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General Eisenhower, Winston Churchill, and General Omar Bradley engage in target practice in England, April, 1944

oder

Besuch eines hohen Politikers im Feldlager: Was soll man mit ihm anfangen, da er nun einmal da ist  ...und stört ?

 

 

 

 

 

 

Die Vierte trainiert in England

Quelle S. 18/19

Als die Männer der Vierten in der an der Irischen See gelegenen Hafenstadt Liverpool an Land gingen, wurden sie bereits im Hafen mit dem Krieg konfrontiert. Überall ragten rauchgeschwärzte Trümmer von privaten und geschäftlich genutzten Häusern und von Docks aus dem Boden. Bombenkrater säumten den Weg der Soldaten vom Schiff zum Bahnhof. Der Krieg zeigte seine hässliche Fratze. Hass begann in den Herzen zu keimen. Eine zwar rauhe, aber einigermassen sportliche Begegnung würde es nicht werden; das war nun jedem klar.

 

Stationierungen und Inspektionen

 

Die Vierte bezog in verstreuten Dörfern der Grafschaft Devon

Quartier. Ich nehme an, dass die meisten Soldaten in Sheltern hausten. Das Hauptquartier der Division war in Tiverton, nahe bei Exeter.


Ob in einer wellblechernen Notunterkunft zu wohnen oder in dem, was sich wohl ein englisches Schloss nennen dürfte, beides war für die Leute der Vierten und ihren 55jährigen Kommandanten nach der Landung für mehr als ein halbes Jahr die wohl komfortabelste Unterkunft. Aber daheim bei Mum wäre es noch bequemer.

 

Das Hauptquartier wurde am 15. Mai 1944 nach South Brent verlegt. Was diesen Schritt veranlasste, konnte ich nicht eruieren; vermerkt wird in der Order of Battle (S. 48) lediglich die Tatsache. South Brent liegt allerdings weniger als 30 Kilometer vom Hafen von Dartmouth entfernt, wo die Vierte für die Invasion verschifft werden sollte.

Tiverton - South Brent - Dartmouth

In der Bucht südlich von Dartmouth liegt Slapton Sands, der Strand, wo die Landungsübungen gedrillt wurden.


Die Grafschaft Devon ist von dem der Division zugeteilten Landeplatz Utah luftdi­stanzmässig nicht weiter entfernt als von diesem die Stadt Paris. Umso mehr verwundert immer wieder die erfolgreiche Geheimhaltung der bevorstehenden Operation Overlord.

 

Es war noch nicht alles, was zur Division gehörte, von den Schiffen entladen, traf bereits der Oberkommandierende ein, um einsichtig zu machen, dass Zucht und Ordnung des amerikanischen Heeres samt dessen Hierarchie auch in Europa fortbeständen, dass also keiner auf die Idee käme, man sei hier auf Urlaub.

 

Wer eine Mütze trägt, gehört zu den Inspizierenden, wer einen Helm auf dem Kopf hat, zu den Inspizierten. Das hier sichtbare Zahlen-Verhältnis dürfte dem entsprechen, was hinter und was in der Front tätig war.

 

Der stellvertretende Divisionskommandant notiert in seinen Erinnerungen: "This was but the first of a series of inspection by distinguished British and American higher commanders." Man kann davon ausgehen, dass sie nicht kamen, um die Qualität der Feldküche zu beurteilen, sondern um - mit mehr oder weniger Erfolg - zu gewährleisten, dass die geforderten Standards in der Ausbildung und Vorbereitung der Landung in allen eingesetzten Armeen eingehalten wurden und äquivalent waren.

 

Zur Erinnerung: Montgomery inspizierte angeblich am 27. April 1944

das 22. US Infantry Regiment. Das war der Tag der grossangelegten Invasionsübung "Tiger", wo der Regimentskommandant anderes zu tun hatte, als leicht belämmert neben dem Inspektor zu stramm herumzustehen. Der in der Regimentskanzlei arbeitetende Sergeant Rothbart datiert den Besuch überzeugender auf den 14. April und schildert den Bezwinger des Wüstenfuchses Rommel respektvoll.

Quelle

"Heute schmiegte sich unser winziges Camp in das sanft ansteigende Farmland der Grafschaft Devon. Es hielt sich bereit, um erneut höchste Würden, Würdigungen und Würdenträger zu empfangen. Teile der Kompanien unseres Regimentes, die über 20 Meilen verstreut waren, trafen zu Fuss oder mit Lastwagen für die grosse Heerschau ein. Montgomery kam mit seinem mit der britischen Flagge bestückten Sedan an, durchschritt unsere Reihen und überschaute uns. Wir standen zwanglos da und guckten zu ihm. Er erschien uns klein und schlank. Sein Gesicht war schmal und zerfurcht. Seine Augen waren weit geöffnet und schienen ohne Ausdruck. Er richtete seine Worte an uns und kletterte zu diesem Zwecke auf die Motorhaube eines Jeeps. Er hiess uns, die Reihen zu brechen und uns rund um das Fahrzeug zu versammeln. Er drückte sich knapp aus und sprach in einer logischen, vernünftigen Art. Sein Tonfall vermittelte mehr Bescheidenheit als Draufgängertum. Er begann: "Radio und Zeitungen geben sich grosse Mühe, das abzuhandeln, was sie die 'Zweite Front' nennen." Das verwunderte den Sieger von El Alamein sehr, denn er hielt das, was ihm in Afrika gegenüber gestanden war, durchaus auch für eine Front. Offenbar verzähle man sich. "Im bevorstehenden Business werdet Ihr und ich, Amerikaner und Briten, Seite an Seite kämpfen. Ich wünsche mir, dass wir uns alle gegenseitig kennen und vertrauen. Die deutschen Soldaten sind felsenfest entschlossen, Hitler bis zum Ende beizustehen. Aber das deutsche Oberkommando ist schwach in seinen strategischen Optionen, viel schwächer als zu Kriegsbeginn und qualitativ dem alliierten Oberkommando unterlegen."

 

Eisenhower inspiziert das Infanterie-Regiment 8 und die Feldartillerie-Abteilung 29. Rechts neben Eisenhower: Regimentskommandeur Oberst Van Fleet, ein Westpoint-Jahrgangskamerad des Oberbefehlshabers

 

Zuteilungen von Spezialtruppen

 

 Mehr als die Inspektionen goldbekränzter Häupter und vor allem den Inspizierten gleichrangiger Experten und Spezialisten erfreuten die Kommandeure der Vierten die Zuteilungen weiterer kampfstarker Einheiten:

 

70th Tank Battailon

746th Tank Battailon

65th Armored Field Artillery Batailon

1106 Engineer Group  / 1st Engineer Special Brigade

377th Anti-Aircraft Artillery (Automatic Weapons) Battailon

87th Chemical Battailon Motorized

801st Tank Destroyer Battailon

899th Tank Destroyer Battailon

 

Von der Zuteilung des 746. Panzer-Bataillons weiss die Washingtoner Order of battle nichts, aber beide Einheiten bestätigen dies; man kann davon ausgehen, dass sie in der Praxis so gehandhabt wurde, auch wenn es die Archivare des US-Verteidigungsdepartementes negieren.

 

Quelle

Das 746th Battailon ging in New York am 29. Januar 1944 an Bord der RMS Aquitania und kam im schottischen Gourock am 9. Februar an. Mit der Eisenbahn wurde es hierauf nach Fairford (England) gebracht. Im März verlegte man das Bataillon nach Castlemartin Range, Pembrokeshire, South Wales, wo der scharfe Schuss und das Manöver im Kompanie-Verband und darunter geübt wurde. Gleiches trainierte die Panzer-Einheit in Südengland in Vorgaben, die den amphibischen Operationen in der Normandie entsprachen. Die Aufzählung der Standorte dieses einzelnen Bataillons ergibt eine Vorstellung vom gewaltigen logistischen Bedarf einer solchen Armada.


Standorte des 746. Panzer-Bataillons Februar - Mai 1944

 

Quelle

Das 899. Panzerjäger-Bataillon  gehörte vorerst zur 9. Division. Es war von Texas nach Französisch-Marokko verlegt worden und am 25. Januar 1943 in Casablanca angekommen. Es hatte also in Nordafrika bereits ein Jahr Kriegserfahrung erworben. Am Sizilien-Feldzug nahm es nicht teil; im Hafen von Neapel wurde es nicht an Land gebracht, sondern nach Schottland umgeleitet. Von dort brachte man es zum Training nach England in die Ebene von Salisbury. Stationiert war es in Danebury bei Stockbridge

 

Üben, üben, üben....

Quelle

Das 22nd Infantry Regiment ist das einzige der drei Infanterie-Regimenter, das etwas über die Zeit in England berichtet, was in Anbetracht der eingeschärften Geheimhaltung wenig überrascht. Die Double Deucers (Regimentssspitzname) wurden gleich nach der Ankunft in Europa einem in seiner Intensität sich steigernden Trainingsprogramm unterworfen, nachdem bekannt geworden war, dass die Division an den amphibischen Operationen teilnehmen werde. Die Übungen bezogen sich konsequenterweise vor allem auf dieses Thema.

 

Zum ersten Mal seit vier Jahren wurde das Regiment aufgeteilt, allerdings innerhalb der Grafschaft Devon. Das erste Bataillon unter Oberstleutnant John F. Ruggles wurde nach Newton Abbot geschickt, das zweite unter Oberstleutnant John Williams war in Denbury Camp einquartiert und das dritte unter Oberstleutnant A.S. Teague war in South Brent stationiert. Das 3. Bataillon durchlief Spezialinstruktionen in der Landungstechnik in Braunton.

 

Das genaue Datum der Invasion in Frankreich drüben war den beteiligten Truppen nicht bekannt. Das blieb so bis in der Nacht vor der Operation selbst. Aber allen war klar, dass sie in Reichweite stand. Der Regimentsstab und im Turnus die Bataillonsstäbe wurden mit gerade so vielen Details vertraut gemacht, wie sie dies für ihre Planung unumgänglich benötigten. Daher wurden Kommandozentralen mit Stacheldraht abgeriegelt und streng bewacht. Alles, was mit den Landungsoperationen in Verbindung gebracht werden konnte, unterstand höchster Geheimhaltung.

 

Während sich das auf die Landung ausgerichtete Training fortsetzte, stieg die Spannung. Die Invasion war schliesslich der Endzweck allen Übens.

 

Was hier für das Infanterieregiment 22 dargelegt wurde, galt a fortiori für die Vierte als Ganzes. Die Ivy Division war nach England gebracht worden, weil der revidierte Invasionsplan eine Erweiterung der Landungszone vorsah. Während vier Monaten intensivierte die Vierte ihr Training im Hinblick auf die bevorstehende Aufgabe. Sie nahm an simulierten Landungen teil, namentlich an der Küste von Slapton Sands.

 

"At 'Sunny Devon', Joes rehearsed Normandy landings time and time again on the beach at Slapton Sands." So steht's in der saloppen Divisionsgeschichte "The Famous Fourth". Werden die Deutschen dort mit Heinis benamst, so sind die eigenen Soldaten die "Joes". Es schimmert aber auch durch den euphorischen Stil hindurch, wie verdriesslich das unablässige mühselige Training war.


Tagebuch eines Soldaten

 

Ich bin auf das Tagebuch eines Soldaten des 22. Infanterie-Regiments gestossen. Das Werk hat literarischen Wert; der sensible Autor ist kein "Frontschwein". "He was always an intellectual, and he knew there was going to be a lot of boring times in the Army and he wasn't a drinker or gambler. And he said he wanted to end up with something worthwhile at the end," schildert ihn seine Witwe. David Rothbart arbeitete hinter der Front in der Kanzlei und hatte mit der Zuteilung der Leute zu tun. Es war ihm durchaus bewusst, dass er somit daran beteiligt war, Männer in den sicheren Tod zu schicken, während er überlebte. Am 28. April 1944 erlitt die Division schwere Verluste.

Sgt David Rothbart, World War II 22nd Infantry Regiment,

4th Infantry Division, Mondorf, Luxembourg, December, 1944


Quelle

Am 30. April notiert Rothbart, seit einer Woche sei das Regiment für eine Übung unterwegs. Er weiss nichts von der Katastrophe, welche die Truppe zwei Tage zuvor erlebt hat. Am Regimentsstandort ist nur eine Rumpfmannschaft zurückgeblieben. Er beschreibt das Wetter als warm und sonnig. Er habe die angenehmste Zeit seit seinem Eintritt in die Armee in dieser vergangenen Woche verbracht. Die Tätigkeit der Zurückgebliebenen bestand im Sonnenbaden. Sie lasen Zeitungen und Zeitschriften aus den USA. Die Ausgabedaten lagen zwar einiges zurück. Man wartete auf Nachrichten des Regiments. Jeden Tag flogen allierte Flugzeuge über ihre Köpfe weg, wenn sie den Kanal überqueren wollten oder von dort zurückkamen. In der Nacht kamen gelegentlich auch feindliche Maschinen. Die paar Soldaten im Regimentscamp störte das in ihrem Schlaf der Gerechten so wenig wie das ferne Feuer der Bordwaffen und das Detonieren der Bomben, die auf entfernte englische Städte fielen.

 

Es lohnt sich dennoch, im Tagebuch dieses Bürofuchsers zu blättern:

 

Am 29. Januar fuhren die amerikanischen Landratten in den riesigen Hafen von Liverpool ein. Sie durften an Deck die komplizierten Landemanöver verfolgen. Per Lautsprecher belehrte man sie, dass die zweitmeistbombardierte Stadt Grossbritanniens vor ihnen läge, was auch sichtbar war. Man wies darauf hin, dass die Standorte der deutschen Flugwaffe weniger als eine Stunde entfernt seien, was für die aus den USA ankommenden GIs bis dahin fern der Vorstellung war. Die Soldaten sahen vom hohen Deck aus auch anderes: komisch kostümierte Bobbies und freundlich winkende Mädchen. Man klärte die Amerikaner auf, dass sie noch ein oder zwei Tage an Bord bleiben müssten. Wenn sie dann aber durch die Stadt gingen, sollten sie sich höflich betragen und den Entgegenkommenden auf dem Gehweg Platz machen. (Eine Ermahnung, welche die amerikanischen Eltern den orthodoxen Studenten der hiesigen jüdischen Hochschule auch mitgeben dürften. Aber die Zeiten ändern sich.) Die Höflichkeit mache aber beim Ausplaudern militärischer Vorgänge und Gegebenheiten Halt, wurde unmissverständlich gewarnt.

 

Als am 30. Januar Hafenarbeiter und amerikanische Militärpolizisten an Bord kamen, wurden sie gleich umringt von den GIs, die dringend notwendige Auskünfte über Frauen, Whiskey (nicht Whisky) und Wechselkurse benötigten. Die Pfundnote schien ihnen den Wert eines Butterbrotpapiers zu haben. Die ersten Missverständnisse bauten sich auf und einige lösten sich auf. Begleitet und umschwärmt von einer Schar ärmlich gekleideter, kaugummiheischender Kinder begaben sich die Soldaten mit ihrem schweren Gepäck am 31. Januar zum Bahnhof, der nur eine Viertelstunde entfernt war. - Görings Luftwaffe hatte offenkundig keine nachhaltige Arbeit geleistet. - 12 Stunden durchquerte das Regiment in finsterer Nacht im Zug England. Rothbart fühlte sich um den Genuss der Landschaft betrogen. Immerhin gab der britische Zugbegleiter viele Erläuterungen zur vorbeiflitzenden Landschaft. Die zum Schutz gegen Fliegerangriffe verdunkelten Städte waren nur dank des Mondlichtes zu sehen.

 

Die Ankunft am Standort im Südwesten Englands brachte neue Überraschungen. Viele GIs liessen sich Schnurbärte wachsen, um sich nicht lange beim Rasieren in den seltsamen "Ablutions and Water Closets" aufhalten zu müssen. Am meisten vermisste Rothbart die amerikanische Soldatenstube (Service club), wo man selbst in den abgelegensten Camps noch etwas Privatsphäre genossen hatte und auch dem Kommiss-Frass ausweichen konnte. Hier gab es nichts anderes, als G.I. Food, was man allmählich auch zu schätzen begann, "except for flat-tasting buns with unsweet cocoa or tea that may be purchased at the Church Canteen, a civilian organization that tries its best but cannot begin to pacify the cravings of our pampered palates." Überhaupt scheint gesunder Zynismus die Soldaten bei Laune gehalten zu haben. Rothbart gibt Beispiele dieses Soldatenwitzes, die von fremdsprachigen Nichtbeteiligten nicht bis in die letzten Gedankensprünge verfolgt werden können. Schon ab Anfang Februar sind die Briefe, welche an die Lieben in der Heimat gesandt werden, der Zensur unterworfen. Sie ist befugt, geografische Angaben über den Aufenthalt des Absenders, soweit sie präziser sind als "irgendwo in England" mit der Rasierklinge aus den Heimweh-Briefen zu kratzen. Der mit dieser Kontrolle beauftragte Leutnant wird stündlich mit neuen Instruktionen überhäuft. Rothbart beschreibt mit Galgenhumor die Selbstzensur der Briefschreiber, die wesentlich einschneidender ist als die amtliche, denn jeder hütet sich, Intimes, das gewiss nicht für fremde Augen bestimmt ist, schriftlich festzuhalten. - Auch am 5. Februar funktionierte das Lagerleben in den bezogenen Kantonnementen (Baracken) noch nicht, denn die Ausrüstung war immer noch auf den Schiffen! Rothbart anerkennt, dass einige Wochen der Untätigkeit hinter den Wehrmännern lagen wie nie zuvor. Nun aber kamen vom neuen Oberkommando Eisenhowers Instruktionen, welche die bisherigen Ausbildungsziele variierten. In der Gegend spazieren zu gehen sei aber nicht vorgesehen gewesen, zumal die hügelige Landschaft auch gar nicht dazu eingeladen habe. Auch mit den Freuden des Ausgangs war's nicht weit her. Am 6. Februar begab sich Rothbart nach Newton Abbot. Es war bereits dunkel und im Städtchen war kein Licht auszumachen. Endlich begegnete der amerikanische Sergeant einer Zivilperson. Sie klärte ihn auf, dass alle Einwohner mit der untergehenden Sonne schlafen gingen.

 

Angehörige der Stabsbatterie der 29. Feldartillerie-Abteilung mit einem Bobby in London im März 1944, wo die Geheimhaltungsgebote offenkundig den Ausgangsrayon noch nicht erheblich beschränkten.

 

Quelle

Sergeant Rothbart entging auch der Gleichmut der Engländer nicht, mit dem sie die Erschwernisse des täglichen Lebens durch die Rationierung, durch die Einschränkung der Bewegungsfreiheit und durch die nächtlichen Bombardierungen auf sich nahmen. Er konnte das mit der unbegründeten Hysterie vergleichen, die gelegentlich drüben durch die Staaten fegte. - Am 12. Februar begleitete der Sergeant einen Hauptmann im Jeep auf dem Weg zu einer 40 Meilen entfernten Stabskompanie. Der Fahrer hatte enorme Mühe, dass hochhackige und deshalb bezüglich Bodenhaltung recht gefährliche Fahrzeug auf der klippen- und nadelkurvenreichen, engen und schlecht unterhaltenen Strasse so zu beherrschen, dass es sich nicht samt den Passagieren über die steilen Abhänge hinunter überschlug. Die Amerikaner überlegten sich, während sie sich bemühten, sich im rüttelnden Gefährt festzuhalten und sich vor dem bissigen Wind zu schützen, dass die Deutschen wegen dieses Geländes etwelche Schwierigkeiten hätten, hier zu landen. Wie würde es drüben in der Normandie sein?

 

In den USA war die Vierte eine Vorzeige-Division. In England, wo Verbände mit ihr trainierten, die in Nordafrika, auf Sizilien und in Italien schon brutalste Kriegserfahrungen geerntet hatten, musste sie sich die Reputation, die hier zählte, erst erwerben. Das bekamen die Kader bis hinunter zum Sergeanten zu spüren. - Tief beeindruckt waren die Amerikaner vom Einbezug der Bevölkerung - gleich ob Mann, ob Frau oder ob Kind - in den Krieg. Jeder und jede und jedes konnte zu jeder Tätigkeit verpflichtet werden, gleich ob diese nun an der Front, in der Wirtschaft oder der Landesversorgung zu erbringen war. Ungehorsam wurde mit drastischen Strafen verfolgt. Die Amerikaner staunten, dass Streikes wegen der Kriegswirtschaft verboten waren, aber sie lasen die englischen Zeitungen und konstatierten, dass der Arbeitsfriede nur ganz oberflächlich war und der Streit zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern weiter kochte. Aber auch die gegenseitigen Vorurteile zwischen Briten und Amerikanern trieben weiter ihre Blüten. Man billigte sich gegenseitig zu, die andere Seite sei eine Demokratie, aber die Briten hielten die Überseer für dekadent, die Amis fanden, die Briten seien versnobt und wollten damit nur die überlebte Klassengesellschaft erhalten. Oberflächliche, unreflektierte Vorurteile sind schlechte Voraussetzungen für eine Zusammenarbeit in einer überaus schwierigen militärischen Operation.

 

In der Nacht des 16. Februars - die Vierte war noch keine drei Wochen hier - kam es in Newton Abbot bereits zur ersten handgreiflichen Auseinandersetzung zwischen schwarzen und weissen Angehörigen der US Army, nachdem der Tanzabend in St. Mary's church beeendet war. Nackte Fäuste, Messer, Blackjacks und andere Handwaffen gelangten zum Einsatz. Der Grund lag darin, dass in der Nacht zuvor ein schwarzer Soldat, ein "Negro soldier", von einem wilden Haufen Weisser verprügelt worden war. Nach der Abreibung liessen sie ihn in einem Hauseingang liegen. Eine Auseinandersetzung dieser Art war zu erwarten gewesen. Schwarze kamen bei den Weissen in der Sympathierangfolge nur ganz kurz vor den Nazis und den Japanern. Engländerinnen wollten im Allgemeinen mit den Schwarzen nichts zu tun haben; also behaupteten etwas Hellhäutigere unter ihnen, sie seien Indianer... Im konkreten Falle war allerdings - cherchez la femme - ein besonders attraktives Girl den einfältigen Sprüchen weisser Soldaten damit begegnet, dass sie die sexuelle Überlegenheit ihres prächtigen schwarzen Begleiters lobte. Das war dann zu viel... Eine bemerkenswerte Gesinnung einer Truppe, die sich daran machte, Europa vom Hitler'schen Rassenwahn zu befreien!

 

Two blackjacks and a hinged club on display at Bedford Museum

 

Im verdunkelten Baracken-Lager spielten in der freien Zeit bis zur Nachtruhe die Soldaten miteinander Karten. Andere hörten dem Kompanie-Kalb zu, der seine sprachliche Behinderung damit überspielte, dass er zur Belustigung seiner Zuhörer den Tagesablauf kommentierte und seine Eulenspiegeleien zum Besten gab, indem er sich namentlich über unbeliebte Vorgesetzte lustig machte.

 

Wem die karge Unterbringung und die harte Disziplin nicht passten und wer auf bessere Zeiten hoffte, der wurde von Soldaten der Divisionen, die bereits seit längerer Zeit im Krieg gestanden hatten, eines Besseren belehrt. Sie hatten nie in so komfortablen Baracken gelebt und von einem kameradschaftlichen Pfadfinderleben würde keine Rede sein; GI bleibe GI: die strenge Unterordnung ändere sich auch unter feindlichem Feuer nicht.

 

Tagebucheintrag vom 6. März: Die Nervosität steigt. Ein Soldat schiesst dem schlafenden Oberfeldweibel zwischen die Augen. Rothbart resigniert, Gleiches zu tun. In der Stadt werden die Verhältnisse immer schlimmer. Letzte Nacht wurden in Torquay vier weisse GIs in der Dunkelheit von einem Dutzend Farbigen in eine Ecke getrieben und zusammengeschlagen. Rothbart findet, es diene der "Negro cause" nicht, wenn Schwarze wahllos Weisse zusammenschlügen, aber es gehe offenbar um ein nationales Problem, mit dem die USA noch einige Zeit zu leben hätten... Wie wahr!

 

25. März: Exakt um 10:30 Uhr geht ein älterer, ergrauter Engländer mit einer Ledertasche an der Seite ausrufend durchs Camp: "Express, Harald, The People, Daily Sketch, News Chronicle, Reynold's News, and Mirrors!" Die Nachrichten werden von den Soldaten mikroskopisch genau gelesen. Als Soldat an diesem einzigartigen Weltgeschehen teilzunehmen, war nicht genug. Man wollte auch die Zusammenhänge verstehen: den sozialen Impakt und das politische Spiel, alles was über das Gun-play hinaus ging, über dieses Handwerk, das man nun zu beherrschen meinte. Militärisch schien den uniformierten Zeitungslesern die Zeit für die von Stalin geforderte "zweite Front" gekommen zu sein. Die amerikanischen Soldaten waren siegesgewiss. Ein Scheitern war für sie gar nicht denkbar. Warum noch zuwarten? Landen - siegen - ins Zivilleben zurückkehren! Warum also die Zeitverschwendung? - Den vielen wartenden Soldaten war aber auch klar, dass es keinen solch unzureichenden Frieden mehr geben dürfe wie nach dem Ersten Weltkrieg. Der Friedensschluss müsse langfristig angelegt sein: in demokratischer, sozialer und wirtschaftlicher Hinsicht.

 

Am 28. März vermutet Rothbart, das bevorstehende einwöchige Landungsmanöver der Division sei wohl die letzte "Trockenübung" vor dem Ernstfall. Es sollte alles geprüft werden, was bisher trainiert worden war. Jeder müsste jetzt wissen, welcher Platz und welche Aufgabe ihm zugewiesen sei. Er selbst bewahrte seine Funktion in der Regimentskanzlei und rechnete daher nicht mit einem Fronteinsatz. Er durfte darauf zählen, dass ihm mehr Sicherheit gewährt sein werde als den vorausgehenden Staffeln. Die Kanzlei hatte dafür zu sorgen, dass die Regimentsakten nicht in Feindeshand gerieten. Sie waren seit Ankunft in Europa nicht mehr bloss als "vertraulich", sondern als "geheim" klassifiziert. Die grosse Distanz zur Frontlinie habe ihn, gesteht Rothbart freimütig, nicht betrübt. Aber er habe sich deswegen weder hämisch gefreut noch sich schuldig gefühlt. Schliesslich habe er doch erwarten müssen, dass Artillerie- und Fliegerbombardemente sich auch direkt den rückwärtigen Verbindungslinien zuwenden würden.

 

Trotz der bevorstehenden grossen Übung erhielt Rothbart am 5. April seinen - ersten - Londonurlaub. Er war auf 48 Stunden bemessen. Der Sergeant fuhr mit dem Zug hin. Dank umsichtiger Vorbereitung gelang es ihm, alle touristischen Sehenswürdigkeiten zu besuchen. Die Vogelschau verschaffte er sich von der Kuppel der St Paul's Cathedral. Die sichtbaren Spuren der deutschen Bombardemente waren recht unterschiedlich. Der Amerikaner machte eine gewisse kriegsbedingte Schäbigkeit aus, durch die aber Vorkriegs-Luxus durchschimmerte. So empfand er die Untergrundbahn Londons als luxuriöser als jene New Yorks. Es gelang ihm, zu einem guten Essen und, was ihn noch mehr freute, endlich zu einem Lagerbier zu kommen. Er vermutete, beides seien Produkte des Schwarzmarktes, der hier so wie in den Staaten drüben floriere. Im Restaurant in einer Nebenstrasse traf er einen Soldaten, der eine britische Uniform mit der Aufschrift "Poland" auf dem Ärmel trug. Er stellte sich als jüdischer Deserteur der polnischen Exilarmee vor, der vor den dortigen antisemitischen Ausschreitungen geflohen sei, um in die reguläre britische Armee überzutreten.

 

Sergeant Rothbart übte eine Funktion aus, die einem Offizier zustand. Aber er war unter dem Druck, dass er bei Fehlleistungen zu den gewöhnlichen Soldaten versetzt werden konnte. Dieser Druck verschärfte sich aus personellen Gründen, denn jeder Kommandant war geneigt, ungeeignete Unterführer in den rückwärtigen Raum zu versetzen, wo sie dann genau solche Funktionen bekamen, wie sie Rothbart innehatte. Das veranlasste ihn zu Betrachtungen, die der Entwicklung des bekannten "Peter-Prinzips" gleichkommen. Ob es allerdings militärische Führer von mehr als 1'000 Mann gegeben hat, die keine Landkarte zu lesen verstanden, ist nicht wissenschaftlich erwiesen, wenngleich Rothbart dies bezeugt. Mit Genugtuung berichtet der Wachtmeister von einem Anpfiff, den sich ein eiserne Disziplin einfordernder "Westpointer" von einem Dreisterngeneral einhandelte, er würde nicht einmal ein guter Sergeant abgeben.

 

Den eigentlichen Angriff der Vierten auf die deutsche Küstenbefestigungen sollte die 1st Engineer Special Brigade unterstützen, weshalb Leute dieser Brigade an der Planung und an den Landeübungen teilnahmen. Der Verband bestand aus dem 531st Engineer Shore Regiment, dem 591st Engineer Boat Regiment und dem 2759th Engineer Combat Battalion. Diese Truppen waren bereits hocherfahren und bewährt; sie hatten erfolgreich an den Landungen in Nordafrika, Sizilien und Italien teilgenommen. Offiziere und Mannschaft der Vierten konnten für die bevorstehende Aufgabe von diesen Leuten nur lernen. "Much of the credit for the success of the operation is due the 1st Engineer Special Brigade and the 531st Engineer Shore Regiment which was a component of it," bezeugte ein Beobachter der bald folgenden Operation an der Utah-Beach.

 

Invasionstraining an der englischen Küste:

Amphibische Übung vor dem Strand


Quelle

Die Bucht von Slapton Sands war optimal für das Training der Landung an der Utah Beach, denn die Ufer- und Geländegestaltung gleichen sich einigermassen. Es gab nur ein Problem: Man wusste für die notwendigen kombinierten Übungen noch nicht, welche Verbände und Einheiten miteinander und wozugegen angreifen sollten, denn die Operationspläne für diese Stufe waren erst anfangs März 1944 fertiggestellt. Die 1st Engineer Special Brigade vollzog in den beiden letzten März-Wochen sieben gemeinsame Übungen mit Elementen der 4th Infantry Division. In die ersten vier waren Genie-Detachemente involviert, die mit Landungsteams auf Bataillonsstufe kooperierten; die nächsten beiden spielten sich auf Regimentsebene ab, wobei auch Luftlandetruppen und die Luftwaffe teilnahmen. Die siebte Übung war die Generalprobe für die Landung an der Utah Beach.


Quelle

Nicht einfach war die Situation für das 377. Fliegerabwehr-Bataillon, welches der Vierten zugeteilt war. Die Flak-Soldaten bewältigten die zahlreichen doktrinären Ressourcen- und Trainingsprobleme, welche im Nordafrika-Feldzug noch zu schaffen gemacht hatten. Die Einheiten wurden so aufgebaut und geschult, dass sie einen mobilen Krieg führen konnten. Man ging davon aus, dass die Verbesserung der Feuerkontrolle auch eine verbesserte Präzision ergebe. Somit könne ein verteidigter Raum nur durch eine Massierung der Einheiten erlangt werden. Die Kommandostruktur gewährleistete dieses Massieren der Kräfte, soweit dies erforderlich war. Mit der Gesamtheit der Ausrüstung, der Munition, des Übungsgeländes und der Zeiteinteilung waren die Einheiten, welche am D-Day teilnehmen sollten, überlegen geschult; unter den Beteiligten war dies die einhellige Meinung. Manöver mit der Army Air Force wickelten sich in einem Geist der Zusammenarbeit ab, wodurch signifikante Verbesserungen erzielt werden konnten. Dennoch blieben nie gelöste Probleme bestehen, namentlich in Bezug auf die Sturmlinie der unterstützten Truppen.

 

Das Hauptproblem blieb die Festlegung der Rolle, welche die Fliegerabwehrwaffe in der Division zu spielen hatte. Flak-Verbände waren der Vierten immer nur zugeteilt und gehörten nicht zu ihren Stammeinheiten. In England liessen die Erfordernisse der Ausgabe und Nachrüstung des Materials, die Führung des Einheitsfeuers, die Schulung der Beweglichkeit und die amphibischen Übungen keine Zeit für kombinierte Übungen mit den Combat Teams (verstärkte Infanterie-Regimenter). Trotz der Anwesenheit der zahlreichen guten Fliegerabwehr-Soldaten dachte mancher Übungsleiter, die Flab sei nur da, um im seltenen Fall deutscher Fliegerangriffe verwendet zu werden. Dabei verfügte die Waffengattung über schwere Maschinengewehre, deren sich die zuständigen höheren Infanterieführer nie bedienten. - Im Aufsatz "The First Antiaircraft Artillery Command: Fires Prepared, Not Adjusted", dem diese Darlegungen entnommen

sind, wird darauf hingewiesen, dass sich diese Situation nach dem D-Day noch verschlimmert habe. Die Aktivitäten der deutschen Luftwaffe waren bescheiden. Die kaum zum Einsatz gelangenden amerikanischen Flak-Soldaten fühlten sich isoliert.

 

Oberstleutnant George Fisher des 377th AW (Automatic Weapons) Battalion, kämpfte hart, um innerhalb der Vierten für seinen Verband einen angemessenen Platz zu erobern. Mit grossem Engagement und Einsatz sorgte er persönlich an der Front dafür, dass seine mit 40mm-Maschinengewehren ausgerüsteten Mannschaften direktunterstützend zu Gunsten der Infanterie - und nicht bloss als Schmalspur-Artillerie - eingesetzt wurden.

 

Quelle

Thema der Ausbildung des 899. Panzerjägerbataillons war selbstredend das gründliche Einexerzieren der kommenden Landung auf dem Kontinent - und zwar für den einzelnen Mann wie auch für jede Einheit. Grosses Gewicht wurde neben dieser Ausbildung für den Primäreinsatz als Panzerabwehr auch auf die Vorbereitung der Verwendung als Verstärkung der Artillerie gelegt. Trainiert wurde auch der Einsatz als Direktunterstützung von infanteristischen Attacken. Die Leute wurden gründlich geschult in der Landungstaktik mit amphibischen Fahrzeugen. Der Stab arbeitete einen Plan für die Kooperation mit der 82nd Airborne Division aus. Intensiv wurde anhand von Karten und Fotos das Terrain studiert und analysiert, welches voraussichtlich dem Bataillon in der Invasion zugewiesen sein würde, so dass die Truppe für jede Eventualität gewappnet war. Nachdem das Training abgeschlossen und die Ausrüstung komplettiert war, blieb als letzter Schritt nur noch die Überfahrt.

 

Landungsmanöver an der südenglischen Küste

 

Die Generalprobe misslingt

General Blakeley, der Stellvertreter des Divisionskommandanten der Vierten, notierte (S. 18), der Operationsplan gegen Hitlers Atlantik-Wall sei nun greifbar geworden und der Termin bestimmt. Ich nehme allerdings an, dass er selbst diesen nicht gekannt hat. Jeder verfügbaren Stunde sei eine spezielle Aufgabe zugeteilt worden. Jede von ihnen habe der Bereitschaft im Hinblick auf diesen Stichtag gedient. Der Strand von Slapton Sands sei von Zivilpersonen geräumt worden. Der rückwärtige Raum sei von einer Wasserfläche bedeckt gewesen, weshalb er dem ähnlich gewesen sei, den die Deutschen auf der Halbinsel Contentin als Hindernis für die Invasoren geflutet hätten. In diesem Gelände wurden Landeübungen durchgeführt, angereichert mit unterstützendem Flottenfeuer, aber auch öfters unter deutschem Beschuss aus der Luft und von Schnellbooten aus. Erste Verluste durch Feindeinwirkungen habe die Division anfangs Mai bei abschliessenden Übungen erlitten, als im Schutze der Dunkelheit deutsche E-Boats zugeschlagen hätten. - Man kann die Dinge auch so darstellen. Das wahre Geschehen unterstand wohl der Geheimhaltung, die auch der Offenlegung der amerikanischen Fehlleistungen zugute kam.

 

Unnütz war das ständige Einexerzieren nicht. Aber dennoch lief in einer "Hauptprobe" hier an den Slapton Sands so ziemlich alles schief. Die Verluste überstiegen 1000 Mann. Sie waren in das Feuer der eigenen Schiffsartillerie und der die Küstenabwehr Markierenden geraten. Die britisch-amerikanische Kooperation und Koordination war - soldatisch ausgedrückt - hundslausig. Alles andere jedenfalls, als sie Montgomery kurz zuvor auf der Jeep-Kühlerhaube beschworen hatte. Die Führung versagte total. Zu allem Überfluss mischte auch eine Flotillie von neun torpedobestückten deutschen Schnellbooten mit, die ohne eigene Verluste den Alliierten erheblichen Schaden zufügte, ohne aber zu erfassen, was hier vorging. Geheimnisträger gerieten keine in Gefangenschaft. Der Sanitäts- und Rettungsdienst war miserabel organisiert. Auch viele Soldaten erwiesen sich trotz der unzähligen Übungen als ihrer Aufgabe nicht gewachsen. Sie verhedderten sich beim Anziehen der Schwimmwesten!

 

Das alles geschah am 28. April 1944. Bis zur Landung blieben Eisenhower und allen seinen Unterführern noch genau sechseinhalb Wochen, um die gravierenden Mängel auszubügeln.

 

Die gründlich misslungene Operation erhielt in der Geheimhaltung so hohen Vorrang, dass ergiebigige Informationen spärlich und Legendenbildungen zahlreich sind. Insbesondere bekam ich die Frage, ob die Vierte am Desaster beteiligt war, von deren eigenen Berichterstattern nicht beantwortet. Es war mir aber klar, dass gerade diese Division zur Übung "Tiger" (sic!) gehört, denn es war "ihr" Übungsplatz und dessen Topographie war der Utah-Beach, wo die Division zum Einsatz kommen sollte, ziemlich ähnlich.


Quelle

Das abschliessende, siebte Manöver stand unter der Leitung des VII. Korps. Es trug den Decknamen "Tiger". Es nahmen 25'000 Mann aus der Vierten, aus der 1st Engineer Special Brigade und aus Luftlandeverbänden teil. Es dauerte neuen Tage: vom 22. bis zum 30. April 1944. Die ersten sechs waren der Bereitstellung und dem Verladen reserviert. Am 28. April um 06.30 Uhr war an den Slapton Sands die Landung vorgesehen. Bei solchen Übungen, die möglichst wirklichkeitsnah sein sollen, kommt den den Gegner markierenden Truppen grosse Bedeutung zu. Diese heikle Aufgabe übernahmen realitätskonform, wenn auch nicht geplant die Deutschen selbst. Um 01.30 Uhr fuhren acht voll beladene Landungsschiffe (LSTs) westwärts, dem vorgesehen Landungsplatz zu. An Bord waren u.a. Truppen der Vierten und des Hauptquartiers des VII. Korps. Auf der Höhe des aus dem Ärmelkanal ragenden 2 km breiten und 6 km langen Kalksteinfelsens Portland versenkten deutsche Schnellboote mit Torpedos zwei der Landungsschiffe. Ein drittes beschädigten sie so schwer, dass es nach Dartmouth zurückkehren musste. Die Maschinengewehre der deutschen Boote schossen auf die Leute auf den Decks der amerikanischen Schiffe und auf die im Wasser Treibenden. Die Disziplin an Bord soll miserabel gewesen sein. Einer der Kommandanten urteilte allerdings, die Offiziere könnten nicht von ihren Mannschaften erwarten, cool zu bleiben, wenn sie selbst "seem to go completely crazy".

 

The German Schnellboot ("E-boat") S 204 flying a white flag of surrender at the coastal forces base


Das amerikanische Landungsschiff LST 531 soll 1026 Matrosen und Soldaten an Bord gehabt haben, von denen nur 290 überlebten. Gesamthaft betrugen die amerikanischen Verluste 749 Tote und über 300 Verwundete. Sie waren grösser als bei der Landung an der Utah Beach! 413 Tote und 16 Verwundete stammten aus der 1st Engineer Special Brigade, deren 3206st Quartermaster Service Company ausgelöscht wurde; sie musste für die Landung komplett ersetzt werden. Kaum weniger betroffen war die 557st Quartermaster Railhead Company. Die beiden Kompanien befanden sich an Bord des gesunkenen Landungsschiffes LST 507, weshalb anzunehmen ist, dass die einleitende Erwähnung der Verluste von LST 531 auf einer Verwechslung mit denen von LST 507 beruht. Diese - wahrscheinliche - Fehlleistung verwundert bei der Geheimhaltung und dem späteren Nicht-wissen-wollen (Ken Small: "The Forgotten Dead") nicht. Folgerichtig und einigermassen plausibel erscheinen mir die Darstellungen der Geschehnisse in World Naval Ships Forums oder in Combined Operations Command.

 


General Bradley beobachtete das Desaster von einem küstennahen Infanterie-Landungsboot LCI aus. Er war "disturbed". Die anschliessende, in wohl weniger getragenem Englisch geführte Aussprache mit dem Korps-Kommandeur führte, wie in solchen Fällen üblich, zu Ablösungen in der nächstunteren Kommandostufe.

 

Überzeugend viele Lehren wurden nicht gezogen, denn kurz darauf begannen die Manöver "Fabius", wo die 1. und die 29. Infanterie-Division an der Küste von Slapton Sands landen mussten, einem Gebiet, das nicht dem entsprach, was diese Truppen an der Omaha Beach erwartete. Die Leute bezahlten das am D-Day bitter.

 

 

Aus der Sicht der unteren Chargen sahen die Lehren so aus:

"Es wurde berichtet, dass viele Soldaten und Matrosen ihr Leben verloren, weil sie das Schiff nicht verlassen wollten. (- Nicht gerade die angestrebte mentale Haltung von angehenden Invasoren! -) Als wir in unsere Unterkunft in Salcombe Estuary zurückkamen, sagte man uns, dass wir nun auf das Verlassen des Bootes gedrillt würden. Das Wasser wies eine Temperatur von 56° Fahrenheit ( 13° C) auf. Der Befehl wurde bei den Offizieren und bei der Mannschaft gleich wenig geschätzt. Wie auch immer: Es wurde ein Landungsboot vom Typ LCVP bereitgestellt, um die Leute aus dem Wasser zu fischen. Wir zogen alle unsere Schwimmwesten an und sprangen vom Hauptdeck (14 Fuss über der Wasserlinie ~ungefähr 5 Meter) unseres Schiffes. Der Captain - Leutnant Sullivan von der US Navy Reserve - hielt uns vorher eine kleine Ansprache; er sagte, es sei Tradition, dass der Kapitän als Letzter von Bord gehe, aber er habe Dringendes zu erledigen und sei daher unter den Ersten, die über Bord springen würden. Ich hielt mit der rechten Hand den Kragen der Schwimmweste fest, um ihn festzuhalten, damit er mir beim Eintauchen nicht vor das Gesicht käme. Mit der linken Hand schützte ich aus leicht einsichtigen Gründen my crotch. Alle überstanden den Sprung gut, aber als ich einen der Ärzte und den Chef-Apotheker aufrief, waren beide verschwunden, jedenfalls bis die Übung vorüber war... Die Wassertemperatur blieb in meinem Gedächtnis in dem Sinne haften, als 56° F von da an für mich der Inbegriff von 'verdammt kalt' war. - Einige weitere Lehren wurden aus der Tragödie gezogen: die Funkfrequenzen wurden standartisiert. Die britischen Begleitschiffe waren verspätet und fern unserer Positionen gewesen, weil es Funk-Koordinationsprobleme gegeben hatte. Und ein Signal, das die Anwesenheit der deutschen E-Boote gemeldet hatte, wurde von den LST-Landungsschiffen nicht empfangen! - Die Handhabung der Life Jackets wurde bei den Invasionstruppen intensiver trainiert. Die Pläne wurden überarbeitet, um mit kleineren Booten im Wasser treibende Überlebende am D-Day aufzunehmen."

 

Soweit der Bericht in Joe Hagen’s book “Memories of World War II”.

 

Soldaten verlassen ein LCVP


Im Buch "Utah Beach" (S.58ff.) beschäftigt sich Joseph Balkoski einlässlich mit der Operation Tiger.

Das misslungene und von der deutschen Schnellboot-Attacke begleitete Manöver werden in Wikipedia übersichtlich behandelt.

Quelle

General Blakeley kann für diese Phase des Divisionseinsatzes auch einen Erfolg verzeichnen: Ein deutsches Militärflugzeug, welches das Gelände überflog, das die Vierte belegte, wurde abgeschossen. Der Pilot rettete sich mit dem Fallschirm; er wurde gefangengenommen. Die Leistung ist überraschend, weil dem Divisionskommandanten verhältnismässig bescheidene Fliegerabwehrmittel zur Verfügung standen. Immer neu erstaunlich ist hingegen die Unwissenheit der Deutschen darüber, was sich so nahe des Atlantikwalls entfaltete.


Invasionstraining an der britischen Küste

Manöver mit Kriegs-Munition

 

Die von der Vierten und ihren Combat Teams absolvierten Landeübungen werden aufgelistet und kritisch behandelt in:


The American GI in Europe in World War II, Band 3

von J. E. Kaufmann,H. W. Kaufmann

Kapitel 1: Amphibious Exercises


Über die Stimmung in der Vierten im Monat vor der Landung gibt Sergeant Rothbart mit seinen Tagebuch-Notizen einen kleinen Einblick:

3. Mai 1944.

 

"Ich gebe den Versuch auf, Eisenhower zu überlisten", sagte "Mister" Seabright kurz und bündig. "Wer hätte gedacht, dass wir jetzt, im Mai, immer noch hier sind und darauf warten, dass alles anfängt zu brummen."

 

Der Nervenkrieg funktioniert zweifellos in beide Richtungen und wirkt sich sowohl auf uns selbst als auch auf den Feind aus, wenn auch unterschiedlich. Bei uns schwitzt er etwas aus, um die Langeweile zu lindern, wie ein zu erwartender Urlaub, während die Deutschen ihren Status als Übermenschen aufs Spiel setzen und die Herabwürdigung zu gewöhnlich Sterblichen ausschwitzen.

 

Es gibt wenig äussere Besorgnis unter uns über die persönliche Gefährdung beim Eindringen in das europäische Festland. Vielmehr geht es um die Frage, wie lange es dauern wird, bis der Job vorbei ist, und nachher werden wir wohl als Besatzungsarmee lange feststecken oder - schlimmer noch  - zum Pazifik umgelenkt, um dort einen zweiten Spiessrutenlauf der Gefahr zu machen, bis Japan nieder gerungen ist, alles vorausgesetzt, dass wir den ersten überleben.

 

Dies ist auch ein Jahr der Präsidentschaftswahlen, und die Meinungen reichen von idealistisch bis zynisch, wobei letztere mit einer schamlosen Gleichgültigkeit zum Ausdruck gebracht werden, wie z.B.: "Meine Stimme geht an denjenigen, der den größten Nachkriegs-Soldaten-Veteranen-Bonus bietet".

 

Zynisch ist auch die Aussage, dass "die Präsidentschaftswahlpolitik das Datum der Invasion bestimmen wird." Aber am meisten Zustimmung gibt es für die der Erwartung, dass Roosevelt als Präsident bleiben wird, um den Krieg zu beenden und den Frieden herzustellen. In der Zwischenzeit wird auf die übliche Art und Weise nach Entspannung und Langeweile gesucht, indem man, wann immer möglich, in "weissen" Nächten zum Newton Abbot geht, um dort zu trinken, was auch immer es an Spirituosen gibt.

5. Mai

 

Humor hilft, diesen Krieg durchzustehen, und zwar gar kein besonderer, professioneller Humor. So hat sich Leo Gorelick (ausgesprochen Go-rel-ick) erst vor kurzem einen Ruf als Komiker erworben. Nachdem er fast zwei Jahre lang in unserer Mitte gearbeitet hatte, tauchte diese Eigenschaft eines Tages auf, während er sich in seine Arbeit vertieft zeigte. Plötzlich blieb er stehen und rief: "Was weiss ich über all das? Gib mir eine weisse Schürze und ich weiss, was ich tue!"

 

Seit dieser Bemerkung pflegt Leo, ein ehemaliger Restaurateur aus Brooklyn, einen fabelhaften Monolog, der auf den erhabenen Freuden seines Zivilberufs basiert.

 

"Ich bin ein pfc", womit er sagen wollte, "also mache ich die Arbeit eines pfc für einen pfc-Lohn. Ein 31-jähriger Mann und ich müssen hier stehen und ein dummes Stück Eisen putzen. Ich sollte Pastrami-Sandwiches mit Essiggurken machen."

 

Als ich in die Armee kam, hatte ich einen alten Sergeant, der ein Englisch sprach, das nur ein alter Soldat verstehen konnte. Ich irrte sogleich, als er mir sagte, ich solle runtergehen und das Feuer 'bunkern'. Ich wusste nicht, was er meinte.

 

"Bunk the fire, bunk the fire, bunk the fire, du Dummkopf!" schrie er und wurde jede Minute wütender und wütender. Ich habe endlich verstanden, dass er meinte, ich solle Feuer machen im Heizungskeller.

 

Er sagte uns immer:"Wenn du ein guter Soldat sein willst, musst du die Lende an die Lende legen, damit ihr euch nicht verliert."

 

Eines Tages unterhielt sich Leo laut mit sich selbst wie folgt: "Nun, Leo, wie geht es Gorelick? Gorelick fühlt sich nicht so gut, er hatte einen Streit mit Leo. Sie verstehen sich nicht gut..."

 

Mit solch einer Laune und einem unfehlbaren Gefühl, sie zu vermitteln, leistet dieser pfc mehr als bloss einen Beitrag zur guten Moral.

14. Mai 1944 -

 

Zwei Gurten scharfer Munition - achtzig Schuss - liegen jetzt in meinem Seesack. Mein Mantel, meine Bluse und andere unwesentliche Dinge wurden mir weggenommen. Ich bin jetzt, kurz gesagt, für den Angriff getrimmt. Wenn jemals eine Zeit reif ist, dann ist das jetzt.

 

Das Leben in England war bisher sehr angenehm, eine gewaltige Verbesserung jedenfalls gegenüber unseren Aufenthalten im States-Camp Gordon Johnson in Florida, dem isolierten Lager am Golf von Mexiko, das der Journalist Walter Winchell einst als "Alcatraz der Armee" bezeichnet hatte. Hier waren wir weit davon entfernt, isoliert zu sein. In den letzten Wochen gab es im Lager häufig Tanzveranstaltungen mit Mädchen aus den umliegenden Ortschaften; knallige, unkontrollierte Affären, bisweilen unter dem Einfluss von hartem Apfelwein und Bier, das frei floss;  fast so viele Paare wie drinnen trafen sich ausserhalb der Halle im Dunkeln.

 

Seit dreieinhalb Monaten sind wir in einer Garnison angesiedelt, die uns genau so viele Vorteile bietet, wie man sie in Kriegszeiten in Übersee vernünftigerweise erwarten kann. Der Frass ist gut (Schinken wurde meines Wissens nur einmal serviert). Die "gepuderten" Eier sind schmackhaft; ich bevorzuge Omeletten, die aus ihnen hergestellt werden, gedünstete lieber als gebratene frische Eier, die die Armee in schleimigem Öl getränkt serviert. Die pulverisierte Milch ist auch schmackhaft, fast nicht von frischer Milch zu unterscheiden, ausser wenn die Köche es versäumen, das Pulver gründlich zu anzurühren, also  Milch auf unseren Brei zu giessen, der Klumpen ungelösten Pulvers enthält.

 

Während dieser Zeit haben wir viele Flugzeuge gesehen, die in Richtung Kanal fliegen, um den Feind mürbe zu machen.

 

 

Wir wurden sogar von deutschen Propaganda-Radiosendungen unterhalten, mit oft besserem Empfang als von lokalen Sendern und überlegenem Programm mit Symphonien und Kammermusik. Diese erträglichen Bedingungen haben uns jedoch nicht von unserem Bestreben abgehalten, den Feldzug in Gang zu setzen.

 

 

Marshalling yard - Meile der Verschiebung

Quelle

Blakeley betont - wie alle Amerikaner und Briten - die strikte Geheimhaltung. Nur geschahen die Übungen nicht im stillen Kämmerlein bei geschlossenen Fensterläden. Das abschliessende Manöver fand in der dritten Mai-Woche statt. Der stellvertretende Divisionskommandeur unterstreicht, nichts habe diese Übung von den vorausgegangenen unterschieden. Zu hoffen ist doch wohl, dass man aus dem Desaster von Ende April Lehren gezogen hatte, die auch bei den dort nicht beteiligten Verbänden einflossen. Blakeley legt aber auf anderes Gewicht: Es wäre einer unsensibel gewesen, wenn er nicht gespürt hätte, dass nun etwas Finales ablaufe. Als die Truppe im Raum der Verladung ankam, war dieser von Stacheldraht umzäunt. Wer einmal drinnen war, durfte nicht mehr hinaus. Jeder Kontakt mit militärischen oder zivilen Personen ausserhalb sei untersagt gewesen. Einsatzanweisungen begannen. Die amerikanischen Streitkräfte sollten mit dem VII. und dem V. Korps versuchen, an zwei französischen Küstenabschnitten zu landen. Sturmspitze des VII. Korps sollte die 4th Infantry Division sein. Die Gezeiten bestimmten, dass die allererste Heereseinheit, welche an Land zu gehen hatte, die Cherbourg am nächsten angesetzte sein musste, demnach die Vierte. Die konkrete Mission wurde nun auch der Mannschaft erklärt. Jedem Mann wurde die dem normannischen Gelände, auf dem er landen sollte, entsprechende Aufgabe zugeteilt. Modelle der Uferabschnitte wurden gezeigt und studiert. Gas-Schutzanzüge wurden ausgegeben. Die Wassertauglichkeit der Fahrzeuge und der Ausrüstung wurde vervollständigt. In den ersten Tagen des Monats Juni belud die Truppe die Wasserfahrzeuge für den "final pay-off run".

 

Fototermin im Marshalling-Yard in der Nähe von  Plymouth am 30.  Mai 1944. Sitzend von links nach rechts:

Artilleriechef A.W. Blakeley, Divisionskommandeur General R.O. Barton, Oberst J.S. Rodwell, Stabschef

Stehend von links nach rechts:

Oberst J.A. Van Fleet, Kommandant 8. Inf.Rgt.; Oberst H.A. Tribolet, Kommandant 22. Inf.Rgt.; Oberst R.P. Reader, Kommandant 12. Inf.Rgt, Oberst F.F. Falefer, Kommandant 6. Panzer-Gruppe


Die Kommandanten der Vierten vor der Invasion


Quelle

Das 22. Infanterie-Regiment notiert, schliesslich und endlich seien allen die Befehle herausgegeben und der ganze Plan sei denen offengelegt worden, in deren Händen der Erfolg der Operation nun liegen würde. Die Invasionswährung, die Essensrationen und die Munition seien verteilt worden. Die Truppen seien in der Nacht in die verschiedenen Häfen gebracht worden, von denen aus die Operation starten würde. "The show was on, the time for battle had come.“

 

Sergeant Rothbart notierte zum Aufenthalt im Marshalling Yard:

29. Mai 1944

 

In der neuen Präinvasionsterminologie gehört unser Personalbereich zum Segment "Residue" der Invasionstruppe, ebenso wie das Küchenpersonal und die Postordonnanzen. Vor zwei Wochen trennten wir uns von unseren Kompanien; wir verliessen Denbury, zogen nach "Camp Bypass" in Exeter, wo wir für eine Woche blieben, und kamen dann in die Stadt Bournemouth, wo wir jetzt in evakuierten Villen in der Nähe des Ärmelkanals in einem Abschnitt arbeiten, der als Millionaire's Row, Dorsetshire, 90 Meilen von London, bekannt ist. Die Eleganz unserer Umgebung wird nur dadurch beeinträchtigt, dass wir weiterhin auf strohgefüllten Matratzenbezügen auf dem Boden schlafen müssen und in der allgegenwärtigen Futter-Linie mit unseren Kochgeschirr stehen.

 

Unsere Kompanien verliessen Denbury etwa zur gleichen Zeit und befinden sich nun in einem geheimen Verschiebungsareal, einer von vielen sogenannten "Sausage Links", entlang der Ärmelkanal-Küste. Zur Zeit sind sie in einer streng geheimen Kategorie und praktisch isoliert von uns. Die Männer wurden über ihre bevorstehende Mission informiert. Sie leben in getarnten Zelten und dürfen nicht spazieren gehen.

 

 

Sie leben in getarnten Zelten und dürfen nicht öfter als nötig im Freien herumlaufen, um nicht von feindlichen Aufklärungsflugzeugen entdeckt zu werden. Es herrscht ein allgemeines Gefühl wie nie zuvor, so dass alles bis ins kleinste Detail und mit höchster Geheimhaltung ausgeführt wird, die selbst die Teilnehmenden verblüfft.

 

746. Panzer-Bataillon

 

Erst in dieser Phase wurde das 746. Panzer-Bataillon der 4th Infantry Division zur Unterstützung bei der Invasion zugeteilt. Es hatte an den grossen Manövern teilgenommen. Am Exercise Beaver (Quelle) vom 27. bis 30. März waren die Combat Teams des 8. und des 22. Infanterie-Regiments beteiligt. Sie waren verstärkt durch ein Detachment der 1st Engineer Special Brigade, durch zwei Kompanien der 1106th Engineer Group, durch die 502d Paratroop Inf und die Ninth Air Force. Bereitstellungsraum und Verlade-Areal waren im Distrikt von Brixham-Plymouth. Invasionsgelände waren die Slapton Sands. Die Group 2 der 11th Amphibious Force schützte das Beladen und den Sturm. Die Übungsleitung lag bei der 4th Div. Die Landeoperation gelang nach Plan. Die Sturmtruppen sicherten einen Brückenkopf. Ihr Vormarsch ins Landesinnere war schnell. Gegen 1'800 Tonnen Versorungsgüter wurden von zwei Küstenschiffen entladen. Teil der Übung war, dass die Kampfeinheiten mit so viel Munition bestückt waren wie in der Nacht vor der Invasion. Das Manöver verlief ohne Zwischenfälle.

 

Auch die famose Übung "Tiger" machte das Panzer-Bataillon mit; es erlitt dabei keine Verluste. Im Mai wurde das 746th Tank Battalion im Lupton Park, Brixham, zusammengezogen und vom 31. Mai bis 2. Juni in Darthmouth auf LCT’s verladen. Am 3. Juni schlossen sich diese der Invasionsarmada an. - Angefügt sei lediglich noch, dass Lupton Park ein historischer englischer Garten von nationaler Bedeutung ist. Nicht vorstellbar, wie es dort nach dem Abzug des Panzer-Bataillons ausgesehen hat! Sogar Artilleristen kommen Tränen, nachdem sie für einige Zeit ihr Übungsgelände den Panzertruppen überlassen haben. So selbst erlebt auf dem von der Artillerie während 100 Jahren traktierten Übungsplatz Bière (Vaud), nachdem man die Panzer-Hunnen dort einige Zeit husaren liess.

 

Landungsboot LCT 202 an der Küste Englands 1944

 

Quelle

Das Bild zeigt Schwimmpanzer Duplex Drive (DD) Tanks (amphibische Tanks, die mit Propeller ausgerüstet sind) und "canvas water skirts" (Schwimmkammern). Die Foto wurde in England kurz vor dem D-Day aufgenommen. Plangemäss sollte ein 30-Tonnen-Panzer schwimmend vor dem Landungsboot wie ein Schutzschild fahren und landen. Mit den Schwimmkammern sollte der Tank ein wenig freibord gehalten werden. Oft aber wurde das Vehikel von den Wogen überspült und sank. Der Panzerfahrer befand sich in der Lucke wie gewöhnlich. Der Rest der Mannschaft hielt sich im Turm auf und konnte sich retten, wenn der Tank samt dem gefangenen Fahrer unterging. Viele der der Vierten zugeteilten Leute des 70. Panzerbataillons waren daher skeptisch, ob diese Schwimmkammern tauglich seien. Mit ihrem eigenen Geld verstärkten sie das Fabrikat. Die meisten Panzer des 70th tanks kamen an der Utah-Beach an, weil die See ruhig war, während an der Ohama Beach eine grosse Zahl der Panzer und Amphibienfahrzeuge dem schwere Seegang zum Opfer fielen.

 

 

"An der Utah Beach gingen vier Schwimmpanzer verloren, als ihr Landungsboot auf eine Mine lief, explodierte und sank. Die übrigen 28 erreichten schadlos das Ufer, allerdings etwa eine Viertelstunde nach den schnelleren Landungsbooten der Infanterie. Auch hier trug ihr Einsatz zu den geringen Verlusten an diesem amerikanischen Landungsabschnitt bei." (Quelle)

 

DD-Tank an der Utah Beach


Letzter Foto-Termin für das

Combat Team 22 vor der Landung

 

Sitzend, v.l.n.r. Colonel H.A. Tribolet, Commanding Officer 22nd Infantry; Lt Colonel John F. Ruggles,

Regimental Executive Officer 22nd Infantry; Lt Colonel Arthur Teague, Commanding Officer 3rd BN 22nd Infantry; Lt Colonel S.W. Brumby, Commanding Officer 1st BN 22nd Infantry;

stehend:  Lt Colonel William A. Atson, Commanding Officer 44th Field Artillery; Lt Colonel Thomas Kenan, Regimental S-3 22nd Infantry; Lt Colonel Earl Edwards, Commanding Officer 2nd BN 22nd Infantry.


Gleicher Termin für das Kommando des 8. Infanterie-Regiments

sitzend v.l.n.r

Major Oma R. Bates S-3, Oberst James A. Van Fleet, Commanding Officer, Oberstleutnant Fred A. Steiner, Executive Officer, Major Hugh W. McClary, Asst S-3

(Oberstlt. Steiner fällt am 12. Juni in der Normandie; er bekommt den Silver Star posthum.)

stehend v.l.n.r.

Oberstleutnant C.C. Simmons, Kommandant des 1. Bataillons; Oberstleutnant MacNeely, Kommandant des 2. Bataillons; Oberstleutnant E.H. Strickland, Kommandant des 3. Bataillons

 

Nach dem abgeschlossenen Training kommt das Verladen für die Überfahrt und die Landung. Hier das 70. Panzerbataillon:

Das 70th Tank Battalion verlädt die DD Tanks vor dem D-Day auf ein Landungsboot. Dabei muss Sorgfalt gewahrt werden, damit die ziemlich fragilen Schwimmkammern nicht verletzt werden. Quelle

Die Landungsboote LCT stossen mit den DD-Tanks an Bord für die Überfahrt über den Ärmelkanal von der südenglischen Küste ab.

 

Quelle

In der Nacht vom 1./2. Juni wurde das 899. Panzerjägerbataillon der Vierten unterstellt. Ausserdem wurde verfügt, dass nur die unentbehrlichsten Elemente die Sturmtruppen begleiten sollten, nämlich eine kleine Vorhut der Kommandogruppe samt den Kommunikationskontrollmitteln sowie die Kompanie A und die Kompanie C mit den Geschützen und notwendigen Begleitfahrzeugen. Ein Verbindungsoffizier wurde zu den Gleitern und einer zur Aufklärungskompanie der Division delegiert. Der Rest des Bataillonskommandos, die Stabs-, die B- und die Aufklärungskompanie sollten als Reserve folgen. 

 

Am 2. Juni begaben sich die für den Sturm bestimmten Truppen in das mit Stacheldraht umzäunte Verladegelände (marshalling yards) bei Dartmouth. Die Männer und die Fahrzeuge wurden entsprechend den Plänen der Vierten vorbereitet. Das gründliche Training bewährte sich nun, denn das Beladen der Wasserfahrzeuge gelang reibungslos und beschleunigt. Die abschliessende Prüfung des Personals, der Waffen und der Ausrüstung war daher schnell vollzogen. Jeder Mann wurde nun in den plankonformen konkreten Auftrag eingewiesen.

 

Die Sturmtruppen des 899. Panzerjägerbataillons wurden am Nachmittag des 4. Juni auf britische Landungsboote (LCTs) gebracht. Das gelang mit nur einer einzigen Panne: die Hülle einer Geschützes wurde zerschliessen, was in der Nacht repariert wurde, so dass das selbstfahrlaffetierte gepanzerte Geschütz am nächsten Tag verladen werden konnte. Die Verteilung auf die Boote wurde platzoptimierend, aber doch nach Möglichkeit so vorgenommen, dass die Einheiten zusammenblieben. Am 5. Juni fuhren die Boote in den Kanal hinaus. So lange es hell war, blieben die Boote des Bataillons zusammen, aber in der Dunkelheit verschwand das Schiff des 1. Zuges der Kompanie A und wurde nicht wieder gesehen.


Und mein Ceterum: Auch Soldaten haben ein Gesicht.

Die Kosten des Krieges.

Ein Soldat der 2759th Engineers vor deutschen Kriegsgräbern.