Es ist nie das
Vielerlei, das Zufriedenheit bringt. Intensiv zu leben, setzt sorgfältige Vorbereitung
des Erlebnisses voraus und erfodert umsichtige Aufarbeitung des Erlebten. Nur so vermeidet
man das schale Gefühl, getrieben zu werden.
(21.1.90)
Unglück ist
fast gleichzusetzen der Unfreiheit und zwar in allen ihren Erscheinungsformen; die
schlimmste ist der goldene Käfig. Wer einem goldene Fesseln verpasst, ist der
unbarmherzigste Tyrann. Was ihn so herzlos macht, das ist seine Ueberzeugung, er habe doch
nur Gutes tun wollen. Die Entrüstung über die "Undankbarkeit" seines Opfers
macht ihn unbarmherzig.
(21.1.90)
Man sollte nie
jemanden vergöttern, keinen Freund, kein Kind, den Ehepartner nicht. Nach dem Vergöttern
kommt das Vergötzen. Der Götze ist immer ein blutrünstiger Moloch. Die Vergötterung
geschieht selten ohne egoistische Absichten: Im Geben steckt ein Fordern. Im
übertriebenen Geben das Ueberfordern. Wer wird da nicht rebellieren? Wer wird nicht
überreagieren?
(21.1.1990)
Wie ein Rausch
ist die Hektik, ja sie ist ein Rausch, denn sie berauscht nicht nur, sondern macht auch
süchtig. Und wie der Rausch ist sie nur selten nötig und noch seltener nützlich.
Welches Kapital an Sicherheit geben wir doch preis, um ein paar Sekunden zu ergattern
("gewinnen" kann man sie nicht!). Was geschieht doch Unbesonnenes mit schwer
reparierbaren Folgen, nur weil rasch etwas geschehen muss..... Muss?
(29.1.90)
Und wie sieht
dieses Müssen, dieser angebliche "kategorische Imperativ", in der Retrospektive
aus? "Wann war das bloss?" Dann beginnt das Loten in der Tiefe der
Vergangenheit, das Ausmessen an wirklich wichtigen Ereignissen, etwa: "Es war damals,
als die Kinder krank waren...."
(29.1.90)
Wenn alle
Menschen gleich viel bekämen, sie wären nicht weniger neidisch aufeinander als in
unserer "ungerechten" Gesellschaft, die ein egoistisches Verteilsystem hat. Neid
und Zufriedenheit sind keine objektiven Massstäbe, sondern ausschliesslich subjektive.
Das ist eine grosse Chance! Wir bestimmen selbst darüber, ob wir das Unkraut Neid wuchern
lassen, oder ob wir den Blumengarten der Zufriedenheit kultivieren. Und das Unkraut kostet
viel, das Blumenbeet fast nichts. Ja, ein bisschen Mühe schon!
(29.1.90)
Wie manchmal im
Leben müssen wir doch das Laufen neu erlernen! Und immer machen wir den gleichen Fehler:
wir misstrauen dem Kopf, wo der Gleichgewichtssinn sitzt, mehr als den Füssen, die uns
aus dem Gleichgewicht bringen.
(4.2.90)
Unsere Kinder,
die nun in Führungsaufgaben hineinwachsen, werden es noch viel schwerer haben, denn nach
dem Zusammenbruch der hierarchischen Ordnung kommt es allein auf natürliche Autorität
an: nur der Erwerb von immer noch mehr Sachkompetenz wird ihnen den erforderlichen
Vorsprung gewährleisten.
(4.2.90)
Die Hektik
prellt uns um die Vor- und die Nachfreude.
(4.2.90)
Wie
verschwenderisch ist man doch in der ersten Hälfte des Lebens! Wie geringschätzig geht
man mit den Sonnentagen um! Als ob es deren unzählige gäbe. Das ist der Gewinn des
Aelterwerdens: man lernt zu geniessen, was einem noch geschenkt ist.
(4.2.90)
Es sind so wenig
Geistesblitze, die mich befallen: Selten wie die Gewitter. Jeder Blitz in der Natur ist
einmalig. Die menschlichen Geistesblitze waren meist schon einmal da.
(4.2.90)
Wer sich Zeit
nimmt, führt.
(5.2.90)
Die Kunst des
Lebens besteht darin, Rücksicht zu nehmen, wo das vertretbar ist, und rücksichtslos zu
sein, wo es nötig ist. Wer das kann, gilt als höflicher Mensch, der es zu etwas gebracht
hat. Wer im Entscheidenden höflich ist, wird Versager genannt.
(5.2.90)
Die Quelle
echten Reichtums ist allein die Geduld.
(11.2.90)
Die Phantasie
ist die schönste Tochter der inneren Freiheit.
(11.2.90)
Der Wille
bearbeitet den amorphen Stoff. Der Verstand schafft den Gehalt. Das Gemüt aber gestaltet
die Form.
(11.2.90)
Der Computer hat
uns Freiheit und Lebensfreude gebracht. Das war mit jeder technischen Revolution so. Das
Elend, das davon auch ausgeht, ist nur eine Folge des unsinnigen, nicht vernunftgemässen
Gebrauchs.
(11.2.90)
Die Weite des
Rundblickes ist wichtiger als die Behaglichkeit des Stübchens. Eine Behausung ohne
Perspektive ist ein Gefängnis. Allerdings brauchen wir immer einen Bezugspunkt.
(11.2.90)
Schwere Sorgen
sind gefolgt von grossem Segen: Nach ihnen kommt die Daseinsfreude. Was über sie
hinausgeht, gerät rasch in ein prekäres Kosten-Nutzen-Verhältnis.
(15.2.90)
So erbaulich die
Zurückgezogenheit ist, bewahrt sie doch nicht vor Irrtümern. Manches, was zuhause als
unumstösslich erscheint, hält dem Windstoss der öffentlichen Auseinandersetzung nicht
stand.
(15.2.90)
Wenn ich zwei
Töpfe der Mangelware "Genie" und "Fleiss" vor mir hätte, ich würde
sofort nach dem zweiten greifen. - Das hat sich geändert im Laufe der Jahre: gar keine
Frage - früher hätte ich den ersten gepackt.
(16.2.90)
Am
intolerantesten war ich immer gegen jene Fehler der Kinder, die ich in mir selbst nicht zu
meistern vermochte.
(16.2.90)
Wirkliche
Genugtuung empfand ich jedoch immer dann, wenn ich feststellte, dass mich ein Kind
überholt hatte.
(16.2.90)
Wer nicht mit
den tausendfältigen Unvollkommenheiten der Menschen rechnet, überfordert sie; es folgen
Konflikte und Frustrationen. Die Nachsicht mit den menschlichen Schwächen dagegen
fasziniert uns am Leben der Südländer immer neu.
(18.2.90)
Wir werden
paradox erzogen: Wir sollen Rücksicht nehmen auf die Mitmenschen und gleichzeitig die
bewundern, die mit Rücksichtslosigkeit Erfolg haben.
(26.2.90)
Oft schweigt
man, weil man zu viel zu sagen hätte.
(26.2.90)
Was ich bedaure?
Dass ich Fragen der Kinder unbeantwortet liess. Ob ich aber die Antwort gewusst hätte?
(26.2.90)
Freund in der
Not zu sein, ist nur einfachen Menschen möglich.
(26.2.90)
Die Kunst des
Lebens ist das Gleichgewicht zwischen Ueber- und Unterforderung.
(26.2.90)
In der Hölle
wird mit unerfüllten Wünschen geheizt - die Hölle ist in den Herzen.
(26.2.90)
Als die Menschen
die Natur aufgegeben haben, verloren sie mehr, als ihnen die Naturwissenschaft
einzubringen vermochte.
(26.2.90)
Arbeit ist das
halbe Leben....Wo bleibt bloss die andere Hälfte?
(26.2.90)
Die Untreue des
Erfolges liegt darin, dass man ihn zu leicht erlangt.
(26.2.90 )
Das Leben ist
eine Folge von Wänden. Sie sind keineswegs undurchdringlich, aber die Löcher sind von
unterschiedlichster Form und Kalibrierung. Wir starren immer wieder gebannt auf die
Löcher vor uns, statt auf unsere eigene Gestalt zu achten, ob sie auch durchzuschlüpfen
vermag.
(1.3.90)
Wir können uns
nie damit abfinden, dass wir die Welt nicht zu verändern vermögen. Was verschwenden wir
doch deswegen an nutzloser Energie!
(1.3.90)
Wir wollen uns
immer ändern. Wir täten besser daran, uns zu entfalten.
(1.3.90)
Unsere Seele ist
wie das Universum: dunkel, riesengross, unerforscht, an den Rändern in die Zeit- und
Raumlosigkeit übergehend, von hellen Punkten durchsetzt, die Gesetzmässigkeiten folgen,
deren Harmonie durch gegenseitige Ablenkung immer wieder gestört wird, das Erdenleben in
den Dimensionen in jeder Hinsicht weit überspannend, erforschbar, aber nie erfassbar.
(1.3.90)
Wenn wir die
Welt, wie sie ist, und uns selbst als das nehmen, was wir sind, kommen wir kollisionsfrei
durchs Leben. Aber wer weiss schon, wie er selber ist?
(1.3.90)
Die schlimmsten
Feinde der Menschheit sind die, die ihre Mitmenschen zum Glück zwingen wollen.
(2.3.90)
Qualifizieren
heisst leider nicht einteilen sondern ausgrenzen.
(5.3.90)
"Geben ist
seliger als nehmen," verkünden mit Ueberzeugung die, die durch das Geben von den
Empfangenden Besitz ergreifen wollen.
(7.3.90)
Drinnen und
draussen sind unvereinbar wie Himmel und Hölle.
(12.3.90)
Die meisten
Menschen verwenden so viel Zeit darauf, das Netz zu knüpfen und sorgsam abzu-spannen,
dass sie gar nicht mehr dazu kommen, aufs hohe Seil zu steigen.
(12.3.90)
Die Vorstellung
ist meist vorbei, wenn dem Clown die besten Spässe einfallen.
(12.3.90)
Ein ungeschaltes
Ei begab sich auf den Fechtboden. Niemand änderte deswegen die Paukregeln.
(12.3.90)
Ein grober Klotz
begegnet in dieser Welt am meisten Rücksichtnahmen.
(12.3.90)
Die Guten
scheinen sich nur am Bösen aufrichten zu können.
(12.3.90)
Niemand fühlt
sich so unbehaglich wie die Kleinmütigen bei Grossmütigen.
(12.3.90)
Wenn es darum
geht, die Ursache des Bösen zu ermitteln, so gerät man rasch in den endlosen Streit um
das Huhn und das Ei. Wer dagegen das Gute geschaffen hat, brachte erstmals König Salomo
im Streit der beiden Mütter um das gesunde Kind sicher in Erfahrung.
(12.3.90)
Der
Rechtschaffene muss viel leiden; er leidet nämlich an seiner Erziehung.
(12.3.90)
Die eigene
Intoleranz ist der schlimmste Stolperstein.
(13.3.90)
Die Freiheit
interessiert uns nur an ihren Rändern.
(13.3.90)
Die Eskalation
der Gewalt ist so alt wie der homo sapiens; nur die Methoden sind raffinierter geworden.
(13.3.90)
Die enormen
Geschwindigkeiten der Himmelskörper müssen berauschend sein; wie anders wäre der immer
wiederkehrende optimistische Aufgang der Sonne erklärbar, nach allem, was sie täglich
auf ihrer Reise an Ungeheuerlichem sieht.
(13.3.90)
Alle Ehen wären
glücklich, wenn man das Eheleben rückwärts ablaufen lassen könnte.
(14.3.90)
Wer kein
Argument mehr hat, spielt die nationalistische Karte aus.
(14.3.90)
Hassenswert sind
Kleinmut und Kleinkariertheit; doch warum sie hassen? Sie sind nicht auszurotten. - Weil
ihre Nichtbeachtung gefährlich ist!
(15.3.90)
Ueberschwang ist
das schlimmste Beziehungsdelikt.
(15.3.90)
Freiheit erregt
mehr Neid als Reichtum.
(15.3.90)
"Geschichte"
ist eine Ansammlung verkleinerter "Blick"-Schlagzeilen.
(15.3.90)
Menschliche
Grösse und Verächtlichkeit unterscheiden sich im anderen Verlauf der Geschichte.
(15.3.90)
Hoffnungslosigkeit
und Verzweiflung sind die grössten Sünderinnen.
(15.3.90)
Die Menschen
sind sich der eigenen Schändlichkeit erst bewusst, wenn sie an die Oeffentlichkeit
gezerrt wird.
(17.3.90)
Reden lassen ist
leicht, ausreden lassen ist schwer.
(21.3.90)
Die Redefreiheit
beinhaltet leider auch die Ueberrede- und die Ausredefreiheit.
(21.3.90)
Eine gute
Ausrede ist gefragter als eine fundierte Begründung.
(21.3.90)
Das Prestige ist
der mieseste Verlierer.
(22.3.90)
Viele Menschen
bestehen auf ihrer Dummheit, als ob sie ihr grösster Besitz wäre.
(22.3.90)
Der Rückgriff
auf die Geschichte ist die Flucht in die Auslese dessen, was einem konveniert.
(22.3.90)
Je klüger umso
fieser, je dümmer umso schlimmer.
(24.3.90)
Wir werden dazu
erzogen, altruistisch den Egoisten zu geben, was sie nicht wollen.
(28.3.90)
Hätten Adam und
Eva das Neinsagen gelernt, wären wir heute noch im Paradies.
(28.3.90)
Erfahrung
bereichert! Schon möglich, aber irgendeine Prämisse ändert sich immer, weshalb der
Ablauf so ganz anders ist, als wir aus unserer "reichen Erfahrung" vorherzusagen
uns berufen fühlen.
(29.3.90)
Die Zeit flieht!
Wirklich? Die Zeit war immer da und wird immer da sein. Wir nehmen sie uns nicht. Wir
fliehen!
(29.3.90)
Der Gescheite
stolpert an dem, was er für simpel hält.
(29.3.90)
Der Unterlegene
unterläuft den Ueberlegenen. Darum siegt das Mittelmass.
(29.3.90)
Wie leicht ist
es zu raten! Wie schwer, die eigenen Ratschläge zu befolgen!
(29.3.90)
Anatole France
meint, wir dächten vernünftig, aber handelten bisweilen unvernünftig. Meist jedoch
denken wir unvernünftig, handeln unvernünftig und haben Glück.
(3.4.90)
Die Konvention
ist das strengere Gesetz als das geschriebene Recht.
(3.4.90)
Alles Gute und
alles Böse kommt aus der Kommunikation.
(3.4.90)
Alles ist auf
Kurzfristigkeit ausgelegt; darum unterschätzen wir Langzeitwirkungen unseres Tuns.
(3.4.90)
Der schlimmste
Feind ist die Faulheit.
(3.4.90)
Was ist
eigentlich am Neinsagen so schlimm, dass man ihm sogar die Notlüge vorzieht?
(3.4.90)
Warum schreiben
wir, wenn es doch niemand liest? Warum reden wir, wenn doch niemand zuhört? Schreiben wir
uns, sprechen wir zu uns selbst?
(3.4.90)
Am meisten
bewegt in dieser Welt der Neid.
(3.4.90)
Auch wer für
andere kämpft, bekommt die Blessuren doch selbst.
(3.4.90)
Das
Augenzwinkern macht das Böse so charmant, der tödliche Ernst das Gute so unattraktiv.
(7.4.90)
Wenn die Natur
so idyllisch und rein wäre, wie wir sie gerne sehen, sie hätte die Erdgeschichte nicht
durchgestanden.
(7.4.90)
Könnten wir
fliegen wie die Vögel und zwitschern wie sie, so wären die Bäume längst ausgestorben -
aus Ueberdruss.
(7.4.90)
Der Zauberer
spielt die Wirklichkeit vor: in dramatischen Situationen blicken wir immer auf den
unwesentlichen Vorgang und übersehen den Kern der Sache.
(7.4.90)
Auf dem hohen
Seil verlieren wir Zeit mit dem Ärger über den, der uns aus dem Gleichgewicht zu bringen
versucht, statt uns um die Restabilisierung zu sorgen.
(7.4.90)
"Ich bin
ein neuer Mensch!" - Eine oft gehörte Lüge.
(7.4.90)
In
frühniederdeutscher Zeit sprach man Althochdeutsch...
(7.4.90)
Wissenschaftliche
Begriffslogik oder Verhältnisblödsinn?
(7.4.90)
Wer ohne Fehler
ist, kann schlecht raten.
(8.4.90)
Die Menschen
sind böse - das macht sie unerträglich. Die Menschen sind gut - das macht sie schlimm.
Die Menschen sind fehlerhaft - das macht sie liebenswert.
(8.4.90)
Das Zuviel macht
uns mehr Kummer als das Zuwenig.
(8.4.90)
Wenn die
geschichtlichen Quellen zweifelsfrei wären, die Gesetze lückenlos und der Heiland noch
auf Erden wandelte, so brauchte es gewiss keine Historiker, keine Juristen und keine
Theologen. Bemerkenswert, wie viele Menschen von der Unvollkommenheit dieser Welt leben
und daher um ihre Existenz bangen müssten, wenn sich das ändern sollte.
(10.4.90)
Prinzipien sind
zu hehren Grundsätzen hochstilisierte schlechte Gewohnheiten; sie befreien vom Nachdenken
über den Sinn unseres Tuns und Lassens.
(13.4.90)
Wegwerfen. In
den Weg oder aus dem Weg?
(17.4.90)
Am
ohnmächtigsten ist man der Gedankenlosigkeit gegenüber.
(17.4.90)
Reden ist
Silber, Schweigen ist Gold. Wirklich? Schweigen schmerzt manchmal mehr als reden.
(17.4.90)
Wer sich alles
vornimmt, erreicht gar nichts.
(17.4.90)
Die besten
Mittel, um ein schales Gefühl hervorzurufen? Eine politische Debatte, ein Kriminalroman,
ein fauler Tag, eine schlaflose Nacht.
(17.4.90)
Die Majestät
und Harmonie des Universums. Was haben die Menschen bloss darin zu suchen?
(17.4.90)
Der "Blick
zurück im Zorn" ist wie eine schwarze Brille.
(21.4.90)
Das Ungewisse
der Zukunft ist ihr Reiz.
(21.4.90)
Uns
beschäftigt, was jene denken, die uns beobachten; auch die Natur hat unzählige Augen!
(21.4.90)
Das Alter geht
zuende; die zivilisatorische Gesellschaft nimmt wahrscheinlich an, das sei sein
Hauptproblem.
(21.4.90)
Der Puritanismus
heisst so, weil er sich von der Vernunft völlig reingewaschen hat.
(22.4.90)
Der Puritanismus
zermalmt sich in seiner Schwerblütigkeit selbst. Das ist seine einzige Lust.
(22.4.90)
Als Gott die
Menschen geschaffen hatte, brachte der Teufel die Sünde. Da schenkte Gott der Menschheit
die Gnade. Darauf wurde der Teufel puritanisch.
(22.4.90)
Haushaltarbeit
hat in unserer heutigen Gesellschaft einen zu bescheidenen Stellenwert. Rühmt sich nicht
jeder Präsident in seiner GV-Adresse, wie haushälterisch man mit den vorhandenen Mitteln
umgegangen sei. Reissen sich die Regierungsmitglieder nicht um den Staatshaushalt?
(2.5.90)
Not lässt keine
Zeit für Melancholie und Weltschmerz. Die härtesten Zeiten haben die fröhlichsten
Zäsuren.
(2.5.90)
Dem Vor-Urteil
folgt zwangsläufig ein Fehlurteil.
(2.5.90)
Die Gesellschaft
ist eine Ansammlung von kleinen Klüngeln, die einzig dem Zwecke der gegenseitigen
Wichtignahme dienen.
(4.5.90)
Es gibt wohl
Liebe, aber nicht Freundschaft auf den ersten Blick. In beidem allerdings zählt der
letzte Blick.
(7.5.90)
Statt Medizin
beschaffen sich die Menschen ständig neue Fieberthermometer.
(14.5.90)
Kleinlichkeit
ist die Hölle auf Erden.
(14.5.90)
Verschulung und
Verblödung sind leider keine Gegensätze.
(19.5.90)
Wer andern eine
Grube gräbt, liegt meist schon selber drin.
(19.5.90)
Man strebt nicht
das an, was man will, sondern das, was man meint, die andern hielten es für
erstrebenswert. Das ist die Verlogenheit der Welt.
(19.5.90)
Überheblichkeit
ist des Menschen schlimmster Feind.
(24.5.90)
Gesten
kommunizieren stärker als Worte.
(24.5.90)
Nicht die
grossen, sondern die kleinen Narren nerven uns.
(24.5.90)
Die
Unverträglichkeit der Völker und Rassen überwältigt jede Ideologie und jede Religion.
(24.5.90)
Toleranz ist
hochwertiger und darum seltener als Intelligenz.
(27.5.90)
Das Auge ist
schneller als das Herz; daraus entstehen die Vorurteile.
(27.5.90)
Die Zeit
drängt, aber sie eilt nicht.
(27.5.90)
Der wahre Fluch
der Menschheit ist, dass sie sich der wirklich grossen Ereignisse nicht erfreuen kann,
sondern sich in Kleinlichkeit zerstreitet.
(2.6.90)
Nirgends liegen
Methode, Anteilnahme und Verächtlichkeit so nahe wie bei der Neugierde.
(3.6.90)
Die Planung
zerlegt Schwerverständliches in tausend Unverständlichkeiten.
(4.6.90)
Als Erwachsener
bekommt man Techniken vermittelt und erwirbt sich Erfahrungen, aber leider kein
Mehr-Wissen.
(11.6.90)
Der Keim des
Todes ist ein wesentliches Element des Lebens. Die Zerstörung beginnt mit dem Aufbau.
(11.6.90)
Die
Retrospektive ist voller geliehener Klugheit.
(12.6.90)
Die Menschen
haben den Fluchttrieb der Pferde zur Attacke pervertiert. Aber sie haben auch den
reissenden Wolf zum Schäfer erzogen. Hiefür spendeten sie sich allerdings weniger
Applaus.
(16.6.90)
Das
Unbescheidenste ist die provokative Bescheidenheit.
(16.6.90)
Das Feuer der
Führer wärmt die Moral der durchfrorenen Gefolgschaft.
(16.6.90)
Was mich
glücklich macht: Dass das Schöne nicht käuflich ist - nicht die Sonne, das Blaue des
Himmels, das Schwarze der Wälder und das satte Grün der Sommerwiesen nicht, weder das
Morgenkonzert der Vögel, noch das Reh mit dem Kitz, der treibende Bock mit der Geiss, der
Hase, der auf den Regenbogen zuläuft, auch nicht die Luft nach dem warmen Regen. Wir
können das alles zerstören, ignorieren oder geniessen, aber nicht kaufen und nicht
besitzen.
(23.6.90)
Was mich traurig
macht: die verlorene Zeit -wenn ein Tag voller Arbeit, ein Abend mit Freunden oder ein
Buch nur Müdigkeit und keinen einzigen neuen, schönen Gedanken zurücklässt.
(23.6.90)
Die
Kommunikation geht plötzlich einfacher, wenn man den Spiegel in seinem Gegenüber
entdeckt.
(23.6.90)
Ich glaube oft,
es seien die Schwächen der andern, die mir Mühe machten, bis ich dem Echo, dem
Spiegelbild, dem Reflex bis auf den Ursprung nachgehe.
(23.6.90)
Wie leicht
wären die Mitmenschen doch zu gewinnen, wenn man sie nur gelten lassen würde!
(23.6.90)
Mit den Jahren
wird man nicht gescheiter, aber man hat mehr Zeit dazu.....
(23.6.90)
Wenn die Wut
nicht so brennen würde, wäre die Wärme des Herzens angenehm.
(23.6.90)
Bei den alten
Aegyptern täuschen wir uns um Jahrtausende, bei den Römern um Jahrhunderte, bei den
Eltern um Jahrzehnte und bei den Kindern um Jahre. Dabei besteht das Leben aus
Augenbliken!
(23.6.90)
Ein gutes Wort
ist uns oft teurer als gutes Geld.
(2.7.90)
Es fliesst
nichts so regelmässig wie die Zeit. Die Stetigkeit ist uns unvorstellbar, denn nichts
relativieren wir so, wie den Zeitablauf.
(2.7.90)
Die Arbeit
bewahrt vor Langeweile, Laster, Verschwendung und Sucht.
(2.7.90)
Was ist
unmöglicher als die Quadratur des Zirkels? Die Beschreibung eines individuellen
Menschenlebens.
(6.7.90)
Intelligente
Menschen sind einfacher zu erfassen als dumme. Das beweist, dass die Intelligenz das
Normale, die Dummheit das Abnorme ist. Und tatsächlich: Gott hauchte den Menschen den
Geist ein; im Laufe dessen, was sie dann bombastisch als "Entwicklung"
bezeichneten, verloren sie ihn ganz oder teilweise.
(6.7.90)
Jede Generation
hält sich für klüger als die vorausgehende; warum billigt sie den gleichen Anspruch der
nachfolgenden nicht zu?
(10.7.90)
Am schlechtesten
ertragen die Kinder die Fürsorge der Eltern. Hatten wir es anders?
(10.7.90)
Es gibt keine
Wunder; von unseren Kindern erwarten wir sie.....
(11.7.90)
Die
Übergescheiten scheitern an den steinigen Feldern, die zu beackern sie sich auswählen.
(12.7.90)
Wir greifen nach
dem Komplizierten, ehe wir das Einfache erfasst haben.
(12.7.90)
Der Idealismus
hat mehr Elend in die Welt gebracht als der Materialismus.
(12.7.90)
Da wir nie viel
wissen können, müssen wir viel können.
(16.7.90)
Erfolglos -
sinnlos.
(14.7.90)
Der Erfolg und
der Misserfolg lassen beide nicht mit sich rechten.
(14.7.90)
Wenn wirklich
jeder Soldat seine drei Nadeln im Mannsputzzeug hat, dann hat der Feldherr den Krieg
bereits verloren.
(14.7.90)
Die Menschen
schätzen an uns keineswegs den selbstlosen, unablässigen Einsatz in ihren Diensten,
sondern die Gelassenheit.
(16.7.90)
Würde
Aufgeregtheit honoriert, die Menschen wären steinreich.
(16.7.90)
Wo hört das
Mitgefühl auf, wo fängt das Selbstmitleid an?
(16.7.90)
Nochmals jung
sein - Gott bewahre!
(16.7.90)
Die eigene
Unzulänglichkeit ist die Ursache von Neid, Hass, Hader, Streit und Krieg.
(17.7.90)
Eile ist der
grösste Feind, Musse ist der beste Freund.
(17.7.90)
Die Kunst des
Lebens ist die volle Ausnützung der eigenen Kapazitäten ohne Überforderung.
(17.7.90)
Wer die Wahl hat
zwischen "Vollständigkeit" und Gründlichkeit, wird sich immer für das
Vielerlei entscheiden.
(18.7.90)
Die Wahrheit
fällt mir immer im falschen Augenblick ein.
(18.7.90)
Die verbrämte
Lüge haben wir lieber als die nackte Wahrheit.
(23.7.90)
Sieben Jahre
lang strecken die Kinder ihre Ärmchen nach uns. Sieben Jahre lang richten sie aufmerksam
ihre Augen und Ohren - anfänglich vorbehaltlos, dann kritischer - auf uns. Nach 14 Jahren
ist alles unwiederbringlich vorbei.
(23.7.90)
Die Ökologie
verkam leider schon bald nach ihrem Start zu einer Art Heilslehre, wo sich selbsternannte
Heilige den Persilschein der Auserwähltheit zulegten.
(25.7.90)
Kinder sind ein
Segen. Gewiss! Ob es aber die Eltern auch sind?
(26.7.90)
Man kann alles
geniessen. Nur das Übermass nicht.
(26.7.90)
Der Kommunismus
ist jene Episode der Weltgeschichte, die die am besten renovierten Kirchen und die am
übelsten riechenden Kloaken zurückgelassen hat.
(30.7.90)
Zürich oder
Prag? Zürich ist gebaut. Ach so!
(30.7.90)
Wer andere
straft, meint meist sich selbst.
(30.7.90)
Am meisten
Schutz in dieser Zeit gibt die Selbstgerechtigkeit.
(30.7.90)
Je älter man
wird, desto unerwarteter treffen einen die Schicksalschläge. Es ist paradox.
(1.8.90)
Am meisten
schmerzt uns der Mangel an Spontaneität unserer Mitmenschen.
(4.8.90)
Termingründe
würden die meisten Menschen hindern, ihrer eigenen Beisetzung beizuwohnen.
(5.8.90)
Vorleistungen
sind Fehlleistungen.
(6.8.90)
Die
Betriebsamkeit hat das Gemüt erdrosselt.
(7.8.90)
Freunde! -
Freunde?
(12.8.90)
Es gibt
Sonnenschirme und Regenschirme; genauso ist es mit den Mitmenschen.
(20.8.90)
Im Wohlstand
geboren - den Anstand verloren.
(22.8.90)
Wohlstand ist
das Gegenteil von Verstand.
(22.8.90)
Leid lehrt
leiden.
(22.8.90)
Glück und
Erfolg wünscht man den andern, weil Unglück und Leid so peinlich berühren.
(22.8.90)
Schwierigkeiten
verändern Ansichten und Perspektiven.
(22.8.90)
Absichten
belasten Einsichten.
(23.8.90)
Das komplizierte
Denken der Intelligenten ist fehleranfälliger als das einfache der Dummen.
(24.8.90)
Geld und Glück:
wer bringt sie je zusammen?
(27.8.90)
Wichtigtuerei
ist zum Nationalsport geworden. Das wäre gleichgültig, geschähe sie nicht zu Lasten
anderer.
(27.8.90)
Ungezählte
Menschen lassen sich dafür bezahlen, die andern zu behelligen.
(27.8.90)
Dem Leid folgt
Bitterkeit.
(27.8.90)
Diese Welt mag
voller Anmut und Schönheit sein, aber es fehlt ihr jegliche Gerechtigkeit.
(28.8.90)
Die Sehnsucht
nach Recht ist vergeblich. Sie endet nur in Bitterkeit.
(28.8.90)
Tue unrecht und
scheue niemand! Das ist die Losung der Angesehenen.
(28.8.90)
Das Unrecht mag
zum Himmel schreien - den Lauf der Erde hält es niemals auf.
(28.8.90)
"Ce n'est
pas la théologie qui nous aide à mourir," sagte Alexandre Vinet. - Er machte es
sich zu einfach. Es ist die Philosophie, nicht die Theologie. Was letztlich allein hilft,
ist, den nächsten Schritt zu wagen.
(1.9.90)
Enttäuschte
Liebe - Schutthalde der Bitternis.
(2.9.90)
Unser Lebensweg
ist gepflästert mit Glück und Hoffnung und gesäumt von Bitterkeit und Enttäuschung.
(3.9.90)
Kinderdrachen
und Wunschträume haben einen Unterschied: letzteren fehlt die Schnur.
(4.9.90)
Es ist so
wichtig, was wir zu sagen und zu tun haben. Wirklich? Wäre eine Lücke da, wenn wir es
nicht sagten und es nicht täten?
(4.9.90)
Was am
schwersten zu glauben ist: auch das Unvorstellbare existiert.
(4.9.90)
Blumen
verwelken. - Bald sind neue da.
(4.9.90)
"Ach, wie
gut es dem Elefanten geht! Er braucht keine Bäume mehr auszureissen; er darf kleine
Kinder durch den Zoo tragen!" meinen die, die es gut mit ihm meinen.
(9.9.90)
Positiv, nicht
relativ!
(9.9.90)
Distanz und
Engagement müssen eine harmonische Ehe führen, soll das Gleichgewicht fortbestehen.
(10.9.90)
Echtes
Engagement ist nur nach dem Distanznehmen möglich.
(10.9.90)
Welch
glücklicher Tag, einem andern einen glücklichen Tag bereitet zu haben.
(10.9.90)
Wer hilft,
hängt.
(14.9.90)
Wer erklärt,
verklärt.
(14.9.90)
Spätsommer: Der
Geruch von Emd, die Sonne glitzert im Tau - Welt, wie bist du genussreich und
verschwenderisch!
(14.9.90)
Egoismus: die
Welt verdammt ihn und belohnt nur ihn.
(22.9.90)
Das Gute wird
häufiger bestraft als das Schlechte.
(22.9.90)
Alles lässt
sich erzwingen, nur nicht Sympathie.
(23.9.90)
Wer nach der
Verantwortung greift, kommt durch sie um. Wer sich ihrer entschlägt, wird nicht zur
Rechenschaft gezogen. Das ist die bodenlose Bosheit dieser Welt.
(23.9.90)
Dem Elephanten
tat das viele Porzellan leid; dem gutversicherten Ladenbesitzer war es gleichgültig.
(25.9.90)
Ehre und Angst:
Zwillingskinder.
(25.9.90)
Zeit ist Geld!
Wie wahr! Wer Zeit hat, verdient Geld.
(28.9.90)
Die Heimat ruft.
Schon möglich. Nur.....sie hat viele Zungen.
(29.9.90)
Die Probleme
können nichts dafür, dass wir keine Zeit haben, sie zu lösen.
(30.9.90)
Sich selbst
entrinnt man nie.
(1.10.90)
Auch Diogenes
war ein Falschspieler. Er hatte nämlich die Wahl des alternativen Lebens.
(3.10.90)
Der
Schmetterling ist solange schön, als ihn niemand in Besitz nimmt.
(3.10.90)
Das Altwerden
begann, als sich die Fantasie der Vergangenheit zuwandte.
(7.10.90)
Der Tod gibt
seine Geheimnisse eher preis als das Leben. (7.10.90)
Wer kennt den
Eingang in seine Existenz und wer ihren Ausgang?
(7.10.90)
Der Tod begegnet
dem Leben in vielerlei Gestalt: Bald als kaltherziger Mörder, bald als charmanter
Verführer, bald als Logiker, bald als Schalk.
(8.10.90)
"Bist du
glücklich?" fragte der Tor den Tod.
(8.10.90)
Das ist nicht
blasphemisch gemeint, sondern bittere Erfahrung: Gott hält es nicht mit denen, die ihr
Geld verschenken.
(10.10.90)
Das Gleichnis
von den Talenten ist wörtlich zu nehmen. - Das ist die härteste Lebenserfahrung.
(11.10.90)
Auch das Schöne
und Edle wird schal.
(11.10.90)
Beginnen statt
werweissen. Durchhalten statt rechten. Abschliessen statt in der Vergangenheit stochern.
(16.10.90)
Den eigenen
Rhythmus finden: Erfolgsrezept des Lebens.
(16.10.90)
Gastfreundschaft
ist nicht verkäuflich.
(21.10.90)
Wir werden
bezahlt für das Gute, nicht für das Viele, das wir tun.
(21.10.90)
Nicht Lob der
Faulheit, aber Lob der Langsamkeit.
(25.10.90)
Als alle Hefte
eingefasst, alle Bleistifte gespitzt und alle Schüler am rechten Platz waren, das war
auch das Schuljahr vorbei.
(25.10.90)
Not bringt
Mit-Leider, nicht Freunde.
(31.10.90)
Ein wenig Kitsch
hat jeder gern.
(1.11.90)
Dankbarkeit für
Gewichtiges fällt schwer, so leicht einem sonst der Dank von den Lippen geht.
(2.11.90)
Auch wer in
Gesellschaft lebt, stirbt einsam.
(3.11.90)
Der Wahrheit
wird oft Blasphemie angedichtet.
(4.11.90)
Nur etwas
vergeuden wir grosszügiger als die Freiheit: die Zeit!
(4.11.90)
Ein gutes
Resultat ist nur erzielbar, wenn jeder das anstrebt, was er wirklich will.
(4.11.90)
Das Hochgefühl
ist leider das gleiche, ob es aus niederer Gesinnung oder aus Edelmut herrührt, nur der
Nachgeschmack ist anders.
(12.11.90)
Die Wärme der
Familie ist die kraftvollste Energiequelle.
(12.11.90)
Der Sturz
schmerzt auf jeder Höhe.
(12.11.90)
Applaus ist
Schall ......und Rauch.
(1.12.90)
Was wohl das
Idol an der Beweihräucherung findet?
(1.12.90)
Das Gute ist
scheinbar immer fern: in der entfernten Vergangenheit, in der fernen Zukunft. Carpe diem!
(1.12.90)
Lebenskunst ist,
Glück im Unglück zu empfinden.
(1.12.90)
Im
uneingeschränkten Glück noch unglücklich zu sein, ist die einzige Strapaze, die sich
der Verwöhnte zumutet.
(1.12.90)
Die Welt ist
voller Wissen und das Leben ist so kurz, dass ich die eigene Unwissenheit in die wissende
Welt projiziere.
(1.12.90)
Je schlechter
die Tat, umso grösser der Beifall.
(1.12.90)
"Ewig!"
- Der Augenblick ist schon lang genug.
(1.12.90)
Als die Menschen
so hinterhältig geworden waren, dass sie selbst den alten Teufel überrundeten, da
schenkte er ihnen den Terminkalender.
(1.12.90)
Der Alltag
schaufelt unermüdlich Geröll. - So hat der Sonntag viel Arbeit.
(1.12.90)
Nur noch einmal
über die philosophische Weisheit des Kleinkindes verfügen, das "unmögliche"
Fragen stellt!
(1.12.90)
Der eigenen
Kinder Glück ist das höchste Gut, obwohl man gar nichts dazu beiträgt. Ihr Unglück ist
das schwerste Leid; wohl weil man sich daran schuldig fühlt.
(1.12.90)
Der Gedanke ist
wie ein Keim. Man kann ihn verschütten, aber nicht ersticken.
(1.12.90)
Die Menschen
wollen lachen, ohne zu wissen warum.
(12.12.90)
Am wenigsten
Geld verliert, wer keines hat. Am meisten Zeit verliert, wer keine hat.
(21.12.90)
Man kann vieles
vermissen, ohne es zu wissen.
(25.12.90)
Ein verwöhnter
Mensch - Terror und Horror in einem!
(27.12.90)
Der Tod holt sie
alle ein....welch bitterer Trost!
(27.12.90)
Wer viel im Sinn
hat, dem kommt wenig in den Sinn.
(10.1.91)
Machtmenschen
machen Menschen hin.
(13.1.91)
Die Faulheit hat
am meisten Ausreden.
(14.1.91)
Irrtum des
Lebens: die Verwechslung von Dummheit und Perfidie.
(15.1.91)
Die meisten
Führer sind Geschobene.
(15.1.91)
Der Terror der
Faulheit ist niemals träge.
(15.1.91)
Der Mut ist eine
Grenzsituation der Feigheit.
(17.1.91)
Die Bugwelle des
Glücks ist der Neid.
(4.1.92)
Partir sans
quitter - revoir sans revenir.
(11.1.92)
Hinter dem
Zuviel grinst das Nichts.
(27.1.92)
In der ersten
Hälfte des Lebens: "Wie wird es sein, wenn .....?" In der zweiten Hälfte:
"Wie war es, als.....?" Zeit- und Gefühlsverschleiss!
(28.1.92)
Arbeit ist das
zuverlässigste Narkotikum.
(29.1.92)
Am
unerbittlichsten sind die Krallen des Alterns.
(30.1.92)
In jedem Mensch
steckt ein Poet, aber leider auch ein Prophet.
(9.2.92)
In der Ehe liegt
das Glück in der Hand des Partners, die nach der des andern greift.
(23.8.91)
Die Würde des
Abganges steht nicht zur Wahl.
(15.2.92)
Glück ist,
Glück gehabt zu haben.
(19.2.92)
Ein Gedanke
gewinnt nicht an Qualität, nur weil er an prominentem Ort ausgesprochen wird.
(21.2.92)
Alltag -
all'Tag'.
(22.2.92)
Wer tadelt,
hindert; wer lobt, führt.
(22.2.92)
Unfähigkeit
macht ungeduldig.
(22.2.92)
Unsere
Erlebnisse sind wie ein Tropfen Öl, der ins Meer fällt.
(19.3.92)
Selbst im
Hochsommer, wenn die Tage lang und die Nächte kurz und heiss sind, steht die Zeit nicht
ganz still; aber es scheint so.
(19.3.92)
Auch der Pfeil
des Lebens hält auf dem höchsten Punkt der Parabel einen Moment an.
(19.3.92)
Durchreissen,
nicht anreissen!
(20.3.92)
Wer an einer
Hängepartie hängt, hängt.
(20.3.92)
Auch ein anderer
Weg ist vielleicht gesäumt von Blumen.
(23.3.92)
Die Menschen
suchen die Wahrheit. - Welch' eine Lüge!
(23.3.92)
Der Stier hat
zwei Hörner. Und wir haben zwei Hände, um ihn dort zu packen.
(24.3.92)
Der Dampf ist
weg, die Pfeife stumm.
(28.2.92)
Wenn die Freude
am grössten ist, sind die rechten Worte am rarsten.
(18.3.92)
Das Leben ist
schön. Wir ziehen weiter.....
(18.4.92)
Bescheidenheit
ist Entwaffnung vor Kriegsbeginn.
(24.1.93)
Wer vorleistet
und Dankbarkeit erwartet, ist ein Idiot.
(24.1.93)
Emotionale
Argumentation. Was ist daran so schlecht?
(27.2.93)
Nicht:
"Kann ich es?", sondern: "Will ich es?"
(18.3.93)
Der Erfinder des
Konjunktivs gehört an den Galgen.
(18.3.93)
Einfache
Menschen und starke Persönlichkeiten möchten nie; sie wollen oder wollen nicht.
(18.3.93)
Erziehung!?
Verziehung mit Ausnahmen!
(18.3.93)
Was ich will,
das kann ich. Was ich darf, das muss ich. Was ich muss, das kann ich nicht. Was ich nicht
kann, das will ich nicht.
(18.3.93)
"Was will
ich?" Nicht: "Was könntest Du wollen?"
(18.3.93)
Verstandesfehler
werden nachgerechnet, Gefühlsfehler vorgerechnet.
(24.2.93)
Wer will, steht.
Wer kann, sitzt.
(18.3.93)
Will ich oder
wer will, dass ich will?
(18.3.93)
Das Fragezeichen
ist nur in Sätzen mit "wollen" erlaubt.
(18.3.93)
Die Welt ist
schön: ich will es. Ist die Welt darum schlecht, weil ich sie nicht ändern kann?
(18.3.93)
Unternimm, was
Du willst. Unterlass', was Du nicht kannst.
(18.3.93)
Der Sklave fragt
den Herrn, der Herr fragt sich.
(18.3.93)
Können die
Schneeglöckchen die gefrorene Erde durchstossen? Sie wollen es!
(18.3.93)
"Beföhle"
oder "befähle"? Nur der Grammatiker quält sich. - Der Mensch befiehlt. (Das
ist schon schwierig genug.)
(18.3.93)
Zu
"wollen" gibt es keinen Konjunktiv.
(18.3.93)
Wer andern den
Willen bricht, dem gehört das Genick gebrochen.
(18.3.93)
Politiker
produzieren laufend Rettungsanker aus Gummi.
(18.3.93)
Sag'
"Ich" zu Dir!
(20.3.93)
Das Leben - ein
Traum. Träume sind nicht greifbar.
(18.3.93)
Erwachen/Hoffen
- Erkennen/Wollen.
(18.3.93)
Die Sonne brennt
am Himmel droben, das Leben aber in uns selbst.
(18.3.93)
Die Schnecke
vertraut und streckt die Fühler aus. Der Mensch vertraut und zieht die Antennen ein.
(18.3.93)
Blauer Himmel,
warme Erde: was braucht es mehr?
(18.3.93)
Unsere Welt
besteht aus Stein, aber existiert in Menschen.
(20.3.93)
Einsamkeit ist
ein Akt des schlechten Wollens.
(20.3.93)
Wissen ist
schwer, Nichtwissen ist leicht. Warum sich's leicht machen?
(18.3.93)
Der Feldherr
steht im Kampf hinter seinem Heer und er defiliert im Triumph an seiner Spitze.
(18.3.93)
Das Wasser
durchdringt und grenzt ab: Verbindung und Trennung zugleich.
(18.3.93)
Pracht ist
Macht. Schönheit ist mehr als Form und Farbe.
(18.3.93) |