41Die Ko-Operationen

 

Quelle: Le Monde, hors-série, 1944


Die Landung in der Normandie erscheint heute als zentrales und kriegsentscheidendes Ereignis des Zweiten Weltkriegs. In Anbetracht des Ausmasses der hitlerischen Eroberungen und der Hartnäckigkeit des deutschen Widerstandes gegen die Vertreibung der Besatzung ist sie ein - allerdings sehr wichtiges - Glied in einer langen Kette, an der auch die Sowjetunion einen grossen Anteil hat, wie sich aus der Karte augenfällig ergibt. Namentlich für die Angloamerikaner kam die Bedeutung und damit zusammenhängend die enorme Beanspruchung im pazifischen Raum hinzu. - Für die Alliierten gab es zwangsläufig andere Ziele als die schöne Stadt Paris, auch wenn man die strategische Wichtigkeit der dortigen Seine-Übergänge nicht übersieht. Andererseits haben die Angloamerikaner die kriegspsychologische Bedeutung der Eroberung von Paris wohl unterschätzt. Stalin und Hitler legten auf solches grösseres Gewicht: man vergegenwärtige sich die Heftigkeit und Zähigkeit der Kämpfe um Leningrad und Stalingrad.


Die Landung der Westalliierten im Zweiten Weltkrieg am kontinentalen Ufer des Ärmelkanals bezweckte die Einrichtung der von der Sowjetunion zur Entlastung der Roten Armee seit längerem gewünschten zweiten Front gegen den gemeinsamen Feind Hitlerdeutschland. Allerdings banden die Westmächte schon seit längerer Zeit Kräfte der Achsenmächte durch die afrikanische und später sizilianische-italienische Front. Selbstverständlich bestand auch eine Interdependenz zum Krieg im pazifischen Raum und in ganz Ostasien. Die Landung an der normannischen Küste und die ihr folgenden Operationen hatten aber auch ein direktes Pendant: die Operation Dragoon - die Landung an der Côte d'Azur und der Vorstoss das Rhonetal hinauf.