten bei den eigenen Truppen, zu einer potenziellen Frühwarnung des Gegners und zu diskutablen Erfolgen. Davon handelt dieses Kapitel. Ich beschränke mich wiederum auf jene Passagen, die sich auf die Vierte beziehen.]

 

 

Eine halbe Stunde später erfuhr General Collins [der Korpskommandant], dass COBRA sowohl am Boden als auch in der Luft verschoben worden sei, aber um den Feind daran zu hindern, sich nördlich der Landstrasse Périers-St-Lô zu bewegen, sollten die drei Infanteriedivisionen um 13:00 [am 24. Juli] angreifen, als ob die Operation COBRA in Gang gesetzt worden sei. In Wirklichkeit sollten die Divisionen die Frontlinie wiederherstellen, die vor der [voreiligen, nur halbwegs kontrollierten] Bombardierung bestanden hatte. Hätte der unvollständige Luftangriff die Deutschen nicht vorgewarnt und die taktische Überraschung zerstört, mit der General Bradley so sehr gerechnet hatte, wäre die deutsche Hauptwiderstandslinie für einen weiteren COBRA-Einsatz am nächsten Tag unverändert geblieben. Bis zum geplanten Start von COBRA sollten jene Divisionen des VII. Korps, die ihre Truppen eingesetzt hatten, in verborgenen Biwaks bleiben.

 

Der gescheiterte Luftangriff am 24. Juli hatte die Deutschen offensichtlich auf den folgenden amerikanischen Bodenangriff aufmerksam gemacht. Das feindliche Artilleriefeuer setzte in grossem Umfang ein. Alle drei Angriffsdivisionen hatten an diesem Nachmittag eine schwere Zeit durchzustehen.

 

Auf der rechten Seite des Korps setzte die 9. Division ihre drei Regimenter ein: das 60. kämpfte gegen feindliche Truppen, die nach dem Rückzug infiltriert waren; ein verstärktes Bataillon des 47. Infanterieregiments kämpfte bis zur Dunkelheit, um eine einzige Hecke zu gewinnen; zwei Bataillone des 39. Infanterieregiments kämpften acht Stunden, um einen Stützpunkt auszuschalten und beklagte dann 77 Tote, darunter den Regimentskommandanten Oberst Harry A. Flint. Im Zentrum des Korps engagierte die 4. Division das 8. Infanterieregiment, das in einer Kolonne von Bataillonen mit Panzerunterstützung angriff; nach zwei Stunden schwerer Kämpfe und einem Verlust von 27 Toten und 70 Verletzten erreichte das Regiment einen Punkt 100 Meter nördlich der Autobahn. Auf der linken Seite des Korps kam die 30. Division nicht sofort voran, weil die Angriffselemente durch das Bombardement der eigenen Flieger betäubt und demoralisiert waren. Es dauerte fast eine Stunde, bis sich die Einheiten erholten und reorganisierten; bis dahin hatte das feindliche Artilleriefeuer nachgelassen. Die Division rückte dann vor und besetzte ihre ursprünglichen Linien wieder.

Die Frage, ob durch die vorzeitige Bombardierung die taktische Überraschung der Amerikaner verloren gegangen sei, sollte sofort geklärt werden: Die Alliierten starteten die Operation COBRA um 11.00 Uhr, am 25. Juli, erneut. Für die zweite COBRA-Bombardierung wurden mehrere Änderungen vorgenommen, um eine Wiederholung der Fehler zu vermeiden. Luftangriffsziele nördlich der Périers-St-Lô-Autostrasse - insgesamt sechs - wurden der Artillerie übertragen. Ein spezielles Wetteraufklärungsflugzeug sollte am frühen Morgen das Angriffsgebiet erkunden, um genaue atmosphärische Daten zu erhalten und um herauszufinden, ob die Sicht für die Bombardierung ausreichend sei. Die schweren Bomber sollten so tief fliegen, wie es die Sicherheit zuliesse, und, wenn möglich, visuell bombardieren.

In Erwartung des COBRA-Bombardements blicken Infanteristen des 8. Regiments himmelwärts.

 

Am Morgen des 25. Juli kamen die Flugzeuge wieder. In 12er Gruppen flogen über 1.500 

B-17 und B-24 heran und liessen mehr als 3.300 Tonnen Bomben im COBRA-Gebiet fallen. Mehr als 380 mittlere Bomber warfen über 650 Tonnen Sprengstoff- und Splitterbomben ab. In Vierergruppen warfen über 550 Jagdbomber mehr als 200 Tonnen Bomben und eine große Menge Napalm ab. Die Erde bebte.

 

Die Reichweiten (600 Meilen) der strategischen Bomberflotten, die von Foggia, Mildenhall und Alconbury starteten.

vergrössern/Quellen: links und rechts


 

Die Bombenabwurfhöhen waren um die 15.000 Fuss festgelegt worden, aber das Vorhandensein von Wolken erzwang eine Nachjustierung im Flug. Die meisten Bombenschützen mussten ihre Zahlen unterwegs neu berechnen. Einige Flugzeuge bombardierten aus der relativ niedrigen Höhe von 12.000 Fuss, was sie näher an das feindliche Flugabwehrfeuer heranführte und so die Belastung der Piloten erhöhte, die Flugformationen lockerte und die Gefahr von überfülltem Luftraum über dem Ziel erhöhte. Artillerie-Rauchmarkierungen erwiesen sich als wenig wertvoll, da sie erst dann sichtbar wurden, wenn der Rauch in grosse Höhen driftete und der Wind ihn zu diesem Zeitpunkt zerstreut und verdrängt hatte. Als der Angriff begann, verdeckten grosse Staub- und Rauchwolken nicht nur die Markierungen, sondern auch die Geländemerkpunkte. Ausserdem war der rote Rauch der Artilleriemarker kaum von Granaten- und Bombenexplosionen sowie vom Mündungsfeuer der amerikanischen und deutschen Artillerie zu unterscheiden. Weil es unmöglich war, die Bomber in der Formationen zu halten und weil die Besatzungsmitglieder von der Notwendigkeit beseelt waren, Kurzabwürfe [in die eigenen Truppen] zu vermeiden, landete ein Grossteil der Bomben südlich des Zielgebiets oder westlich und östlich davon. Einige Bomben fielen jedoch wieder nördlich der Landstrasse Périers-St-Lô und damit auf amerikanische Positionen.

Nach dem COBRA-Bombardement graben sich die Männer aus den "kurzen" [in die eigenen Reihen geratenen] Bombeneinschlägen aus.

 

Die Bomben fielen nördlich der Landstrasse wegen menschlichen Versagens. Der leitende Bombenschütze einer schweren Bomberformation hatte Probleme mit seinem Bombenzielgerät und wurde daher visuell mit schlechten Ergebnissen versorgt. Ein anderer identifizierte die Landmarken nicht richtig. Der Leitpilot einer dritten Formation warf vorzeitig Bomben ab und alle Flugzeuge seiner Einheit warfen darauf ihre Lasten auch ab. Splitterbomben und Sprengstoff von 35 schweren Bombern und die Bomben von 42 mittleren Bomberflugzeugen fielen innerhalb der amerikanischen Linien.

 

Dieses relativ leichte Bombardement nördlich der Strasse tötete 111 Mann der amerikanischen Truppen und verwundete 490. Ausserdem wurden einige Zuschauer, offizielle Beobachter und Zeitungsreporter getroffen. Generalleutnant Lesley J. McNair, kommandierender General der Army Ground Forces und ad interim Kommandant der 1st U.S. Army Group, wurde getötet.

[Die 4. US-Infanterie-Division verlor 37 Männer: 10 Getötete und 27 Verwundete. (Fussnote 32:

USSTAF In Europe, Report of Investigation, 14 Aug, USAF Hist Sec Files)]

 

 Als sich am 25. Juli die Nachricht vom zweiten kurzen Bombenangriff auf dem Schlachtfeld verbreitete, verflog das Gefühl der Vorfreude, das mit dem Erscheinen der COBRA-Bombardementsflotte aufgekommen war. Groll, dass die Luftwaffe "es wieder getan hatte" und Grimm über die gesunkenen Aussichten einer erfolgreichen Bodenaktion verbreitete sich in den amerikanischen Reihen. Verzweifelt und niedergeschlagen über die fast 900 Opfer der Bombenanschläge in den beiden Tagen, beschloss General Eisenhower, dass er nie wieder schwere Bomber in einer taktischen Rolle einsetzen würde.

 

In der Nähe des Ortes, an dem die "kurzen" Bomben gefallen waren, wurden die Truppen desorganisiert und in einigen Fällen wurden die Angriffspläne zerschlagen. Alle vier Angriffskompanien des 8. Infanterieregiments waren bombardiert worden.

 

Das Gefühl tiefer Entmutigung überschattete vorübergehend Fragen von unmittelbarer Bedeutung. Hatte die Bombardierung die deutsche Verteidigung im COBRA-Gebiet neutralisiert? Hatten die Bombenfehler die amerikanische Mobilität am Boden gelähmt, indem sie die Angriffstruppen demoralisierten? Die Antworten sollten bald bekannt werden. Kurze Bombenangriffe oder nicht, COBRA war gestartet worden; im Guten wie im Schlechten musste der Bodenangriff weitergehen.

 

[Blumenson geht der im Krieg entscheidenden Frage nach, ob das Bombardement den Deutschen geschadet hat und in welchem Ausmass es daher den Amerikanern nützte. Immerhin waren die deutschen Truppen durch die Luftangriffe des Vortages gewarnt und sie richteten sich danach ein, wozu die amerikanischen Soldaten keine Veranlassung sahen; sie waren auf dem Sprung nach vorn.]

 

 

Ground Attack


    Hoffnungsvoll, dass die COBRA-Bombardierung am Morgen des 25. Juli weitreichende Verwüstungen auf der deutschen Hauptwiderstandslinie verursacht habe, aber keineswegs sicher, dass das so war, zogen um 11.00 Uhr die Infanteristen des VII. Korps in die Attacke. Trotz der Desorganisation, die die Bombenangriffe ausgelöst hatten, vermochten nur zwei Einheiten, ein Regiment der 9. Division und ein Bataillon der 30. Division, nicht zur vollen Stunde angreifen; sie starteten aber mit nur geringer Verzögerung.

    Die Infanterieeinheiten, die den COBRA-Bodenangriff einleiteten, sollten einen geschützten Korridor für die Truppen schaffen, die einem Durchbruch folgten und ihn ausnutzen würden. Die Infanterie hatte daher die Aufgabe, so schnell wie möglich bestimmte geografische Ziele zu sichern. Kritische Geländemerkmale wie Anhöhen und Kreuzungen, die die Kontrolle über den Korridor gewährleisteten, waren jeder kleineren Einheit, die am Angriff beteiligt war, sorgfältig zugewiesen worden; die Angriffstruppen sollten zu ihren Zielen vorstossen, ohne Rücksicht auf die Vormarschgeschwindigkeit der benachbarten Einheiten. Sie sollten feindliche Stützpunkte umgehen und ihre Ausschaltung anderen überlassen, die später kommen würden. Die Geniesoldaten sollten die Vorwärtsbewegung unterstützen, indem sie eilig die Strassen reparierten und Hindernisse beseitigten. Jeder unnötige Verkehr sollte von den Strassen im Angriffsbereich ferngehalten werden. Die angreifenden Einheiten wurden von unwesentlicher Ausrüstung befreit, um die Marschzeit zu verkürzen. Die Truppen trugen zusätzliche Rationen bei sich, um den Nachschubverkehr auf ein Minimum zu beschränken. Sie sollten Verwundete und Gefangene an Ort und Stelle halten, wann immer es möglich wäre. Sie hatten genug Munition erhalten, um zu überleben, bis die die Bresche ausnützenden Panzerverbände durch ihre Reihen hindurch stiessen. Kommandanten oder verantwortliche Stabsoffiziere sollten jederzeit an den Funkgeräten der Einheit sein und sich auf das Kommandonetz einschalten, damit die mobilen Kolonnen sogleich mit der Ausnützung des Durchbruchs beginnen könnten. Sobald das angekündigt werde, solle die Infanterie die Hauptstrassen räumen und die ungehinderte Ausbeutung des Erfolges durch die mechanisierten Truppen ermöglichen (Karte V)

    Die Städte Marigny und St. Gilles waren die Hauptziele der Infanterie. Ihre Ergreifung würde ein Eindringen von drei Meilen in die Tiefe bedeuten, und ihre Beibehaltung würde dem VII. Korps die Kontrolle über das für die Ausbeutung erforderliche Strassennetz geben. Hätte der Luftangriff die deutschen Verteidigungsanlagen zerstört, würde die Infanterie Marigny und St. Gilles ohne große Schwierigkeiten erreichen und sichern. General Collins würde dann seine Panzer nach vorne katapultieren.

 

 

"Infanterie-Gelände". Das technisch unvollkommene Bild macht vollkommen klar, wie verwundbar in einem solchen Terrain mechanisierte Truppen waren.

 

Legende:

Guerre 1939-1945. Front de Normandie. Convoi américain transportant des troupes par un chemin détourné pendant que le génie répare un pont dynamité, 25 juillet 1944.

Quelle

 


Durchbruch 25.-27. Juli 1944  (vergrössern)

 

 

Blumenson Breakout & Pursuit

 

Infantry Division

 

4th: , 673, 681, 692-93

Argentan-Falaise pocket: 51 1-15
Carentan-Périers isthmus: 80, 86-90, 128-33, 135
COBRA2: 17-18, 230-31, 243, 246, 249, 251-52, 265, 297-3063, 09, 329
drive to Seine: 606-08, 611-15, 621-22
Mortain: 444-48, 466, 470-71, 473-75, 487, 490-92, 615

 

Infantry Regiments

 

8th: 86-88, 129, 231, 236-37, 243, 249, 251, 308, 407
12th: 86-88, 129, 251, 265, 308, 447, 615
22d: 129-302, 18, 254-55, 297, 300-02, 304, 447

 

Division Artillery

 

4th: 64, 86, 88, 470-71

 

Tank Battalions: 43
70th: 86

 

Périers: 80, 86-90, 128-133, 135

 

Cobra2: 230-31, 236-7, 243, 246, 249, 251-52

 

oder tabellarisch:

 

17-18,

43

Argentan-Falaise pocket: 51 1-15

64

80

86-90,

128-33, 129-302

135

230-31,

236-37,

243

246

249

251-52,

254-55,

265

297-3063, 09,

300-02,

304

308

329

407

444-48,S. 449: siehe unten übersetzt

466

470-71,

473-75,

487

490-92,

606-08,

611-15,

621-22

673

681

692-93

 

 

 

S. 449 Blumenson (Übersetzung)

 

Während der ersten sechs Tage im August hatte General Collins an seiner Korpsfront gegensätzliche Situationen erlebt. Zu seiner Rechten hatte er im Wesentlichen die gleiche Ausbeutungsmöglichkeit wie das XV. Korps der Dritten Armee, aber er war an die Erste Armee und ihre Anforderungen gebunden und konnte daher die dortige fluide Situation nicht ausnutzen. Mit Ausnahme der 1. Division hatten die Elemente des VII. Korps an einem Kampf teilgenommen, der der früheren Schlacht der Hecken ähnelte. Hartnäckiger Widerstand, geschickter Rückzug und effektive Verzögerung im Bocage-Gelände hatten zu einem langsamen und zähen Vorstoss geführt. Während die 1. Division zwischen dem 2. und 7. August weniger als 250 Tote zu beklagen hatte, verlor die 3. Division fast 300 Mann, die 4. Division 600 und die 9. Division fast 850. Obwohl die Zahlen nicht annähernd die Intensität der Verluste im Juli erreichten, zeigten sie deutlich einen grossen Unterschied im Charakter der Widerstände in den verschiedenen Sektoren der Front.