Durchbruch und Ausbruch

 

Nun hatten die Amerikaner den Hafen von Cherbourg erobert: erstes Ziel der Invasion! Er war zur Unbrauchbarkeit zerstört. Die amerikanischen Luftlande- und Bodentruppen, die nach langen, harten, mörderischen Kämpfen das erreicht hatten, waren aber Gefangene in der Halbinsel Cotentin. Sie hatten nur eine knappe Landverbindung mit dem Brückenkopf der Allierten der östlich gelegenen Landeplätze. Die Deutschen hielten auch sie im Kessel gefangen und es gelang ihnen an einzelner Stelle sogar, wieder zum Meer vorzustossen und dort den provisorischen Nachschub-Hafen auszuschalten. Während Engländer, Kanadier und US-Amerikaner seit bald zwei Monaten unglaubliche Opfer an Leib und Leben ihrer Soldaten und enormem Materialverschleiss erbrachten, ohne auf der Europakarte nennenswerte Fortschritte zu machen, rollte die Ostfront breit und wuchtig gegen Westen, was sich - voraussehbar - weltpolitisch tragisch auswirken musste, wie dann der folgende Kalte Krieg hinlänglich unter Beweis stellte. Berlin lag für den Westen quasi immer noch gleich weit entfernt wie vor der Invasion.

Weiterhin beschränke ich mich auf die Operationen der 4th Infantry Division, die an der Befreiung von Paris beteiligt sein wird. Ich folge dabei wie zuvor einem Standardwerk:

Das Werk steht hier zur Einsicht und Lektüre zur Verfügung. Ich übersetze und kopiere nur jene Abschnitte, welche die Vierte betreffen.

 

Toward Périers
S. 128-133

 

Von einem eingliedrigen, begrenzten Objektangriff kam das VII. Korps [zu dem die Vierte gehörte] zu einer Zwei-Divisionen-Attacke in der Landenge von Carentan-Périers. Bis zum 8. Juli hatten die Divisionen 83 und 4 so geringe Bodengewinne erzielt, dass es immer noch keinen Raum gab für den Einsatz der verfügbaren 9. Division. Die enge Operationszone und das Gelände hätten das Manöverieren behindert. Zahlreiche Bäche und Sümpfe und die Hecken hatten grosse Angriffe in kleine, lokale Gefechte hinuntergebrochen. Ein findiger Feind - das 6. Fallschirmjägerregiment, immer mehr Einheiten der 17. SS Panzergrenadier-Division und Artillerie- und Panzerelemente der 2. SS Panzer-Division - hatte Bäume gefällt, um die Strassen zu blockieren, Panzer in der mobilen Verteidigung eingesetzt und Kreuzungen mit verheerendem Feuer eingedeckt. Die Deutschen waren zwar erschöpft und von Überzahl des Gegners heimgesucht, aber sie hatten ihre Einheiten geschickt gemischt und waren weiterhin Experten in der Geländenutzung. Sie zeigten unter der Gewalt des Angriffs des VII. Korps keinerlei Anzeichen eines plötzlichen Risses in ihrer Front.

 

Bessere Wetterbedingungen erlaubten am 8. Juli den Angriff von über hundert Flugzeugen des IX Tactical Air Command entlang der Front des VII Corps, nur wenige hundert Fuss vor einer durch Artillerie markierten Frontlinie. Die Hilfe hatte nur eine geringe Wirkung. Noch entmutigender war die Evidenz, dass die Deutschen mehr Panzer in den "Isthmus" [Geländeabschnitt] von Carentan-Périers brachten. Feindliche Patrouillen, die jeweils aus einem Panzer und fünfzehn bis dreissig Infanteristen bestanden, erkundeten die Front und machten lokale Durchdringungen; bei solchen überrannten die Deutschen gar zwei Bataillonsstützpunkte der 83. Division.

Die vorderen Positionen des Korps lagen etwa fünf Meilen vor Carentan und immer noch bloss eine Meile hinter Sainteny. Zwölf Meilen Luftlinie südlich von Sainteny lag das Endziel des Korpsangriffs: ein Teil zu erobernden Anhöhe erstreckte sich in allgemeinder Richtung Coutances - Caumont. In der Vorwoche war dieses Ziel mindestens eineinhalb Monate entfernt, aber General
    Collins [der Korpskommandant] konzentrierte nun sein Interesse darauf. Die 4. Division sollte in der Nähe von Périers ein höher gelegenes Gelände sichern und dann nach Süden ziehen, um die Lessay-Périers-Landstrasse zu queren. Die 83. Division sollte das Westufer des Flusses Taute gewinnen, den Fluss überschreiten und sich nach Süden bewegen, um die Strasse Périers-St-Lô zu durchschneiden. Die 9. Division sollte ausserhalb des Caretan-Périers-Isthmus angesetzt werden.

 

Auf der rechten (westlichen) Hälfte der Passage [engl. isthmus] von Carentan-Périers konnte General Barton schliesslich am 8. Juli alle drei Regimenter seiner vierten Division in den ihm zur Verfügung stehenden Sektor bringen, aber nur das 22. Infanterieregiment (Oberst Charles T. Lanham) war gegen Périers gerichtet. Auf dem schmalsten Teil des "Isthmus", der von der Prairie Marécageuses de Gorges auf der rechten Seite zusammengedrückt wurde, stand das Regiment kurz davor, den schmalen Landstrich, der bei Sainteny endet, zu verlassen. Auch diese Aussicht bedeutete wenig, denn das Gebiet südwestlich von Sainteny bot eine geringe Hoffnung auf schnellen Fortschritt. Ein für militärische Einsätze geeigneter trockener Boden war nicht vorhanden. Die trägen Flüsse Sèves und Holerotte waren vom Regen angeschwollen und verwandelten die sechs Meilen bis nach Périers in einen trostlosen Morast, der kaum von einem Sumpf zu unterscheiden war. Die Division musste nicht nur gegen die feuchte Oberfläche des Bodens und den hohen Grundwasserspiegel kämpfen, sondern auch unzählige Entwässerungsgräben, kleine Bäche und überschwemmte Sümpfe in einem Gebiet ohne eine einzige befestigte Strasse überqueren. Allein das Gelände wäre ein ernsthaftes Hindernis gewesen; von den Deutschen verteidigt, war es fast unpassierbar.

    Eingeschränkt durch unzureichenden Manövrierraum, behindert durch weiches Marschland, beeinträchtigt durch die Schwierigkeiten der Feind- und Feuerbeobachtung, war General Barton nicht in der Lage, die Kraft seiner Infanterie und seiner unterstützenden Waffen in eine nachhaltige Aktion zu konzentrieren. Selbst die vier Bataillone der Divisionsartillerie und das zusätzlich zugeteilte Bataillon mittlerer Artillerie waren selten in der Lage, ihre Feuerschläge wirksam zu massieren. Wegen der abschottenden Wirkung des Geländes griff General Barton mit Regimentskampfteams an, die recht unabhängige Aktionen verfolgten. Ein gewisses Mass an Koordination im Angriff konnte auf Regimentsebene versucht werden; häufiger war dies nur auf der Ebene des Bataillons möglich.

    Während das 22. Infanterieregiment sich durch den engsten Hals der Engnis kämpfte und das 12. Regiment in Reserve lag, versuchte das 8. Regiment in einer langsamen und methodischen Operation den kleinen Bereich auf der rechten Rückseite der Division, den Raum nördlich des Korridors und angrenzend an die Prairie Marécageuses de Gorges, zu räumen. Vier verschiedene Angriffe seit dem 8. Juli waren gescheitert. Am 10. Juli starteten die Deutschen sogar einen Gegenangriff; die feindlichen Soldaten, die zum ersten Mal im Felde waren, wurden von amerikanischer Artillerie und Minenwerfern reihenweise dezimiert. Das 8. Infanterieregiment brachte den Feind aus dem Gleichgewicht. Infanterie und Panzer fegten über das Gebiet, machten 49 Gefangene, begruben 480 deutsche Tote und beklagten im Gegenzug vier Tote. Am 11. Juli war die 4. Division in der Lage, das 8. Regiment den Aktionen in Richtung Périers hinzuzufügen und zu versuchen, durch den Korridor nördlich von Sainteny zu brechen.

 

 Dennoch gab es keinen plötzlichen Schub. Das 22. Infanterieregiment zog rechts in sumpfiges Gelände ein. Am 11. und 12. Juli überquerten Patrouillen die Flüsse Holerotte und Sèves und suchten den Kontakt mit der 90. Division, die am westlichen Rand des grossen Sumpfes hergekommen war. Die beiden anderen Regimenter in Bataillonskolonnen kämpften Richtung Périers gegen starken Widerstand. Unterstützt von gelegentlichen Sturzkampfbombern in den seltenen Tagen des guten Wetters, war die Division bis zum 15. Juli etwa zwei Meilen südwestlich Sainteny vorgerückt. Am Ende dieses Tages, noch vier Meilen vor Périers, erhielt General Barton den Befehl zum Anhalten.

    Die 4. Division sollte abgelöst und in die Reserve geschickt werden. In zehn Tagen des Kampfes hatte sie etwa 2.300 Tote zu beklagen, darunter drei Bataillonskommandeure und neun Kompaniekommandanten. Der Preis des Fortschritts war unermesslich. Die Division sollte sich für eine wichtige Rolle in der bevorstehenden Operation der Ersten Armee erholen, die hoffentlich dem Frontalangriff ein Ende bereiten sollte.

    Unter ähnlichen Bedingungen versuchte die 83. Division auf der linken Seite nach Süden vorzudringen. [Es folgen - S. 130 - Ausführungen zu den Manövern dieser Division.]


Exkurs: Das 331. Regiment (83. Division) nahm Sainteny am 9. Juli mit Hilfe mehrerer Jagdbomber und einer angrenzenden Einheit der 4. Division ein. Bei den Immobilien hatte der Erfolg wenig zu bieten, denn sie waren von Granaten weissen Phosphors entkernt worden; dennoch war es ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg nach Périers.

Die vom Bombardement entkernte Kirche von Sainteny

 

 Um Mitternacht am 15. Juli gingen die 4. und die 83. Division (letztere ohne das 330. Infanterieregiment) im Rahmen einer Reorganisation der gesamten Armeefront in die Kontrolle des VIII. Korps über. [Davon ist sonst wenig aktenkundig.] Die 83. begann Teile der 4. Division zu entlasten. Einige Tage später schloss sich die neu eingetroffene 4. Panzerdivision der Entlastung an.

Das Terrain und der Feind hatten das VII. Korps in der Passage von Carentan-Périers bis zum 15. Juli zum Stillstand gebracht. "Die Deutschen bleiben dort drin und das nur wegen des Mutes ihrer Soldaten", sagte General Barton. "Wir sind zehn zu eins in der Infanterie, fünfzig zu eins in der Artillerie und unendlich viele in der Luft." Der Angriff des VII. Korps hatte jedoch mehrere Ziele erreicht: Durch die Verlegung der Frontlinie ein paar Meilen weiter von Carentan entfernt hatte das Korps die lästige Beschiessung der Stadt und ihrer lebenswichtigen Strassenbrücke beseitigt; es hatte die Deutschen daran gehindert, einen Gegenangriff in dem Sektor zu starten, der als der schwächster entlang der gesamten amerikanischen Front galt; und man hatte den deutschen Streitkräften schwere Verluste zugefügt.

 

 

Bombardment

(S. 228)

 

[Die Operation Cobra wechselte von der am deutschen Widerstand und wohl auch am Gelände gescheiterten Frontalangriffsstrategie zum Erzwingen eines konzentrierten Durchbruchs durch die hartnäckige deutsche Front. Das indizierte einleitende schwere Bombenangriffe aus der Luft auf das für den Durchbruch bestimmte Gelände. Wetter, technisches und taktisches Versagen, Ungeschicklichkeit und Unfähigkeit der Bomberbesatzungen etc. führten erwiesenermassen zu hohen Verlusten bei den eigenen Truppen, zu einer potenziellen Frühwarnung des Gegners und zu diskutablen Erfolgen. Davon handelt dieses Kapitel. Ich beschränke mich wiederum auf jene Passagen, die sich auf die Vierte beziehen.]

 

 

[Die rote Diagonale ist die schnurgerade Strasse von Périers nach St-Lô, die den Amerikanern als LD (Line of Departure) = Angriffsgrundstellung der Operation Cobra diente. 1:50'000 - Gitterquadrat-Seitenlänge 1 km]

 

Auf dem Weg zur Strasse Périers-St-Lô.
Die Patrouille der 4. Division geht an Panzern vorbei, die auf den Befehl warten, aufzusitzen.

 

[Wesentliches Element der Durchbruchsstrategie sind die Überraschung und der initiale Schwung. Das Wetter störte die einleitenden Luftunterstützungen und das brachte - zusammen mit den Bombardementen der eigenen Truppen in der Armeeführung und an der Front Verwirrungen und Verzögerungen. Das VII. Korps hatte mit der 9. und der 30. Division vorne und der 4. Division ihnen folgend den Angriff der Operation Cobra einzuleiten. Die beiden erstgenannten Divisionen zogen ihre Leute mehrere hundert Meter nördlich der Angriffsgrundstellung Landstrasse Périers-St-Lô ab. Das Korps rückte auf diese Linie vor mit der ungewissen Aussicht, ob man jenseits der Autostrasse fortfahren würde. Der grosse Durchbruch war somit vorerst ein Objektangriff auf diese Strasse.]

 

Eine halbe Stunde später erfuhr General Collins [der Korpskommandant], dass COBRA sowohl am Boden als auch in der Luft verschoben worden sei, aber um den Feind daran zu hindern, sich nördlich der Landstrasse Périers-St-Lô zu bewegen, sollten die drei Infanteriedivisionen um 13:00 [am 24. Juli] angreifen, als ob die Operation COBRA in Gang gesetzt worden sei. In Wirklichkeit sollten die Divisionen die Frontlinie wiederherstellen, die vor der [voreiligen, nur halbwegs kontrollierten] Bombardierung bestanden hatte. Hätte der unvollständige Luftangriff die Deutschen nicht vorgewarnt und die taktische Überraschung zerstört, mit der General Bradley so sehr gerechnet hatte, wäre die deutsche Hauptwiderstandslinie für einen weiteren COBRA-Einsatz am nächsten Tag unverändert geblieben. Bis zum geplanten Start von COBRA sollten jene Divisionen des VII. Korps, die ihre Truppen eingesetzt hatten, in verborgenen Biwaks bleiben.

 

Der gescheiterte Luftangriff am 24. Juli hatte die Deutschen offensichtlich auf den folgenden amerikanischen Bodenangriff aufmerksam gemacht. Das feindliche Artilleriefeuer setzte in grossem Umfang ein. Alle drei Angriffsdivisionen hatten an diesem Nachmittag eine schwere Zeit durchzustehen.

 

Auf der rechten Seite des Korps setzte die 9. Division ihre drei Regimenter ein: das 60. kämpfte gegen feindliche Truppen, die nach dem Rückzug infiltriert waren; ein verstärktes Bataillon des 47. Infanterieregiments kämpfte bis zur Dunkelheit, um eine einzige Hecke zu gewinnen; zwei Bataillone des 39. Infanterieregiments kämpften acht Stunden, um einen Stützpunkt auszuschalten und beklagte dann 77 Tote, darunter den Regimentskommandanten Oberst Harry A. Flint. Im Zentrum des Korps engagierte die 4. Division das 8. Infanterieregiment, das in einer Kolonne von Bataillonen mit Panzerunterstützung angriff; nach zwei Stunden schwerer Kämpfe und einem Verlust von 27 Toten und 70 Verletzten erreichte das Regiment einen Punkt 100 Meter nördlich der Autobahn. Auf der linken Seite des Korps kam die 30. Division nicht sofort voran, weil die Angriffselemente durch das Bombardement der eigenen Flieger betäubt und demoralisiert waren. Es dauerte fast eine Stunde, bis sich die Einheiten erholten und reorganisierten; bis dahin hatte das feindliche Artilleriefeuer nachgelassen. Die Division rückte dann vor und besetzte ihre ursprünglichen Linien wieder.

 

Die Frage, ob durch die vorzeitige Bombardierung die taktische Überraschung der Amerikaner verloren gegangen sei, sollte sofort geklärt werden: Die Alliierten starteten die Operation COBRA um 11.00 Uhr, am 25. Juli, erneut. Für die zweite COBRA-Bombardierung wurden mehrere Änderungen vorgenommen, um eine Wiederholung der Fehler zu vermeiden. Luftangriffsziele nördlich der Périers-St-Lô-Autostrasse - insgesamt sechs - wurden der Artillerie übertragen. Ein spezielles Wetteraufklärungsflugzeug sollte am frühen Morgen das Angriffsgebiet erkunden, um genaue atmosphärische Daten zu erhalten und um herauszufinden, ob die Sicht für die Bombardierung ausreichend sei. Die schweren Bomber sollten so tief fliegen, wie es die Sicherheit zuliesse, und, wenn möglich, visuell bombardieren.

In Erwartung des COBRA-Bombardements blicken Infanteristen des 8. Regiments himmelwärts.

 

Am Morgen des 25. Juli kamen die Flugzeuge wieder. In 12er Gruppen flogen über 1.500 B-17 und B-24' heran und liessen mehr als 3.300 Tonnen Bomben im COBRA-Gebiet fallen. Mehr als 380 mittlere Bomber warfen über 650 Tonnen Sprengstoff- und Splitterbomben ab. In Vierergruppen warfen über 550 Jagdbomber mehr als 200 Tonnen Bomben und eine große Menge Napalm ab. Die Erde bebte.

 

Die Bombenabwurfhöhen waren um die 15.000 Fuss festgelegt worden, aber das Vorhandensein von Wolken erzwang eine Nachjustierung im Flug. Die meisten Bombenschützen mussten ihre Zahlen unterwegs neu berechnen. Einige Flugzeuge bombardierten aus der relativ niedrigen Höhe von 12.000 Fuss, was sie näher an das feindliche Flugabwehrfeuer heranführte und so die Belastung der Piloten erhöhte, die Flugformationen lockerte und die Gefahr von überfülltem Luftraum über dem Ziel erhöhte. Artillerie-Rauchmarkierungen erwiesen sich als wenig wertvoll, da sie erst dann sichtbar wurden, wenn der Rauch in grosse Höhen driftete und der Wind ihn zu diesem Zeitpunkt zerstreut und verdrängt hatte. Als der Angriff begann, verdeckten grosse Staub- und Rauchwolken nicht nur die Markierungen, sondern auch die Geländemerkpunkte. Ausserdem war der rote Rauch der Artilleriemarker kaum von Granaten- und Bombenexplosionen sowie vom Mündungsfeuer der amerikanischen und deutschen Artillerie zu unterscheiden. Weil es unmöglich war, die Bomber in der Formationen zu halten und weil die Besatzungsmitglieder von der Notwendigkeit beseelt waren, Kurzabwürfe [in die eigenen Truppen] zu vermeiden, landete ein Grossteil der Bomben südlich des Zielgebiets oder westlich und östlich davon. Einige Bomben fielen jedoch wieder nördlich der Landstrasse Périers-St-Lô und damit auf amerikanische Positionen.

Nach dem COBRA-Bombardement graben sich die Männer aus den "kurzen" [in die eigenen Reihen geratenen] Bombeneinschlägen aus.

 

Die Bomben fielen nördlich der Landstrasse wegen menschlichen Versagens. Der leitende Bombenschütze einer schweren Bomberformation hatte Probleme mit seinem Bombenzielgerät und wurde daher visuell mit schlechten Ergebnissen versorgt. Ein anderer identifizierte die Landmarken nicht richtig. Der Leitpilot einer dritten Formation warf vorzeitig Bomben ab und alle Flugzeuge seiner Einheit warfen darauf ihre Lasten auch ab. Splitterbomben und Sprengstoff von 35 schweren Bombern und die Bomben von 42 mittleren Bomberflugzeugen fielen innerhalb der amerikanischen Linien.

 

Dieses relativ leichte Bombardement nördlich der Strasse tötete 111 Mann der amerikanischen Truppen und verwundete 490. Ausserdem wurden einige Zuschauer, offizielle Beobachter und Zeitungsreporter getroffen. Generalleutnant Lesley J. McNair, kommandierender General der Army Ground Forces und ad interim Kommandant der 1st U.S. Army Group, wurde getötet.

 

 Als sich am 25. Juli die Nachricht vom zweiten kurzen Bombenangriff auf dem Schlachtfeld verbreitete, verflog das Gefühl der Vorfreude, das mit dem Erscheinen der COBRA-Bombardementsflotte aufgekommen war. Groll, dass die Luftwaffe "es wieder getan hatte" und Grimm über die gesunkenen Aussichten einer erfolgreichen Bodenaktion verbreitete sich in den amerikanischen Reihen. Verzweifelt und niedergeschlagen über die fast 900 Opfer der Bombenanschläge in den beiden Tagen, beschloss General Eisenhower, dass er nie wieder schwere Bomber in einer taktischen Rolle einsetzen würde.

 

In der Nähe des Ortes, an dem die "kurzen" Bomben gefallen waren, wurden die Truppen desorganisiert und in einigen Fällen wurden die Angriffspläne zerschlagen. Alle vier Angriffskompanien des 8. Infanterieregiments waren bombardiert worden.

 

Das Gefühl tiefer Entmutigung überschattete vorübergehend Fragen von unmittelbarer Bedeutung. Hatte die Bombardierung die deutsche Verteidigung im COBRA-Gebiet neutralisiert? Hatten die Bombenfehler die amerikanische Mobilität am Boden gelähmt, indem sie die Angriffstruppen demoralisierten? Die Antworten sollten bald bekannt werden. Kurze Bombenangriffe oder nicht, COBRA war gestartet worden; im Guten wie im Schlechten musste der Bodenangriff weitergehen.

 

[Blumenson geht der im Krieg entscheidenden Frage nach, ob das Bombardement den Deutschen geschadet hat und in welchem Ausmass es daher den Amerikanern nützte. Immerhin waren die deutschen Truppen durch die Luftangriffe des Vortages gewarnt und sie richteten sich danach ein, wozu die amerikanischen Soldaten keine Veranlassung sahen; sie waren auf dem Sprung nach vorn.]

 

 

Ground Attack


    Hoffnungsvoll, dass die COBRA-Bombardierung am Morgen des 25. Juli weitreichende Verwüstungen auf der deutschen Hauptwiderstandslinie verursacht habe, aber keineswegs sicher, dass das so war, zogen um 11.00 Uhr die Infanteristen des VII. Korps in die Attacke. Trotz der Desorganisation, die die Bombenangriffe ausgelöst hatten, vermochten nur zwei Einheiten, ein Regiment der 9. Division und ein Bataillon der 30. Division, nicht zur vollen Stunde angreifen; sie starteten aber mit nur geringer Verzögerung.

    Die Infanterieeinheiten, die den COBRA-Bodenangriff einleiteten, sollten einen geschützten Korridor für die Truppen schaffen, die einem Durchbruch folgten und ihn ausnutzen würden. Die Infanterie hatte daher die Aufgabe, so schnell wie möglich bestimmte geografische Ziele zu sichern. Kritische Geländemerkmale wie Anhöhen und Kreuzungen, die die Kontrolle über den Korridor gewährleisteten, waren jeder kleineren Einheit, die am Angriff beteiligt war, sorgfältig zugewiesen worden; die Angriffstruppen sollten zu ihren Zielen vorstossen, ohne Rücksicht auf die Vormarschgeschwindigkeit der benachbarten Einheiten. Sie sollten feindliche Stützpunkte umgehen und ihre Ausschaltung anderen überlassen, die später kommen würden. Die Geniesoldaten sollten die Vorwärtsbewegung unterstützen, indem sie eilig die Strassen reparierten und Hindernisse beseitigten. Jeder unnötige Verkehr sollte von den Strassen im Angriffsbereich ferngehalten werden. Die angreifenden Einheiten wurden von unwesentlicher Ausrüstung befreit, um die Marschzeit zu verkürzen. Die Truppen trugen zusätzliche Rationen bei sich, um den Nachschubverkehr auf ein Minimum zu beschränken. Sie sollten Verwundete und Gefangene an Ort und Stelle halten, wann immer es möglich wäre. Sie hatten genug Munition erhalten, um zu überleben, bis die die Bresche ausnützenden Panzerverbände durch ihre Reihen hindurch stiessen. Kommandanten oder verantwortliche Stabsoffiziere sollten jederzeit an den Funkgeräten der Einheit sein und sich auf das Kommandonetz einschalten, damit die mobilen Kolonnen sogleich mit der Ausnützung des Durchbruchs beginnen könnten. Sobald das angekündigt werde, solle die Infanterie die Hauptstrassen räumen und die ungehinderte Ausbeutung des Erfolges durch die mechanisierten Truppen ermöglichen (Karte V)

    Die Städte Marigny und St. Gilles waren die Hauptziele der Infanterie. Ihre Ergreifung würde ein Eindringen von drei Meilen in die Tiefe bedeuten, und ihre Beibehaltung würde dem VII. Korps die Kontrolle über das für die Ausbeutung erforderliche Strassennetz geben. Hätte der Luftangriff die deutschen Verteidigungsanlagen zerstört, würde die Infanterie Marigny und St. Gilles ohne große Schwierigkeiten erreichen und sichern. General Collins würde dann seine Panzer nach vorne katapultieren.

Durchbruch 25.-27. Juli 1944  (vergrössern)